Die Jüdische Gemeinde Berlin hat am Montagabend an die im Holocaust ermordeten Juden sowie den 81. Jahrestag des Aufstandes im Warschauer Ghetto erinnert. An der Gedenkveranstaltung im Gemeindehaus an der Fasanenstraße nahm neben der Präsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, Cornelia Seibeld (CDU), und dem Vorsitzenden der Jüdischen Gemeinde zu Berlin, Gideon Joffe, auch die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer teil. Die 102-jährige Zeitzeugin entzündete eine der sechs Kerzen, die traditionell zu Jom Hashoa, dem Gedenktag für die im Nationalsozialismus ermordeten Juden, brennen. Jede dieser sechs Kerzen steht für eine der insgesamt sechs Millionen ermordeten Juden.  

Für den Gemeindevorsitzenden Joffe steht das diesjährige Gedenken „ganz unter dem Eindruck des grausamen Massakers der Hamas“, wie er der Berliner Morgenpost im Vorfeld sagte. Jüdisches Leben sei seit dem 7. Oktober „wieder verstärkt weltweit in Gefahr“. Joffe appelliert an den Mut der Mehrheitsgesellschaft, sich für die eigene Freiheit sowie demokratische Werte einzusetzen. Denn dieser Einsatz sei gleichzeitig „der beste Schutz auch für die jüdische Gemeinschaft“. Bei seiner Rede am Montagabend bezeichnete er den 7. Oktober als „brutalsten Tag für Juden weltweit seit der Shoah“, betonte aber auch die Unterschiede zwischen der Gegenwart und dem Holocaust.

Warschauer Aufstand: Symbol des jüdischen Widerstands gegen die Nazis

Seibeld erinnerte am Montagabend an die Geschichte des Warschauer Aufstand: 1940 zwängten die nationalsozialistischen Besatzer 450.000 Juden auf etwas mehr als drei Quadratkilometer und schnitten sie mit einer drei Meter hohen Mauer vom Rest der Stadt ab. Mehr als die Hälfte von ihnen wurde 1942 in das Lager Treblinka deportiert und dort in den Gaskammern ermordet. Als die Deutschen im Januar 1943 eine weitere Deportation durchführen wollten, leistete die Jüdische Kampf-Organisation bewaffneten Widerstand. Dabei sei es nie um den Sieg gegangen, sondern um die Art des Sterbens, so Seibeld: „Aufrecht, mit der Waffe in der Hand“.

Synagoge/Friedländer
Cornelia Seibeld (CDU), Präsidentin des Abgeordnetenhauses, erinnerte am Montagabend an den Warschauer Aufstand. © FUNKE Foto Services | Sergej Glanze

Der Aufstand im Warschauer Ghetto wurde zum Symbol für den jüdischen Widerstand gegen die Nazis. Um den 19. April – der Tag, an dem der Aufstand begann – liegt alljährlich der Gedenktag Jom Hoshoa, bei dem in Israel für zwei Minuten das tägliche Leben stillsteht. Das genaue Datum von Jom Hoshoa variiert wegen des jüdischen Kalenders.

Seibeld: Deutschland hat Verantwortung für Sicherheit und Existenz Israels

Neben der Erinnerung an den Aufstand schlug auch Seibeld den Bogen zur Gegenwart. Das Gedenken dürfe nicht nur der Erinnerung dienen, es müsse auch Mahnung sein, betonte sie: „Denn insbesondere nach dem 7. Oktober 2023 haben wir in Berlin, in Deutschland, Europa und der ganzen Welt den Antisemitismus neu aufflammen sehen.“ Deutschland trage eine besondere, aus der Geschichte erwachsene Verantwortung für die Sicherheit der Juden in Deutschland, aber auch für die Sicherheit und Existenz Israels, so Seibeld.

Für Musik und Lesungen als künstlerisches Begleitprogramm der Gedenkveranstaltungen sorgten Schüler des Jüdischen Gymnasiums Moses Mendelssohn und der Rabbinerin-Regina-Jonas-Schule. Zum Schluss wurde am Mahnmal vor dem Gemeindehaus ein Kranz niedergelegt und Rabbiner Yitshak Ehrenberg sprach das Kaddisch-Gebet. Bereits seit neun Uhr morgens wurden am Montag vor dem Gemeindehaus die Namen der 55.696 im Nationalsozialismus ermordeten Berliner Juden verlesen. Die Namenslesung dauerte bis in die späten Abendstunden hinein.