Am frühen Donnerstagmorgen standen plötzlich zwei riesige Betonklötze vor dem Hauptsitz des Bundesfinanzministeriums in Mitte. Passanten rieben sich verwundert die Augen, ehe die Berliner Polizei die Monumente mit Planen verdeckte. Hinter den Monumenten steckt dabei nicht etwa ein PR-Gag von Finanzminister Christian Lindner (FDP), sondern eine „ungehorsame Kunstaktion“ der Umweltaktivisten von Extinction Rebellion (XR) und der Kampagne Debt for Climate.
Angesichts der Jahrestagung der Weltbank und des internationalen Währungsfonds (IWF) in Marrakesch sowie des antikolonialen Aktionstages will XR somit laut eigener Aussage auf die Kolonial- und Klimaschuld des Globalen Nordens aufmerksam machen. Dementsprechend trägt der größere der beiden Blöcke mit einer Höhe von 1,70 Metern und einem Gewicht von über einer Tonne die Aufschrift „Klima- und Kolonialschuld des Globalen Nordens“, während der kleinere Block mit einer Größe von nur 40 Zentimeter und einem Gewicht von knapp 100 Kilogramm die Aufschrift „finanzielle Schuld des Globalen Südens“ heißt.
Debt for Climate: Der Globale Norden soll den Süden entschulden
Mit der Aktion stellt XR also die Frage „Wer schuldet hier eigentlich wem?“ und fordern die Streichung der Schulden des Globalen Südens durch Weltbank und IWF. „Diese internationalen Institutionen spielen eine zentrale Rolle im Aufrechterhalten eines neokolonialen internationalen Schuldensystems, das viele Länder im Globalen Süden in Abhängigkeiten hält, die eine gerechte sozial-ökologische Transformation verhindern“, sagt Esteban Servat, Mitbegründer der Kampagne Debt for Climate, zu der auch XR gehört.

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und mit 4,5 Prozent auch im IWF. Mit der Aktion wendet sich Debt for Climate direkt gegen Bundesfinanzminister Christian Lindner, der Deutschland im IWF vertritt. „Letztes Jahr hat Lindner öffentlich versprochen, sich für eine Streichung der Schulden des Globalen Südens einzusetzen“, so Servat. „Doch er liefert nichts als Lügen und Greenwashing.“
Was gebraucht werde, sei ein Systemwechsel, der damit beginnen müsse, dass Deutschland die Initiative ergreift, um die Länder des Globalen Südens zu entschulden und ihnen so eine selbstbestimmte und gerechte Energiewende zu ermöglichen.
Weitere antikoloniale Aktionen in Berlin
Das von den Aktivisten errichtete Mahnmal verdeutlicht dabei die unverhältnismäßig große Schuld des Globalen Nordens. „Der Globale Norden hat als Verantwortlicher für zahlreiche Kolonialverbrechen und für die eskalierende Klimakrise immense Schulden bei den Ländern des Globalen Südens“, erklärt Servat. „Die bedingungslose Streichung der finanziellen Schulden ist das Mindeste, was getan werden muss, um dieser Schuld gerecht zu werden.“
Die weltweit koordinierten Proteste von Debt for Climate beginnen am heutigen 12. Oktober – dem Tag des indigenen Widerstands – und dauern vier Tage, bis zum 15. Oktober. Neben Debt for Climate macht auch die Initiative 1210 auf den Tag des Indigenen Widerstands mit dezentralisierten, internationalen Aktionen aufmerksam. In Berlin etwa am Donnerstag mit einer Kundgebung um 16 Uhr vor dem Auswärtigen Amt und um 17 Uhr vor dem Humboldt Forum.



