• Statt mit Erdgas können Hausbesitzer eine Heizung auch mit Flüssiggas betreiben.
  • Biogenes Flüssiggas gilt als zukunftsfähige Alternative für fossile Brennstoffe.
  • Vor allem im ländlichen Raum sehen Branchenkenner für Flüssiggasheizungen Potenzial.

Viele Eigenheimbesitzer sind über die Zukunft ihrer Heizung verunsichert. Geplante Stilllegungen von Gasnetzen, die CO₂-Bepreisung und die Novelle des Gebäudeenergiegesetzes haben in den vergangenen Jahren für Diskussionen gesorgt. Während manche Öl- und Gasheizungen bereits als Auslaufmodelle sehen, verweisen andere auf mögliche Nischenlösungen – dazu zählt etwa das Heizen mit Flüssiggas.

Jobst-Dietrich Diercks vom Deutschen Verband Flüssiggas sieht in der Flüssiggasheizung Potenzial. Möglich ist auch, Flüssiggas mit anderen erneuerbaren Energien zu kombinieren – etwa Photovoltaik oder Solarthermie. Wir haben uns diese Möglichkeiten angeschaut und erklären, wann Flüssiggas eine Alternative zur Erdgasgasheizung sein kann.

Gasheizung mit Flüssiggas statt Erdgas: Das steckt dahinter

Flüssiggas (LPG) ist nicht zu verwechseln mit Erdgas oder Flüssigerdgas (LNG). Im Gegensatz zur leitungsgebunden Versorgung mit Erdgas ist eine Flüssiggasheizung netzunabhängig. Verbraucher bestellen den Brennstoff in der Regel einmal jährlich und lagern ihn in einem Tank außerhalb des Hauses. Flüssiggas (LPG) zur Verwendung als Heizgas besteht aus Propan.

Propan kann über die Förderung und Aufbereitung von Erdöl und Erdgas gewonnen werden und lässt sich unter einem geringen Druck in einen flüssigen Aggregatzustand überführen.

Jobst-Dietrich Diercks, Vorstandsvorsitzender im Deutschen Verband Flüssiggas.
Jobst-Dietrich Diercks, Vorstandsvorsitzender im Deutschen Verband Flüssiggas, sieht im Heizen mit Flüssiggas Potenzial.© Deutscher Verband Flüssiggas e. V.

Bestehende Gasheizungen von Erd- zu Flüssiggas umrüsten

Biogenes Flüssiggas ermöglicht ein klimafreundliches Heizen. Wird dieser Brennstoff anteilig genutzt, können Heizungen die Vorgaben des Heizungsgesetzes erfüllen, das ab 2024 mindestens 65 Prozent erneuerbare Energien bei neuen Anlagen verlangt. Damit bleibt biogenes Flüssiggas auch mit Blick auf das Klimaziel bis 2045 eine zukunftsfähige Option. Ein weiterer Pluspunkt: Im Vergleich zu grünem Heizöl ist biogenes Flüssiggas schon in größeren Mengen erhältlich.

Ein weiterer Vorteil von Flüssiggas ist, dass nahezu jede Gasheizung – die bislang mit Erdgas betrieben wurde – diesen Brennstoff nutzen kann. Diercks: „Vorhandene Gasbrennwertthermen lassen sich nach dem Umstieg von Erdgas auf Flüssiggas mit wenigen Anpassungen wie gewohnt weiterbetreiben.“ Selbst bei älteren Gasheizungen seien häufig nur kleinere Hardwareanpassungen nötig. Aktuell seien rund 620.000 solcher Flüssiggasheizungen in deutschen Haushalten aktiv – Tendenz steigend

Was ist biogenes Flüssiggas?

Biogenes Flüssiggas wird aus organischen Reststoffen hergestellt – etwa aus Pflanzenölen oder Gülle. Es ist chemisch identisch mit fossilem Flüssiggas (LPG), aber klimafreundlicher. Beim Verbrennen entstehen deutlich weniger CO₂-Emissionen. Eingesetzt wird es unter anderem in Haushalten, in der Industrie oder als Kraftstoff.

Flüssiggasheizung mit erneuerbaren Energien kombinieren

Wird eine Flüssiggasheizung anteilig mit biogenem Flüssiggas betrieben, gilt sie laut Heizungsgesetz als erneuerbar. Möglich ist auch, Flüssiggas mit anderen Energieerzeugern zu kombinieren. Wir haben uns im folgenden zwei Varianten angeschaut, die sich für das Heizten mit Flüssiggas anbieten:

  1. Gas-Brennwertheizungen mit (biogenem) Flüssiggas
  2. Gas-Hybridheizung in Kombination mit weiteren Komponenten wie Photovoltaik

Eine Brennwertheizung kennen einige als klassische Heizung, wenn von Gas oder Öl als Energieträger die Rede ist. Der Begriff Brennwert bezieht sich auf den Heizkessel. Während Konstanttemperaturkessel als ineffizient gelten und in Deutschland unter die Austauschpflicht für Gas- und Ölheizungen fallen, sind Brennwertheizungen eine sparsamere Option und werden immer noch verbaut.

Heizung mit Flüssiggas: Ab 2045 muss Klimaneutralität gewährleistet sein

Im Gegensatz zu älteren Heiztechniken nutzt die Brennwerttechnik nicht nur die direkte Verbrennungswärme, sondern auch die in den Abgasen enthaltene Kondensationswärme. Dadurch schöpft sie den Energiegehalt des Brennstoffs nahezu vollständig aus, was den Verbrauch senkt und die Heizkosten reduziert. In Kombination mit Flüssiggas funktioniert eine Gas-Brennwertheizung ebenfalls wie mit Erdgas. Nur, dass das Flüssiggas in diesem Fall aus einem Tank kommt.

Zwar verbrauchen Brennwertheizungen weniger Brennstoff, trotzdem wird sich der steigende CO₂-Preis in den kommenden Jahren in der Abrechnung bemerkbar machen. Ab dem Jahr 2045 peilt Deutschland nach aktuellem Stand zudem die Klimaneutralität an. Danach müssen Verbraucher gewährleisten, dass die Heizung ausschließlich mit biogenem Flüssiggas betrieben wird.

Der CO₂-Preis

Das Brennstoffemissionshandelsgesetz (BEHG) regelt die CO₂-Bepreisung in Deutschland. Seit 2021 müssen Unternehmen, die fossile Brennstoffe wie Heizöl, Erdgas, Flüssiggas oder Diesel verkaufen, Zertifikate für den CO₂-Ausstoß erwerben. Seit 2023 gilt das auch für Kohle und Abfallverbrennung. Damit ist der Emissionshandel in den Regelbetrieb übergegangen. Die zusätzlichen Kosten geben viele Unternehmen an die Verbraucher weiter – Heiz- und Kraftstoffpreise könnten deshalb langfristig steigen.

Flüssiggas mit Solarthermie kombinieren und CO₂-Emissionen senken

Biogenes Flüssiggas erfüllt alle Vorgaben, die im Heizungsgesetz verankert sind. Eine Kombination mit anderen erneuerbaren Energien ist daher nicht zwangsläufig nötig – aber möglich. Eine Möglichkeit ist etwa die Kombination mit Solarthermie. Dabei übernimmt die Solarthermieanlage – wann immer die Sonne scheint – einen Großteil der Warmwasserbereitung. Im Winter kommt die Flüssiggasheizung zum Einsatz und übernimmt sowohl die Warmwasseraufbereitung als auch das Heizen.

„Über ein ganzes Jahr gerechnet können durch die Kombination einer Flüssiggasheizung mit einer Solarthermie-Anlage bis zu 60 Prozent der Energie für den Warmwasserbedarf aus der Natur kommen“, schreibt der Verband. CO₂-Emissionen würden sich dadurch reduzieren lassen.

Kosten für eine Flüssiggasheizung

Die Gesamtkosten für jede Heizung setzen sich grob aus Anschaffungs- und Betriebskosten zusammen. Während sich Geräte- und Installationskosten präzise beziffern lassen, wird es bei den Betriebskosten schwieriger. Denn Wartung oder auch die Flüssiggaspreise lassen sich nur schwer prognostizieren und sind auch von der Gebäudegröße und damit dem Verbrauch abhängig. Das Online-Portal „heizung.de“ nennt aber folgende Richtwerte:

KostenfaktorPreisspanne
Gasheizung3500 bis 7000 Euro
Flüssiggastank1500 bis 2500 Euro
Schornsteinsanierung1000 bis 2000 Euro
Wartung und Schornsteinfeger90 bis 200 Euro
Flüssiggasca. 79 Cent pro Liter (Stand: 04.02.2025)

Vor allem der Preis pro Liter Flüssiggas könnte sich in den kommenden Jahren deutlich erhöhen, wenn die Unternehmen die CO₂-Bepreisung an ihre Kunden weitergeben. Zum jetzigen Stand lässt sich das aber nur schwer kalkulieren.

Flüssiggasheizung sinnvoll? Experte sieht Potenzial im ländlichen Raum

Vor allem in Bestandsgebäuden im ländlichen Raum und in Gebieten, wo Planungen laufen, die Erdgasnetze zurückzubauen, sieht Diercks Potenzial für die Flüssiggasheizung. „Wir sehen steigendes Interesse von Hauseigentümerinnen und -eigentümern, die sich aufgrund geplanter Stilllegungen von Erdgasnetzen nach dem netzunabhängigen Energieträger Flüssiggas erkundigen.“ Ein Vorteil der Flüssiggasheizung gegenüber der Ölheizung ist, dass sie auch in Wasserschutzgebieten zum Einsatz kommen kann.

Die Voraussetzung ist ein Grundstück für den ober- oder unterirdischen Flüssiggastank. Ansonsten sind keine größeren Umbauten nötig, wenn zuvor eine Gasheizung in Betrieb war. Interessant ist Flüssiggas daher vor allem in ländlichen Raum, wo der Platz für den Gastank vorhanden ist und andere Wärmequellen wie die Fernwärme oder die Wärmepumpe nicht möglich sind.

Flüssiggas nicht die einzige Alternative zur Wärmepumpe – ein Fazit

Neben einer Wärmepumpe bietet das aktuelle Gebäudeenergiegesetz (GEG) viel Spielraum: vom Wasserstoff über Biokraftstoffe oder Flüssiggas. Welche Lösung die beste ist, hängt von vom Gebäude ab. Diercks sieht Flüssiggas-Heizungen mit (biogenem) Flüssiggas und Flüssiggas-Hybridheizungen als zukunftssichere Lösungen, insbesondere für Bestandsgebäude im ländlichen Raum. Allerdings können auch Wärmepumpen im Altbau oder Pelletheizungen eine Option sein.

Vor der Entscheidung sollten sich Verbraucher daher zu ihrem individuellen Fall informieren und beraten lassen. Neben Energieberatern bieten auch viele Verbraucherzentralen eine unabhängige Hilfe an. Wer zusätzliche Sicherheit sucht, sollte mehrere Beratungsangebote in Anspruch nehmen.