Von Jörg Krauthöfer

Die Holzbohlen, die über das Moor führen, knirschen unter den Wanderschuhen. Zwischen den Bäumen im Herbstwald raschelt es. War da etwas? Vielleicht ein Troll, der seine knorrigen Arme ausstreckt? Oder ein Reh, ein Fuchs vielleicht? Der Weg führt weiter durch den Wald, vorbei an Schluchten, in denen kleine Bäche über die Steine plätschern, und an Wasserläufen, die träge durch die Landschaft fließen. Mal geht es bergan, mal bergab, und immer sieht die Welt gleich ganz anders aus. Für Kinder ist eine Wanderung durch die Natur viel mehr als der Weg zum Ziel. Sie ist eine Entdeckungsreise, wenn wir ihnen Zeit zum Staunen geben.

Berlin und Brandenburg bieten dafür beste Voraussetzungen. Zwischen dichten Wäldern, geheimnisvollen Pfaden und abwechslungsreichen Landschaften finden Familien hier Wandertouren, die nicht nur Erwachsene begeistern, sondern auch für kleine Füße jede Menge Spannung bereithalten. Wer sich aufmacht zu einer zünftigen Familienwanderung, wird schnell merken: Die Entdeckungen kommen fast von selbst.

Unser Wanderexperte Jörg Krauthöfer ist als Hauptstadtwanderer regelmäßig mit seiner vierjährigen Enkeltochter in der Hauptstadtregion unterwegs. Zum Start der Herbstferien in Berlin und Brandenburg hat er seine vier Tipps für besonders schöne Familienwanderungen in Berlin und Brandenburg zusammengestellt.

Tour 1: „Ab ins Moor.“ Erlebnisweg Teufelssee in Köpenick

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Auf einem Bohlenweg geht es über die faszinierende Moorlandschaft am Teufelssee.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Eine Moorlandschaft, in der sich Wildschweine suhlen, Holzstege, die am Wasser entlangführen und den Blick auf Enten, Schwäne und Frösche freigeben, sowie insgesamt 36 Mitmachstationen, welche die Natur erklären: Das bietet der Erlebnisweg Teufelssee am Fuße der Köpenicker Müggelberge, eines der schönsten Naturschutzgebiete der Hauptstadt. Die Wanderung ist knapp vier Kilometer lang und beginnt an der Bushaltestelle Rübezahl.

Den Lehrpfad gibt es bereits seit 1965. Im vergangenen Jahr wurde er grundlegend überarbeitet und neu konzipiert. Ein großer Eingangsbereich empfängt die Besucher. Gleich dahinter liegt der Waldspielplatz, und dann beginnt auch schon der Erlebnisweg. Insgesamt 36 Stationen laden zum Mitmachen und Informieren ein. Besonders beliebt sind der Kackhaufen-Rateweg, die Station Tierweitsprung, die sprechenden Bäume und die Baumpumpen. Der Wanderweg führt einmal um den Teufelssee herum. Von verschiedenen Plattformen aus kann man die heimische Tierwelt beobachten.

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Wie weit kann man aus dem Stand springen? Die Station Tierweitsprung ist nicht nur bei Kindern beliebt.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Der neue Lehrpfad setzt auf Interaktion und greift damit auf, dass Kinder schon früh mit Smartphones und Apps vertraut sind. Bevor es auf die Entdeckungstour durch die Geschichte dieser Naturlandschaft geht, lohnt sich deshalb der Download der begleitenden App Wald-Zeit-Reise. Sie ergänzt den Lehrpfad um Augmented Reality, Hörspiele und Minigames, die direkt mit den Stationen im Wald verknüpft sind. Wer Aufgaben meistert und Rätsel löst, sammelt Punkte. Die App ist jedoch kein Muss: Der Pfad lässt sich auch vollständig analog erkunden.

Entlang des Wanderwegs laden zahlreiche Tische und Bänke zur Rast ein. Auch das Wurzelhaus ist ein beliebter Pausenplatz. Wer nach der Wanderung statt einer mitgebrachten Leberwurststulle lieber einen deftigen Kartoffelsalat genießen möchte, kann zum berühmten Müggelturm hinaufsteigen oder die Rundtour an der Anlegestelle Rübezahl ausklingen lassen.

Infos zum Weg

  • Start/Ziel: Haltestelle Rübezahl (Bus 169) oder Wanderparkplatz Rübezahl
  • Länge: 4 Kilometer
  • Leichte Wanderung
  • Größtenteils für Kinderwagen und Roller geeignet
  • Gastronomie: Restaurant „Müggeltum“, Biergarten „Rübezahl“ (beide nicht am Wegesrand)
  • GPX-Daten gibt es hier!

Tour 2: „Immer dem Schnabel nach.“ Rund um Burg Rabenstein

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Burg Rabenstein im Fläming zählt zu den schönsten Burgen der Region. Ein Abenteuerweg führt vom Naturparkzentrum in Raben zur historischen Burganlage und wieder zurück.

Los geht die Kinderwanderung am Naturparkzentrum mitten im kleinen, beschaulichen Örtchen Raben. Das ist täglich ab 19 Uhr geöffnet und bietet jede Menge Informationsmaterial zur Region. Hier beginnt eine Entdeckungsreise durch den Hohen Fläming: mit Tipps für abwechslungsreiche Ausflüge und Leihfahrrädern. Ein kleiner Laden bietet regionale Produkte an. Absolutes Highlight ist die 2020 neu gestaltete Naturpark-Erlebnisausstellung im ersten Stock der Alten Brennerei. Wer sich über die Geschichte des Flämings und seiner grandiosen Kultur- und Naturlandschaft informieren möchte, ist hier gut aufgehoben. Der Garten der Sinne lädt zum Schauen, Riechen und Staunen ein.

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Blick in die Naturpark-Erlebnisausstellung vom Naturparkzentrum in Raben.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Wir starten unsere Wandertour vor dem Naturparkzentrum und laufen den Brennereiweg nach links bis zur Kreuzung Mittelende. Dort halten wir uns rechts und kommen zur romanischen Feldsteinkirche Raben. Das evangelische Gotteshaus ist täglich geöffnet und kann besichtigt werden. Weiter geht es die Dorfstraße entlang bis zur Kreuzung Zur Burg. Wir nehmen aber den Wanderweg schräg rechts durch den Park, folgen ab jetzt dem Specht mit dem markanten roten Schnabel und befinden uns jetzt auf dem Erlebnisweg. Zahlreiche Stationen laden ab sofort zum Mitmachen ein, darunter ein Baumtelefon, ein Barfußweg und Trichter, mit denen man die Geräusche im Wald verfolgen kann. Dann geht es über die alte Kopfsteinpflasterstraße hinauf, an der Falknerei vorbei, zur Burganlage Rabenstein.

Die Burg wurde zu Beginn des 13. Jahrhunderts errichtet und 1251 erstmals urkundlich erwähnt. Mit ihren erhaltenen Wehrbauten zählt sie zu den besonders gut erhaltenen mittelalterlichen Burganlagen Brandenburgs. Vom Hauptturm der Burg hat man einen weiten Blick über die Wälder des Flämings. Zur Anlage gehören unter anderem ein Rittersaal, eine Kapelle, ein Torhaus, ein Backhaus und eine Scheune. Während des Dreißigjährigen Krieges wurde die Burg von schwedischen Truppen geplündert, aber nicht zerstört. Die Kapelle im Bergfried wurde 1717 eingeweiht. Nach dem Zweiten Weltkrieg dienten die Gebäude zunächst als Forstschule und später als Jugendherberge.

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Einst sollen Kobolde in und um die Burg Rabenstein ihr Unwesen getrieben haben. Die hölzerne Figur unterhalb der Burganlage erzählt die Geschichte der Fabelwesen in der Region.© Jörg Krauthöfer/Funke Foto Services | Jörg Krauthöfer/FUNKE Foto Services

Unser Wanderweg führt einmal um die alte Burganlage herum. Kurz bevor es über hölzerne Treppen hinab in die Schlucht und damit zurück zu unserem Ausgangspunkt geht, treffen wir auf einen hölzernen Kobold mit einer roten Nase. Stumm steht er da, während eine Infotafel die Geschichte der Fabelwesen erzählt. Angeblich, so steht es dort ebenfalls, sollen die Kobolde hier im Burgwald alle 100 Jahre für einen Tag zum Leben erwachen und dann ein großes Fest feiern. Mal schauen, wann es wieder so weit ist.

Infos zum Weg

  • Start/Ziel: Parkplatz Naturparkzentrum Raben, Bushaltestelle Raben, Linie 572/Burgenlinie (ab Bad Belzig)
  • Länge: 3,2 Kilometer
  • Leichte Wanderung
  • Gastronomie: Hofladen Burg Rabenstein, Naturparkzentrum Raben, Gasthaus „Hämmerling“ in Raben
  • GPX-Daten gibt es hier!

Tour 3: Zwischen Sandgrube und Urwaldfeeling. Von Grunewald zum Drachenberg

Hauptstadtwanderer unterwegs

Früher rollten hier schwere Lastwagen voll mit Sand aus dem Grunewald für den Wohnungsbau nach Berlin. Heute ist die Sandgrube unweit des Teufelssees ein Naturrefugium und Spielplatz für Sandhungrige.

Wir starten die Wandertour am S-Bahnhof Grunewald und laufen durch den Fußgängertunnel zur Straße Eichkamp. Dort führt uns der breite Waldweg direkt rein in den Grunewald. Links liegt das Waldmuseum, rechts schimmern die Häuser der Revierförsterei durch die Baumkronen. Kurz darauf ermöglicht eine Kleingartenkolonie den Blick auf die ehemalige Abhörstation auf dem Teufelsberg. Wir bleiben auf dem ausgebauten Forstweg und erreichen die alte Sandgrube im Jagen 86. Links führen ein paar Stufen hinab in die frühere Grunewalder „Sandkiste“ und dann weiter über eine gigantische Sanddüne in Richtung Teufelssee.

Die Sandgrube im Jagen 86 im Grunewald entstand durch den Abbau von Feinsand für die West-Berliner Bauindustrie zwischen 1966 und 1983. Über 3,5 Millionen Kubikmeter Sand wurden hier gefördert, sodass dieser gigantische, bis zu 25 Meter tiefe „Sandkasten“ entstand. Nach der Einstellung des Abbaus entwickelte sich das Gebiet rasch zu einem Naturschutz- und Erholungsgebiet und einem idealen Sandspielplatz für Kinder.

Die Natur hat sich das ehemalige Militärgebiet auf dem Teufelsberg zurückerobert. Wer auf dem schmalen Pfad um die Abhörstation herumläuft, fühlt sich an manchen Stellen wie im Urwald.










14. Okt., 15:13
Die Natur hat sich das ehemalige Militärgebiet auf dem Teufelsberg zurückerobert. Wer auf dem schmalen Pfad um die Abhörstation herumläuft, fühlt sich an manchen Stellen wie im Urwald. 14. Okt., 15:13

Vorbei am Teufelssee und dem Ökowerk geht es dann durch dichten Wald hinauf auf den Teufelsberg. Rund um die ehemalige Abhörstation der Amerikaner hat sich mittlerweile ein beeindruckender, an manchen Stellen dschungelartiger Wald entwickelt. Auf schmalen Pfaden gelangen wir zum Kletterturm Teufelsberg und weiter auf das Plateau des benachbarten Drachenbergs. Von hier aus hat man eine grandiose Sicht auf das Berliner Stadtzentrum – vom Funkturm über das Upper West bis zum Berliner Fernsehturm und zu den Müggelbergen im Bezirk Köpenick.

Mehr zum Thema

  • Start: S-Bahnhof Grunewald (S7)
  • Ziel: S-Bahnhof Heerstraße (S9, S3, S5)
  • Weglänge: 6,5 Kilometer
  • Mittelschwere Wanderung
  • Wegbeschaffenheit: Asphalt, Schotterwege, Waldwege
  • Höhenmeter: 70 m ⬆️, 60 m ⬇️
  • Gastronomie: Restaurant „Scheune“, Ökowerk Grunewald
  • Zum Wandertext hier klicken!
  • GPX hier downloaden!

Tour 4: Von Zühlsdorf nach Birkenwerder durchs wilde Briesetal

Haupstadtwanderer

Im Moor gibt es für neugierige Kinderaugen immer etwas zu entdecken. Wer weiß, vielleicht wird hier eines Tages sogar die eiserne Münzkiste gehoben.

Im Briesetal bei Birkenwerder, so erzählen es alte Sagen, sollen einst bläuliche, hüpfende Flämmchen durch das Moor gewandert sein. Irrlichter, so nannten es die abergläubischen Vorfahren damals, und sie sahen darin die Seelen armer Menschen, die keine Aufnahme im Himmel fanden und ruhlos auf Erden herumirren mussten. Auch von einem kopflosen Reiter ist in den Geschichten aus längst vergangenen Zeiten die Rede, der im wilden Galopp durch das Tal ritt, immer auf der Suche nach einer vergrabenen Eisenkiste voller Münzen.

Wandertipps für Berlin und Brandenburg
Blick ins wilde Briesetal.© FUNKE Foto Services | Jörg Krauthöfer

Nun, weder Irrlichter noch sonstige Geister wurden in den vergangenen Jahren gemeldet, aber das Briesetal, zwischen Zühlsdorf und Birkenwerder gelegen, kann neben alten Sagen auch mit einer unglaublich schönen und wilden Natur aufwarten.  

Die Wanderung beginnt entspannt am Bahnhof Zühlsdorf, erreichbar mit der Heidekrautbahn. Vom Vorplatz geht es über die Bahnhofs- und Mühlenstraße in einen lichten Mischwald. Der mit einem blauen Balken markierte Pfad führt ins Briesetal. Auf gut drei Kilometern verläuft die Route entlang des Flusses durch Erlenwälder und eine mystische Moorlandschaft mit schwarzem Wasser, urigen Baumstümpfen sowie üppigen Sumpfpflanzen. Überall zeugen Spuren geschäftiger Biber von deren prägender Arbeit.

Über die Schlag- und Hubertusbrücke passiert man einen großen, von den Nagern aufgestauten See. Schließlich verläuft der Weg über die Fichteallee, die Fichtealleebrücke über den Berliner Ring und die Clara-Zetkin-Straße zum S-Bahnhof Birkenwerder – dem Schlusspunkt einer abwechslungsreichen Tour durch Wald und Moor.  

 

Infos zum Weg

Kreative Ideen für herbstliche Fensterbilder: Bastelspaß für die ganze Familie

Kreative Herbstideen zum Selbermachen
Sammle bei der Wanderung bunte Blätter. Verstaue die Blätter zu Hause vorsichtig, damit sie nicht brechen oder knicken. Bemal die Blätter mit Acrylfarbe oder einem Edding. Lass die Farbe danach vollständig trocknen. Zum Trocknen vorbereiten: Leg jedes Blatt einzeln zwischen zwei Lagen Küchenkrepp. Pressen oder bügeln: Du hast zwei Möglichkeiten. Pressen: Leg die Blätter für einige Tage unter schwere Bücher. Bügeln: Bügle die Blätter bei mittlerer Hitze trocken. Wichtig: Stell den Dampf aus. Laminieren: Laminiere die gepressten Blätter und schneide sie danach aus. Bastelleim: Streich die Blätter mit verdünntem Bastelleim ein. Er trocknet komplett transparent. Viel Spaß beim Basteln! 🍂© Nicole Krauthöfer | Nicole Krauthöfer