Das ist die gute Nachricht: In Bussen und Bahnen der Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) fährt man sicher. Statistisch gesehen kann jeder Berliner und jeder Gast 173.000 Mal U-Bahn, Tram oder Bus nutzen, ehe er Opfer eines Gewaltverbrechens wird. Es ist also rational, sich auf seinen Wegen durch die Stadt keine Sorgen zu machen. 173.000 Fahrten schafft der normale Nutzer so etwa in 250 Jahren.
Die schlechte Nachricht: Immer mehr Taschendiebe erleichtern in der BVG Touristen und Berliner um Geldbörsen und Mobiltelefone. Polizei und Verkehrsbetriebe können angesichts der enormen Zunahme dieses Alltagsdelikts nur zu Wachsamkeit mahnen. Aber auch für Taschendiebstahl gilt: Man muss 45.000 Mal BVG fahren, um Opfer eines Langfingers zu werden. Natürlich statistisch gesehen.
Selbst wenn also jeder rational nachvollziehen kann, dass Bahnhöfe und Fahrzeuge trotz der Taschendiebe und einzelner spektakulärer Gewalttaten ein ziemlich sicheres Pflaster sind: Das mulmige Gefühl bleibt, wenn zwielichtige Personen einen bedrohlichen Eindruck machen, wenn weit und breit kein Sicherheitsmensch zu sehen ist oder Streit suchende Jugendliche im Waggon aggressive Stimmung verbreiten. Darum tut die BVG gut daran, mit mehr Security-Leuten, mehr Polizeieinsätzen und mit Hundestreifen das subjektive Sicherheitsgefühl zu stärken. Auch die Videoüberwachung wirkt. Die meisten Kunden finden Kameras gut. Immer häufiger nutzt die Polizei die Bilder, um Verbrecher zu verfolgen. Politische Debatten um Video in der U-Bahn und Speicherzeiten gehen an den Bedürfnissen der meisten Berliner vorbei.
Aber der Kampf um Sicherheit in einem System, das täglich drei Millionen Menschen nutzen, ist nie gewonnen. Und Statistik hilft einem auch nicht weiter, wenn man sich nächtens auf einem leeren Bahnhof fürchtet.


