Hollywood trauert um eine seiner großen Leinwandlegenden: Eva Marie Saint ist tot. Wie ihr Sprecher mitgeteilt hat, starb die Schauspielerin bereits am Dienstag im Alter von 102 Jahren friedlich im Kreis ihrer Familie in ihrem Zuhause in Los Angeles.

Saint arbeitete im Laufe ihrer jahrzehntelangen Karriere mit Regie-Größen wie Alfred Hitchcock und Elia Kazan zusammen. Für ihre Rolle in Kazans Drama „Die Faust im Nacken“ wurde sie mit dem Oscar als beste Nebendarstellerin ausgezeichnet.

Filmdebüt mit Marlon Brando macht Eva Marie Saint berühmt

„Die Faust im Nacken“ („On The Waterfront“) war Saints Filmdebüt, das sie auf Anhieb berühmt machte. In dem Filmklassiker von 1954 verkörperte sie die zurückhaltende Edie als Gegenpart zu Marlon Brandos Rolle als aufbrausender Macho-Boxer. Filmkritiker schwärmten später von ihrer herausragenden schauspielerischen Leistung in einem Film, der hauptsächlich für seine männlichen Charaktere gerühmt wurde.

Das von Kazan gedrehte Drama, zu dem Leonard Bernstein die Filmmusik beisteuerte, gilt als einer der größten Filme aller Zeiten. Auch Brando wurde dafür mit dem Oscar ausgezeichnet. „Er war hinreißend – wirklich hinreißend, aber auch ein wenig beängstigend“, sagte Saint später über ihren Filmpartner.

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Fünf Jahre später spielte sie an der Seite von Cary Grant in Hitchcocks Meisterwerk „Der unsichtbare Dritte“ („North by Northwest“). Saint galt damals als überraschende Wahl für die Rolle der „Hitchcock-Blondine“, die Grant den Kopf verdreht. Doch sie meisterte die Aufgabe bravourös – auch wenn sie danach nie wieder mit Hitchcock zusammenarbeitete. 

„Er arbeitete mit mir von außen nach innen“, beschrieb sie später ihre Arbeit mit dem britischen Regisseur. Allein durch die bis ins kleinste Detail ausgefeilte Gestaltung ihres Äußeren vom Make-up bis zur Handtasche habe er ihr „das Gefühl vermittelt, eine Spionin zu sein“.

Zu Saints glanzvoller Karriere zählte auch die Zusammenarbeit mit dem Regisseur Otto Preminger. An der Seite von Paul Newman trat sie in Premingers „Exodus“ von 1960 auf, einer Romanverfilmung über das gleichnamige Flüchtlingsschiff mit jüdischen Holocaust-Überlebenden. 

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Schauspiel statt Lehramt: Saint entdeckt ihre Leidenschaft am Theater

Saint wurde am 4. Juli 1924 in Newark im US-Bundesstaat New Jersey als Kind von Quäkern geboren. Auf ihre strenge Erziehung führte sie ihre Eigenschaft der Selbstdisziplin zurück. Ihr Studium an der Bowling Green State University nahm sie zwar mit dem Ziel auf, Lehrerin zu werden. Sie schwenkte dann aber auf einen Abschluss in Schauspiel um, nachdem sie ihre Leidenschaft für das Theater entdeckt hatte.

Ihre Schauspielausbildung absolvierte Saint in New York unter anderem am Actors Studio – der Wiege des von Kazan mitgegründeten Method Acting, bei dem Emotionen im Vordergrund stehen.

Hollywood lag der immer elegant auftretenden Saint zu Füßen. Auf dem dortigen Walk of Fame wurde sie mit zwei Sternen geehrt. Statt sich jedoch ausschließlich ihrer Filmkarriere zu widmen, entschied sich die Schauspielerin, kürzer zu treten, um sich ihrer Familie zu widmen. 

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Saint feiert Kino-Comeback und spricht über die Kraft der Lebenserfahrung

Mehr als ein halbes Jahrhundert später kehrte Saint auf die große Leinwand zurück: Im Blockbuster „Superman Returns“ (2006) spielte sie die Adoptivmutter des Superhelden – zu diesem Zeitpunkt war sie bereits Anfang 80. 

Ihre Ehe mit dem Regisseur Jeffrey Hayden hielt 65 Jahre bis zu dessen Tod 2016 – das Paar galt damit als Ausnahmeerscheinung in Hollywood. Ihre lange Lebenserfahrung habe ihrer Arbeit zusätzliche Tiefe verliehen, sagte Saint einmal. „Man hat im eigenen Leben unterschiedlichste emotionale Erfahrungen gemacht und versteht die Dinge hoffentlich besser“, sagte sie dem Sender TCM. „Und das macht einen zu einer besseren Schauspielerin.“

pau/afp