Öffentlicher Nahverkehr

Taschendiebstähle in Zügen der BVG nehmen dramatisch zu

12.400 Fälle von Taschendiebstahl wurden 2015 registriert – ein Plus von 50 Prozent. Fahrgäste loben die Videoüberwachung.

Ein Taschendieb schlägt in der U-Bahn zu

Ein Taschendieb schlägt in der U-Bahn zu

Foto: Imago

Berlin.  Busse, Bahnen, Rolltreppen und Bahnsteige der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) sind ein Eldorado für Taschendiebe. In den Fahrzeugen und Anlagen der BVG wurden 2015 jeden Tag 34 Taschendiebstähle registriert, im Jahr zuvor waren es erst 22. Insgesamt zeigten 12.453 Opfer den Diebstahl von Wertsachen in der BVG an – 2014 waren es 8066, 2012 erst etwas mehr als 4000. Fast jeder dritte Taschendiebstahl, den die Berliner Polizei aufnahm, fand in der BVG statt.

Im noch unveröffentlichten Sicherheitsbericht des landeseigenen Verkehrsunternehmens, der der Berliner Morgenpost vorliegt, stellt dieses Alltagsdelikt das größte Problem dar. "Taschendiebstähle haben wirklich dramatisch zugenommen", sagte BVG-Sprecherin Petra Reetz. Das liege auch an den vielen Touristen, die lohnende Opfer für die Täter darstellten, so die Sprecherin. Insgesamt befördert die BVG jeden Tag drei Millionen Berliner und Besucher.

>> Das mulmige Gefühl bleibt

Gegen die Täter könne das Verkehrsunternehmen kaum etwas unternehmen. Man könne nur immer wieder darauf aufmerksam machen und warnen: "Leute, passt auf eure Sachen auf!", sagte Reetz. Zu allen anderen Themen fällt die Bilanz der BVG eher positiv aus. Dass es in der U-Bahn zu mehr gewalttätigen Übergriffen gekommen ist, begründet die BVG auch mit der deutlich gestiegenen Zahl von Fahrgästen. Die U-Bahn sei nun einmal das beliebteste Verkehrsmittel, dort träfen die meisten Menschen aufeinander, "auch die nicht so netten", so die Sprecherin.

Die BVG zählte 2015 genau 2245 Körperverletzungen, Nötigungen sowie Raub- und Sexualdelikte in der U-Bahn, 128 mehr als 2014. Weil in Bussen und Straßenbahnen die Gewalttaten zurückgegangen sind, fällt der Anstieg bei dieser Deliktart insgesamt moderater aus. Insgesamt ist Gewalt in der BVG mit 3066 Fällen aber seltener als früher. So wurden 2009 noch mehr als 3700 Taten registriert.

55 Rohheitsdelikte

In den ersten Monaten des Jahres 2016 ist das Gewaltproblem jedoch vor allem an einigen großen U-Bahnhöfen wieder virulent. So gab die Polizei kürzlich die Zahl der Gewaltdelikte am Alexanderplatz in Mitte im ersten Halbjahr 2016 mit 80 an, nachdem sie dort im gesamten Jahr 2015 genau 126 Vorfälle aufgenommen hatte.

Am U-Bahnhof Hermannplatz in Neukölln gab es von Januar bis Juni 55 "Rohheitsdelikte", im gesamten Vorjahr nur 50. Am U-Bahnhof Kottbusser Tor in Kreuzberg wurden 81 Taten registriert, nach 128 im Vorjahr, am U-Bahnhof Rathaus Spandau mit 22 schon fast so viele wie im gesamten vergangenen Jahr. Polizei und BVG führen jeweils eigene Statistiken.

Erfolge schreibt sich die BVG beim Kampf gegen den Drogenhandel in Zügen und auf U-Bahnhöfen auf die Fahne. Enge Kooperation mit der Polizei habe dazu geführt, dass im Öffentlichen Personennahverkehr 94 mutmaßliche Dealer festgenommen wurden.

Vandalismus rückläufig

Die Präsenz der Polizei in der BVG hat 2015 deutlich zugenommen, mehr als 21.000 Personen wurden überprüft und 905 festgenommen. Die BVG selbst schickt jeden Tag 200 eigene Sicherheitsleute plus Mitarbeiter von Fremdfirmen auf das 2000 Kilometer lange Liniennetz. Auch deswegen sind Vandalismus und Graffiti tendenziell rückläufig. Nach einem erfolgreichen Test mit drei Hunden will die BVG jetzt bis zu zehn Hundeführer mit ihren Tieren einsetzen. Es gehe darum, die Autorität der Sicherheitskräfte zu erhöhen, sagte die BVG-Sprecherin.

Auf 26 besonders belasteten U-Bahnhöfen sind Sicherheitsleute rund um die Uhr präsent. Damit folgt das Unternehmen dem in Befragungen ermittelten Wunsch der Fahrgäste. Aus Sicht von 79 Prozent der Kunden ist mehr Personal der wichtigste Beitrag für ein besseres Sicherheitsgefühl. 23 Prozent halten mehr Videokameras für ein geeignetes Mittel. Die BVG ist dabei, auch die letzten Busse und Trambahnen mit Kameras auszurüsten, 45 besonders belastete U-Bahnhöfe und alle U-Bahnen sind bestückt. Mehr als 80 Prozent der Fahrgäste finden Videoüberwachung gut. Die Polizei fordert die Bilder immer häufiger an, um Straftaten aufzuklären.

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