In Berlin gibt es immer weniger Apotheken. Zu Beginn dieses Jahres boten laut dem Landesamt für Gesundheit in der Stadt 687 Filialen pharmazeutische Erzeugnisse und Dienstleistungen an. Vor zehn Jahren waren noch 176 Geschäfte mehr, also insgesamt 863 Apotheken im Stadtgebiet gemeldet. Und das, obwohl in diesem Zeitraum die Einwohnerzahl um fast 350.000 Menschen gewachsen ist und somit deutlich mehr Menschen von den vorhandenen Apotheken versorgt werden müssen. Allein im letzten Jahr ging die Zahl der Apotheken um 31 zurück.

Warum sich der Betrieb von Apotheken nicht mehr lohnt

Was sind die Gründe dafür, dass so viele Apotheken schließen und kaum neue eröffnen? Zuerst einmal gilt dabei festzuhalten, dass Apotheken privatwirtschaftliche Unternehmen sind. Der Betrieb einer solchen Einrichtung muss sich also für den Geschäftsinhaber rechnen. Einnahmen generieren Apotheken durch den Verkauf von frei verkäuflichen Arzneimitteln und Medikamenten, wie Aspirin oder Ibuprofen. Auf diesem Geschäftsgebiet macht der ausländische Arzneiversandhandel den örtlichen Filialapotheken zunehmend Konkurrenz. Denn diese können die Produkte deutlich günstiger anbieten, da sie Mengenrabatte mit dem Großhandel generieren und bei Miet- und Personalkosten sparen.

Bei den rezeptpflichtigen Medikamenten, die eine andere Einnahmequelle darstellen, haben sich die Honorare je abgegebenem Rezept seit 2013 nicht erhöht, bei einer gleichzeitigen Inflation von über 35 % in diesem Zeitraum. Eine Anpassung dieser Marge durch eine Apothekenreform wurde von der Politik zwar in der letzten Legislaturperiode immer wieder diskutiert, aber nicht verabschiedet. Hier die wichtigsten Faktoren noch einmal im Überblick:

Betriebswirtschaftliche ProblemeStrukturelle Probleme
Apothekenhonorar seit 2013 nicht erhöhtIntensivierte Konkurrenz durch ausländischen Arzneiversand
hohe Inflation in den letzten JahrenFachkräftemangel, fehlende Nachfolge bei Verrentung
steigende LadenmietenLieferengpässe bei Arzneimitteln
steigende PersonalkostenMehrkosten durch Digitalisierung der Abläufe
steigende Preise beim Einkauf zunehmende Dokumentationspflichten

Da ein Großteil des Gewinns mit rezeptfreien Medikamenten verdient wird, haben es Standorte schwer, die weniger Publikumsverkehr haben und auch solche, wo in der Umgebung viele jüngere internetaffine Menschen wohnen, die die Möglichkeiten des Internethandels eher nutzen.

Viele Apotheken schließen also, weil sich der Betrieb am Standort einfach betriebswirtschaftlich nicht mehr lohnt oder weil ihre Eigentümer das Rentenalter erreichen und für das Geschäft keine Nachfolge finden.

In Lichtenberg muss eine Apotheke die meisten Kunden versorgen

Ein Blick in die Bezirke macht deutlich, dass heute deutlich mehr Einwohner von einer Apotheke versorgt werden müssen als noch vor zehn Jahren. Rein rechnerisch kommen heute berlinweit auf eine Apotheke über 5670 Einwohner (2014: 4128). Und dabei sind die hunderttausenden Touristen, die täglich in der Stadt unterwegs sind, noch nicht eingerechnet. Am größten ist das Kundenpotenzial in den östlichen und nördlichen Bezirken – vor allem in Lichtenberg (7172 Einwohner je Apotheke) und Marzahn-Hellersdorf (6682 Einwohner). Deutlich besser sieht es in Charlottenburg-Wilmersdorf aus, wo nur circa 3900 Einwohner auf eine Apotheke entfallen.

Das Bevölkerungswachstum im letzten Jahrzehnt verstärkt diesen im Diagramm gezeigten Effekt auch noch einmal. So müssen derzeit in allen Bezirken weniger Filialen mehr Einwohner versorgen als im Jahr 2014.

Höchster Rückgang an Standorten in Friedrichshain-Kreuzberg

Zwischen 2014 und 2024 ging die Anzahl an Apothekenstandorten in allen Bezirken nach unten. In Friedrichshain-Kreuzberg sind in den letzten zehn Jahren fast ein Drittel der Apothekenstandorte verschwunden, hier sank die Standortzahl von 64 auf derzeit 44. Allein im Jahr 2024 verschwanden hier 7 Standorte. Überraschend, dass dies gerade im Bezirk mit der größten Bevölkerungsdichte geschieht. Eine ähnliche Verringerung war auch in Lichtenberg zu beobachten. Deutlich weniger betroffen war Spandau, wo die Apothekenanzahl seit 2014 von 47 auf 44 sank.

Berlin bei der Apothekendichte auch Schlusslicht im Ländervergleich

In Deutschland gab es laut Statistischem Bundesamt Anfang 2024 insgesamt 17.571 Apotheken. Im Jahr davor standen 62 Neueröffnungen insgesamt 559 Geschäftsaufgaben gegenüber. Rund 214.000 Menschen sind bundesweit in Apotheken beschäftigt – ein überwiegender Großteil davon sind Frauen.

Die folgende Karte verdeutlicht, dass Berlin und Bremen im Jahr 2024 die Schlusslichter unter den Bundesländern bei der Apothekendichte waren, ein Kennwert, der Apotheken je 100.000 Einwohner im Gebiet markiert. Nur 19 Apotheken versorgen hier 100.000 Einwohner. Deutlich entspannter sieht es im Saarland und Sachsen-Anhalt aus, wo 26 Apotheken 100.000 Einwohner versorgen. Für ganz Deutschland errechnet die Apothekervereinigung ABDA einen Wert von 21 Apotheken, in der gesamten EU sind es sogar 32.

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