- Neukunden finden aktuell Stromtarife mit Preisen von unter 30 Cent pro Kilowattstunde.
- Vergleichsportale und Rechner können beim Vergleich mehrerer Tarife helfen.
- Für eine bestimmte Verbrauchergruppe kann sich ein Wechsel aktuell besonders lohnen.
Während der Energiekrise 2022 sind die Strompreise explodiert, ein Wechsel aus der Grundversorgung lohnte sich damals kaum. Inzwischen hat sich der Markt normalisiert. Ein Anbieter- oder Tarifwechsel nach ein bis zwei Jahren kann sich wieder auszahlen –und ermöglicht es, sinkende Preise mitzunehmen. Laut Verivox liegt der aktuelle Strompreis für Neukunden im Schnitt bei unter 30 Cent pro Kilowattstunde.
Ein Vergleich der Strompreise lohnt sich also. Viele Verträge laufen ohnehin nur ein bis zwei Jahre. Aber worauf sollten Verbraucher bei einem Vergleich achten, welche Online-Portale arbeiten verlässlich und ab wann gilt ein Strompreis als günstig? Neben einem Rechner finden sich hier die wichtigsten Antworten rund um den Strompreis-Vergleich.
Vergleich der Strompreise (09/25): Rechner zeigt günstige Tarife
Der folgende Rechner basiert auf den Daten von Verivox. Das Vergleichsportal ist auch eine der Empfehlungen von IMTEST (Teil der Funke Mediengruppe). Zusammen mit Check24 bietet Verivox eine hohe Angebotsdichte. Beide Vergleichsportale bieten allerdings keine vollständige Markttransparenz. Es ist daher sinnvoll, für einen Strompreis-Vergleich mehrere Online-Portale zu nutzen. IMTEST empfiehlt neben Check24 und Verivox auch die Portale Stromauskunft und Wechselpiraten.
Damit der Vergleich starten kann, sind im Rechner einige Angaben nötig. Zunächst müssen Sie den jährlichen Stromverbrauch und die Postleitzahl angeben. Im zweiten Schritt können Sie noch optionale Angaben ergänzen. Dazu zählen etwa die Vertragslaufzeit oder der Filter, dass Sie nur Ökostrom-Tarife angezeigt bekommen. Wer möchte, kann seinen aktuellen Stromanbieter angeben und bekommt so für jeden neuen Anbieter die jährliche Ersparnis berechnet.
Was sind dynamische Stromtarife?
Dynamische Stromtarife orientieren sich stündlich am Börsenstrompreis. Ist viel Strom im Netz – etwa durch Wind- oder Solarenergie – sinkt der Preis. Bei hoher Nachfrage steigt er. Kunden zahlen aber nicht nur den Börsenpreis, sondern auch Steuern, Umlagen, Netzentgelte und einen Aufschlag des Anbieters. Wer flexibel ist und seinen Verbrauch in günstige Zeiten verschiebt, kann trotzdem deutlich sparen. Sinnvoll ist eine intelligente Stromsteuerung über ein Smart-Home-System.
Weitere Filter können Sie im Rechner unter „Weitere Einstellungen“ setzen. Wer etwa gezielt nach einem dynamischen Stromtarif sucht, kann den Vergleich ebenfalls anpassen. Zu beachten ist: Der Rechner bietet einige Filteroptionen. Je mehr Sie davon setzen, desto weniger Angebote werden angezeigt. Ein Blick in die aktuellen Strompreise kann helfen, ein Gefühl für gute Angebote zu bekommen.
| Wohnungsgröße | Durchschnittlicher Stromverbrauch pro Jahr |
|---|---|
| 1-Personen-Haushalt | 900 bis 1500 Kilowattstunden |
| 2-Personen-Haushalt | 1500 bis 2400 Kilowattstunden |
| 3-Personen-Haushalt | 1900 bis 3000 Kilowattstunden |
| 4-Personen-Haushalt | 2000 bis 3400 Kilowattstunden |
Quelle: ADAC mit Daten aus dem Stromspiegel 2025
Warum sich ein Vergleich der Strompreise aktuell lohnen kann
Grundsätzlich kann sich ein Strompreis-Vergleich immer lohnen. Unternehmen geben sinkende Einkaufspreise selten direkt an die Kunden weiter. Wer häufiger wechselt, profitiert von sinkenden Strompreisen. Zu teuer ist der Strom, wenn Verbraucher aktuell um die 40 Cent pro Kilowattstunde oder mehr bezahlen, schreibt der Finanzratgeber „Finanztip“. Arbeitspreise in der Spanne 25 bis 35 Cent je Kilowattstunde stuft das Finanzportal als „in Ordnung“ ein.
Laut Verivox liegt der durchschnittliche Neukundenpreis bei einem Verbrauch von 4000 Kilowattstunden pro Jahr aktuell bei rund 28 Cent pro Kilowattstunde (Stand: 2. September). Wer 40 Cent pro Kilowattstunde zahlt, kann durch einen Wechsel bis zu 480 Euro im Jahr sparen. Ausschlaggebend für eine mögliche Ersparnis ist neben dem Verbrauch der Wohnort. Auch das Zusammenspiel von Grund- und Arbeitspreis spielt eine Rolle.
Was ist der Unterschied zwischen Grundpreis und Arbeitspreis?
Der Grundpreis ist ein Pauschalbetrag, den Stromkunden unabhängig von ihrem tatsächlichen Verbrauch bezahlen müssen. Er ist vereinfacht gesagt die Gebühr für den Stromanschluss. Der Arbeitspreis pro Kilowattstunde Strom ist dagegen variabel und richtet sich nach dem tatsächlichen Verbrauch. Daneben gilt es Boni oder Rabatte im Vergleich zu berücksichtigen, die manche Anbieter im ersten Jahr gewähren.

Grund- und Arbeitspreis: So setzt sich der Strompreis zusammen
Der Strompreis pro Kilowattstunde setzt sich aus mehreren Einzelpreisen zusammen. Ausgangswert ist der Börsenstrompreis aus Leipzig. Dazu kommen Netzentgelte, Steuern und schlussendlich die Gewinnmarge der Stromanbieter. Dadurch ist der Endpreis für Verbraucher deutlich höher als der reine Börsenpreis. Allein die Netzentgelte sowie die Steuern und Abgaben machen zusammen einen höheren Kostenanteil aus als die eigentliche Strombeschaffung.
Der Strompreis setzt sich wie folgt zusammen:
- Strombeschaffung (16,1 Prozent): Kosten für die Stromerzeugung oder Stromeinkauf, inklusive Vertrieb und Gewinnmarge.
- Steuern und Abgaben (12,7 Prozent): Mehrwertsteuer, Stromsteuer, Konzessionsabgabe, KWK-Aufschlag, Offshore-Netzumlage und Stromnetzgeldverordnung werden prozentual angerechnet.
- Netzentgelte (10,9 Prozent): Die Kosten für Stromtransport, Messstellenbetrieb und Abrechnung.
Quelle: Bundesverband der Energie und Wasserwirtschaft (BDEW). Die Durchschnittswerte gelten für einen Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 3500 Kilowattstunden. Der Grundpreis ist anteilig enthalten.
Strompreis im Vergleich: Andere Länder haben deutlich niedrigere Preise
Dem Statistikamt der Europäischen Union (EU) Eurostat zufolge zahlten EU-Bürger im zweiten Halbjahr 2024 rund 28,7 Cent für eine Kilowattstunde Strom – inklusive Steuern und andere Entgelte. Es gibt aber große Differenzen: Während in Deutschland, Dänemark und Irland der Strompreis weit über dem EU-weiten Durchschnitt von 28,7 Cent liegt, zahlen die Stromkunden in Bulgarien, Ungarn oder Malta deutlich weniger.
| Land | Strompreis pro Kilowattstunde |
|---|---|
| Deutschland | 39,40 Cent |
| Dänemark | 37,60 Cent |
| Österreich | 24,40 Cent |
| Frankreich | 29,30 Cent |
| Ungarn | 10,30 Cent |
Quelle: Strom-Report und eurostat. Die Daten stammen aus dem Jahr 2024
Steuern und Entgelte machen Energie in Deutschland so teuer
Ein wichtiger Grund für die großen Preisdifferenzen in der EU ist laut Energieökonomin Claudia Kemfert vom Institut der deutschen Wirtschaft (DIW) der Strommix, der innerhalb der EU sehr verschiedenen ist. „Skandinavien hat zum Beispiel durch viel Wasserkraft günstigere Strompreise“, erklärt die Expertin gegenüber unserer Redaktion. „Zudem spielen Steuern und Abgaben beim Strompreis eine große Rolle.“
In Deutschland zahlen die Verbraucher mit die höchsten Strompreise weltweit. Durch den hohen Anteil an Entgelten und Steuern finanzieren sie die Subventionen für energieintensive Unternehmen indirekt mit. Große Konzerne beziehen Energie meist günstiger als private Haushalte. Zwar hatte die aktuelle Regierung in ihrem Koalitionsvertrag eine Senkung der Stromsteuer vereinbart, diese beschränkt sich aber auf die Großindustrie.
Für alle privaten Stromkunden bedeutet das: Am jetzigen Preisniveau wird sich zumindest vorerst wenig verändern. Ein Tarif- oder Anbieterwechsel kann aber trotzdem sinnvoll sein. Selbst wenn nur wenige Cent pro Kilowattstunde Strom wegfallen, kann sich das in Summe auf eine dreistellige Ersparnis im Jahr summieren, heißt es von Verivox.



