Jeden Mittwoch trifft Alexandra Kilian einen Menschen der Stadt zum Lunch. Heute: Jörg Woltmann, Bankier und Inhaber der Königlichen Porzellan-Manufaktur, im Hotel „i-31“. Es gibt: Salat mit Hähnchenbrust.

Ihre Leidenschaft, der Sinn für Schönes, Geschichte, Details, ist zum Beruf geworden.

Ja, ich habe mich ja früh selbstständig gemacht – und für mich war Beruf immer Berufung. Das ist ein großes Glück, unabhängig zu sein. Und Privatleben und Beruf sollten sich immer vereinbaren lassen. Bei mir hat der liebe Gott den Freizeitchip nicht eingebaut.

Na, aber Sie werden doch Freizeit haben! Was machen Sie in dieser?

Es gibt keine heimliche Leidenschaft. Ich arbeite konzentriert und engagiert, von morgens um acht bis mittags in der KPM, dann von mittags bis abends in der Bank. Und danach gibt es gesellschaftliche Verpflichtungen. Zumindest arbeite ich jetzt sonnabends nicht mehr, das hatte ich mir vorgenommen. Meine Frau und ich gehen dann schlendern oder shoppen über den Kudamm oder den Gendarmenmarkt. Und mittags gehen wir gern traditionell ins Reinhards.

Ich bewundere ja Ihre Ausdauer auf dem Party-Parkett.

Dass ich überall bin, scheint nur so. Ich bin kein Partyhopper – und nicht so viel unterwegs, wie es aussieht. Das wird mir nur oft nachgesagt, weil die Bilder von uns oft verwendet werden. Ich wundere mich auch, warum wir fast immer auch abgebildet werden. Aber scheinbar bewertet die Presse das Ehepaar Woltmann als zeigenswert, weil wir ganz normal geblieben sind. Ich habe im Schnitt vier Einladungen pro Tag – drei bis vier in der Woche nehme ich wahr. Das ist doch überschaubar.

Das Ehepaar Woltmann geht vor allem sehr liebevoll miteinander um.

Eine gute Partnerschaft ist wichtig im Leben, ja. Wir sind jetzt 30 Jahre zusammen, das ist eine Zeit. Und wenn man unternehmerisch tätig ist, bleiben Sorgen nicht aus – und da ist es sehr wichtig, wenn man zuhause in ein Gesicht guckt, wo die Mundwinkel nach oben zeigen, nicht nach unten. Ich bin sehr zufrieden, unternehmerisch und privat.

Ihr Rezept dafür?

Man muss offen und ehrlich miteinander sein. Und Treue gehört dazu, dass man sich aufeinander verlassen kann. Man sollte den Partner teilhaben lassen am anderen Leben. Und grundsätzlich sollte die Chemie stimmen zwischen zwei Menschen.

Wie haben Sie sich kennengelernt?

Meine Frau hat bei mir in der Bank gearbeitet. Und bei einer Weihnachtsfeier hat es dann gefunkelt, wie man so sagt.

Das klingt ja fast beckenbauerisch.

Naja, sie war ja schon vorher in der Bank tätig, ohne dass da etwas gewesen ist. Ich habe immer meine besten, jungen Mitarbeiter, männlich wie weiblich, bei diesen Feiern neben mir platziert. Und ich dachte mir gar nichts dabei. Und als sie ihren Nachtisch nicht aß, fragte ich, ob ich den nicht haben könnte. Und da dachte sie, ach, was er nun wohl will? Dabei wollte ich wirklich nur ihren Nachtisch. Und kurz darauf leitete sie mein kleines Familienunternehmen.

Und Sie bauten Ihre Bank weiter aus und kauften die Königliche Porzellan-Manufaktur. Ist diese kulturelle Leistung, wie Sie den Kauf nennen, auch eine kulturelle Last? Gewinn bringt die KPM nicht, oder?

Grundsätzlich sollte man bürgen, wenn der Staat nicht mehr eingreifen kann. Einer musste es machen – und leicht kann jeder. Und ich wollte nicht die größte Manufaktur der Welt schaffen – sondern die beste. Das Unternehmen wird noch wirtschaftlich erfolgreich, das wird nur noch dauern, dafür dann stabil bleiben. Etwas zu hinterlassen ist mir wichtig. Im Himmel habe ich viel zu erzählen.

Aber Sie werden uns doch wohl bitte noch lange erhalten bleiben.

Ich traue mir unternehmerisch durchaus noch zehn bis zwölf Jahre zu. Aber mit 75 bis 80 Jahren sollte man dann auch aufhören.