Jeden Sonnabend nimmt unser Redakteur Jörg Krauthöfer euch mit auf eine Reise durch die schönsten Wanderrouten in Berlin und Brandenburg. Mit seinen Empfehlungen findet ihr alles, was das Wanderherz begehrt: von entspannten Spaziergängen durch charmante Kieze, die mit ihrem urbanen Flair begeistern, über versteckte Pfade, die tief in grüne und verwunschene Parklandschaften eintauchen, bis hin zu familienfreundlichen Rundtouren und anspruchsvollen Fernwanderungen, die die pure Abenteuerlust wecken.

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Diese Woche entführt Jörg euch an einen ganz besonderen Ort – in das mystische und geheimnisvolle Briesetal bei Birkenwerder, wo uralte Bäume, versunkene Moore und das sanft plätschernde Flüsschen Briese eine einzigartige, beinahe magische Atmosphäre schaffen. Und das alles nur einen Steinwurf nördlich von Berlin.
Infos zum Weg
- Start: Bahnhof Zühlsdorf (RB 27 von Karow)
- Ziel: S-Bahnhof Birkenwerder
- Distanz: 11,7 Kilometer
- Wegbeschaffenheit: Asphalt, Waldwege, Kopfsteinpflaster
- Höhenmeter: 30 m ⬆️ 30 m ⬇️
- Leichte Wanderung
- Zur Wanderkarte hier klicken!

Von der Heidekrautbahn in die Heide
Die Tour beginnt am Bahnhof Zühlsdorf, wohin uns die Heidekrautbahn, die zur Niederbarnimer Eisenbahngesellschaft (NEB) gehört, ganz entspannt von Karow gebracht hat. Während der blaue Zug langsam weiterfährt, auf dem Weg zur letzten Station der Bahnstrecke, schlagen wir einen anderen Pfad ein. Vom Bahnhofsvorplatz biegen wir links ab, nehmen die Bahnhofsstraße und spazieren Richtung Dorfmitte. Ein kurzer Abstecher durch die Kreuzung zur Dorfstraße führt uns schließlich zur Mühlenstraße. Ab hier wird es grün! Ein lichter Mischwald begleitet unseren Weg und sorgt direkt für die perfekte Einstimmung auf den Tag. Nach ein paar Minuten erreichen wir den Campingplatz am Waldrand.
Am Campingplatz biegt unser Weg wieder einmal links ab, hinein in einen breiten Waldweg. Die herbstlich bunte Szenerie – mit ihren goldenen, roten und kupferfarbenen Blättern – ist atemberaubend und die Stille des Waldes wohltuend. Der breite Weg bringt uns zur Summter Chaussee. Dort können wir eine kurze Verschnaufpause einlegen: Direkt auf der gegenüberliegenden Straßenseite lädt ein kleiner Rastplatz dazu ein, sich auf einer Bank niederzulassen, ein paar Schlucke aus der Wasserflasche zu nehmen oder ein Sandwich zu genießen – perfekt, um sich für die kommenden Kilometer zu stärken.

Moorlandschaft und Biber prägen das Briesetal
Nach der Pause setzen wir unsere Wanderung fort und folgen dem Waldweg weiter bis zur nächsten Abzweigung. Hier beginnt, bei einem Blick nach rechts, der Wanderweg ins idyllische Briesetal. Der Einstieg ist kaum zu verfehlen: Der Weg ist gut markiert mit einem blauen waagerechten Balken auf weißem Untergrund – unserem ständigen Begleiter durch diese malerische Landschaft. Etwa drei Kilometer lang schlängelt sich der Fluss durch dichten Erlenwald und Moorgebiete, wunderschön und gleichzeitig mystisch. Der erste Abschnitt des Flusses bleibt dabei fast unsichtbar, läuft still zwischen den Bäumen hindurch. Doch dann öffnet sich der Wald und wir stehen vor einer einzigartigen Moorlandschaft, wie aus dem Bilderbuch.

Durch das Moor sieht die Natur plötzlich ganz anders aus: Schwarzes Wasser bildet den Grund und hier und da ragen Baumstämme wie scharfe Nadeln daraus hervor. Sumpfpflanzen wachsen wie verstreute Inseln, und die Spuren von Bibern, die sich hier eifrig an den Bäumen und Flussläufen ausgetobt haben, sind unübersehbar. Diese nimmermüden Baumeister haben das Gelände hier geformt, und wir wandern staunend durch ihre wunderbare Welt.
Schlagbrücke und Hubertusbrücke verbinden Natur und Architektur
Bald erreichen wir die Schlagbrücke – ein ungewöhnliches Meisterwerk der Natur und Architektur mitten im Wald. Hier verschwindet das Wasser des Briesetals kurzzeitig im Untergrund, während wir auf einem gewaltigen, sechs Meter hohen Damm die Landstraße überqueren. Oben angekommen, genießen wir den Ausblick, bevor es auf der anderen Seite wieder hinuntergeht, direkt zurück ins Briesetal. Die Schlagbrücke selbst fasziniert mit ihrer Konstruktion: gemauerte Kanzeln, Treppenstufen. Sitzgruppen laden zum Verweilen ein, und dann, auf der anderen Seite, führen die Treppen zurück hinab zum Fluss.

Wir setzen unsere Wanderung flussabwärts fort und erreichen die historische Hubertusbrücke, benannt nach dem heiligen Hubertus, dem Schutzpatron des Waldes. Unterhalb der Brücke sprudelte einst frisches Quellwasser in den Fluss – eine Quelle, die jedoch seit vielen Jahren versiegt ist. In früheren Zeiten erzählte man sich, dass junge Mädchen aus der Umgebung zu Ostern noch vor Sonnenaufgang frisches Quellwasser holen mussten, das im Volksmund als „Osterwasser“ bekannt war. Dabei war es wichtig, dass sie auf dem Hinweg nicht ein einziges Wort sprachen. Gelingt diese Aufgabe, versprach das Wasser Heilung und ewige Schönheit.
Wer sich aufmerksam auf der Hubertusbrücke umsieht, kann nicht nur ein sogenanntes „Waldfenster“ entdecken, das einen Blick auf den sich ständig wandelnden Wald bietet, sondern auch einen großen Findling. Auf diesem Stein ist die Inschrift „Tag des Waldes 1993“ zu lesen. Der damalige Ministerpräsident Manfred Stolpe weihte ihn am 21. März 1993 zusammen mit anderen Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens ein.

Biberdamm und Entenkolonne im Briesetal
Das letzte Wegstück entlang der Briese führt uns an einem großen See vorbei, an dessen Ufer eine Überraschung auf uns wartet: Eine Gruppe Biber hat an einer mehr als 20 Meter breiten Stelle die Briese aufgestaut und das Gewässer in seiner heutigen Form geschaffen. Eine große Kolonie von Enten hat sich ebenfalls hier angesiedelt und paddelt eifrig flussaufwärts und flussabwärts. Wer die emsigen Nager beobachten möchte, sollte sich am besten ans Ufer setzen und eine Weile geduldig warten.
Wir passieren die Waldschule im Briesetal, eine naturbezogene Bildungseinrichtung. Vom großen Wanderparkplatz der Gemeinde Briese geht es weiter auf der Fichteallee etwa einen Kilometer in südwestliche Richtung bis zum Ortseingang von Birkenwerder. Dabei überqueren wir auf der Fichtealleebrücke den Berliner Ring und folgen der Straße „Unter den Ulmen“ geradeaus bis zur Kreuzung zur Clara-Zetkin-Straße. Dort biegen wir rechts ab und gelangen schließlich zum S-Bahnhof Birkenwerder.




