Jeden Mittwoch trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch. Diesmal Gesine Cukrowski im „Lenzig“ in Schöneberg. Es gibt: Baguette mit Kräuterquark.
Sie kommen gerade vom Wilden Kaiser?
Ja, ich habe dort für den „Bergdoktor“ gedreht. Eine tolle Gegend und es waren 24 Grad, traumhaft warm. Dann spiele ich noch in Berlin, mit Hans-Werner Meyer am Renaissance Theater, Moritz Rinkes: „Wir lieben und wissen nichts“. Dieses Jahr habe ich viel zu tun, aber es ist eine schöne Mischung aus Film und Theater, so, wie man sich das wünscht.
Und wie es sich auch lohnt. Viele Ihrer Kollegen leiden unter ihrer finanziellen Situation.
Ja, man verdient extrem wenig. Man muss drehen, um sich das Theater leisten zu können.
Wie bekommen Sie das geplant, mit Theater, Film und Familie?
So viel, wie es klingt, ist es ja gar nicht. Wenn ich Theater spiele, bin ich um sieben Abends im Theater und um 22.15 Uhr wieder zu Hause. Nur bei den Proben, da haben sie nicht so viel von mir. Das sind sechs Wochen, das ist familiär schon zu verkraften. Aber dann ist es toll, wenn man keine Probenzeit hat und nur spielt.
Um Zeit für Ihre Familie zu haben?
Der Familie geht es blendend. Wir leben hier richtig gut in Schöneberg, gleich um die Ecke. Lina ist jetzt 13. Sie selbst liebt Theater und schaut sich auch gerne die Stücke an, in denen ich spiele. Sie spielt selber in einer Kindertheaterschule. Dadurch hat sie einen anderen Blick darauf.
Empfehlen Sie ihr Ihren Beruf?
Ich bin wohl wie jede Mutter, die ihren Kindern sagt, sie sollen bitte einen anständigen Beruf lernen. In der Familie gibt es auch genug Vorbilder, die einen vernünftigen und verantwortungsvollen Beruf ausüben. Meine eine Schwester ist Ärztin, die andere Juristin. Aber bisher ist Lina da nicht zu überzeugen. Es wäre auch albern, wenn ich mich hinstelle und das von ihr verlangen würde.
Was unternehmen Sie mit Ihren Töchtern?
Man muss raus mit ihnen. Zum Beispiel auf das Tempelhofer Feld, hier gleich in der Nähe. Dort lässt sich prima Longboard oder Roller fahren. Letztens war ich für eine Reportage Elektro-Kart fahren am Ostbahnhof, das war super. Das werde ich als nächstes meiner Familie vorschlagen. Und ansonsten genießen wir Schöneberg.
Wo haben Sie überall in Berlin gelebt?
Ich bin in Marienfelde groß geworden und in Neukölln zur Schule gegangen. Danach folgten Stationen in Schöneberg, Moabit, Tiergarten und wieder Schöneberg. Ich bin viel rumgekommen in Berlin.
Warum nie Prenzlauer Berg? Gerade, wenn man das Familienleben so schätzt.
Das geht doch vielen eingefleischten West-Berlinern so. Ich bin hier geprägt, in diesem Teil der Stadt. Meine Mutter ist zwar an der Kollwitzstraße groß geworden, mein Vater in Lichtenberg. Aber beide Großeltern sind vor dem Mauerbau nach West-Berlin gegangen. Ich fand den Osten nach der Wende zu trist. Prenzlauer Berg hat sich wirklich toll entwickelt, aber es ist für mich immer noch wie eine fremde Stadt.
Haben Sie zum 25-jährigen Mauerfall-Jubiläum etwas Besonderes vor?
Ich finde es toll, was alles geplant wird. Das ist so wichtig, besonders für die Menschen, die sich das aufgrund ihres jungen Alters gar nicht mehr vorstellen können. Mein Mann war gerade mit Lina im DDR-Museum, das war klasse.



