Das Jahr 2026 birgt wieder Neues im Prozess gegen Christina Block, Gerhard Delling und fünf Mitangeklagte. Das Mammutverfahren, das bis Ende Juni dauern soll, hat bereits so viele Wendungen genommen, dass das kaum möglich schien. Doch es kommt nach sechs Monaten und 27 Verhandlungstagen offenbar voran. Denn nach der spektakulären – und von vielen als „halb Märchen, halb Realität“ eingeschätzten Aussage des mehr oder minder geständigen Entführerchefs David B. sollte es am Donnerstag (8. Januar) mit Zeugen weitergehen.

Sie sollen schildern, wie es den Kindern ging und geht – nachdem sie von der Mutter getrennt waren und nachdem sie sie nach dem Verschleppen aus Dänemark wiedergesehen haben. Der jahrelange Sorgerechtsstreit zwischen Christina Block und ihrem Ex-Mann Stephan Hensel gilt als der Auslöser des eskalierten Streits um die Kinder.

Christina Block im Prozess: Wie geht es den Kindern Klara und Theo?

Eine Mitarbeiterin des Allgemeinen Sozialen Dienstes (ASD), die im Jahr 2021 in den Sorgerechtsstreit Block/Hensel eingeschaltet wurde, erklärte: Die älteste Tochter Johanna sei „im gegenseitigen Einverständnis“ der früheren Eheleute im Sommer 2021 zum Vater nach Dänemark gezogen.

Als der Vater Klara und Theo nach einem Besuchs-Wochenende Ende August 2021 bei sich behielt, hatte das Jugendamt die Einschätzung, dass die Kinder schnellstmöglich zu ihrer Mutter zurückkehren sollten. Hensel habe dem ASD mitgeteilt, die Kinder wollten nicht zur Mutter. Die Zeugin selbst hatte mit den Kindern nicht mehr gesprochen. Als „zerrüttet“ habe sie das Verhältnis von Vater und Mutter erlebt.

Christina Block Ingo Bott Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung
Anwalt Ingo Bott, Verteidiger von Christina Block, gibt in einer Pause des Prozesses wegen mutmaßlicher Kindesentführung im Landgericht Hamburg ein Statement ab.© Georg Wendt/dpa | Georg Wendt

Die Zeugin erklärte: „Die Sicht des Jugendamtes hat für Herrn Hensel keine Rolle gespielt.“ Er habe gesagt, die Telefonate mit dem Jugendamt würden aufgezeichnet. Das sei für sie keine Gesprächsgrundlage gewesen, sagte die Zeugin.

Kinder von Christina Block und Stephan Hensel: Jugendamt wollte „Dynamik brechen“

„Die Gewaltvorwürfe, die mir zugetragen worden sind von Herrn Hensel, gingen dahin, dass es von Seiten der Mutter zu Gewalt gekommen sei. Zuvor hatte es keine Vorwürfe gegeben, als die Kinder bei der Mutter lebten.“ Das Jugendamt wollte im Sommer 2021 die „Dynamik brechen“, dass die Kinder belastet wurden durch die Eskalation. „Ich habe Herrn Hensel gebeten, die Kinder wieder nach Hamburg zu bringen.“ Insgesamt sei das eine „hochbrisante Situation“ gewesen.

Warum die älteste Tochter beim Vater leben wollte, erklärte die Jugendamts-Mitarbeiterin so: Johanna habe gesagt, zu Hause sei es ihr zu „stressig“. Es gebe zu viele Vorgaben bei ihrer Mutter. In einem Detail sagte sie, sei es einmal darum gegangen, dass Johanna ein bestimmtes Deo nicht benutzen solle. Der ASD habe insgesamt Hensel als bestimmend wahrgenommen, auch in den Gesprächen des ASD mit Johanna. „Sie war nicht eingeschüchtert, aber angespannt im Rahmen des Gespräches.“

Fortsetzung Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung
Blick in Saal 237.© Marcus Brandt/dpa | Marcus Brandt

Die Zeugin erklärte, nach ihrer Einschätzung habe beim Vater in Dänemark eine Kindesentfremdung stattgefunden. Die Kinder hätten sich nicht frei und ungezwungen gegenüber dem Jugendamt äußern können. Sie habe die Gefahr gesehen, dass die Kinder Klara und Theo eine schwere psychische Störung entwickelten.

Einmal soll Christina Block die Sorge geäußert haben, dass es im Hause Hensel zu einem erweiterten Suizid kommen könnte. Die Zeugin sagte, sie habe diese Gefahr nicht gesehen.

„Theo nachts auf dem Ohlsdorfer Friedhof ausgesetzt.“ Offenbar eine erfundene Geschichte

Nach erneuter Nachfrage wurde klar, dass das Jugendamt die Erzählungen, die über Gewaltvorwürfe im Hause Block verbreitet wurden, als vom Vater und nicht den Kindern verbreitet eingeschätzt hat. Konkret ging es unter anderem um einen Vorfall, in dem Theo einmal nachts auf dem Ohlsdorfer Friedhof ausgesetzt worden sein soll. Offenbar war das erfunden nach Auffassung des Jugendamtes.

Die Zeugin hatte aufgrund der Vielzahl ihrer Fälle und der lange zurückliegenden Zeit nicht immer eine exakte Erinnerung. Das räumte sie selbst ein. Nachdem ihr beispielsweise E-Mails von Stephan Hensel vorgelesen wurden, setzte jedoch eine teilweise Erinnerung ein. Sie habe ihn darauf hingewiesen, dass er laut Urteilen zwar das Umgangsrecht habe, aber nicht das Aufenthaltsbestimmungsrecht für die Kinder Klara und Theo.

Fortsetzung Prozess wegen mutmaßlicher Kindesentführung
Block-Prozess in Hamburg: Nebenkläger Stephan Hensel.© Georg Wendt/dpa | Georg Wendt

Die Zeugin ließ sich eine Einschätzung vorlesen, nach der sie über einen familienrechtlichen Termin geschrieben habe: „Der Vater hat allen Experten im Gericht absolute Inkompetenz vorgeworfen.“ Das bestätigte sie. Hensel habe außerdem seine Ex-Frau „dämonisiert“. Zur Atmosphäre im Familiengericht sagte sie: „Da ging es schon hoch her.“ Einmal habe die Richterin gedroht, Hensel aus dem Saal zu werfen, wenn er seinen Ton gegenüber dem ASD nicht mäßige.

Eugen Block von Entführerchef David B. belastet

Es steht noch die Mehrheit der ursprünglich 141 geladenen Zeugen an. Und neue sind hinzugekommen. Denn wer hätte gedacht, dass David B. sich aus Israel (mit seinem deutschen Anwalt und unter „Begleitung“ vermummter Hamburger LKA-Beamter) aufmacht, um unter „sicherem Geleit“ im Saal 237 auszusagen? Und einige seiner mutmaßlichen Helfer bei der Verschleppung der Kinder Klara und Theo in der Nacht auf Neujahr 2024 haben augenscheinlich ebenso bei der Staatsanwaltschaft Hamburg ausgesagt.

Sie können nicht mehr in den laufenden Prozess integriert und neben den inhaftierten Tal S. auf die Anklagebank gesetzt werden. Ebenso lehnte das Gericht um die Vorsitzende Isabel Hildebrandt es ab, die Anklage gegen Stephan Hensel und Astrid Have zusammen mit der gegen Christina Block zu verhandeln. Das hatte unter anderem Eugen Block gefordert. Er hatte über das Abendblatt zuletzt an Richterin Hildebrandt appelliert.

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Der 85-Jährige ist selbst von David B. schwer belastet worden. Der „Patriarch“ sei in die Planungen für eine Rückholaktion der Kinder aus Dänemark eingebunden gewesen, hieß es. Doch die Staatsanwaltschaft sah zuletzt in Eugen Block einen Zeugen, keinen Tatverdächtigen im Sinne der Anklage: Kindesentziehung. Ob sie neue Ermittlungen aufnimmt, war Anfang Januar noch nicht bekannt.

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