Die Aktie der Fluggesellschaft Air Berlin geriet am Dienstag unter Druck, nachdem das „Handelsblatt“ von Überlegungen berichtet hatte, die Wertpapiere könnten von der Börse genommen werden. Der Kurs fiel um 17,7 Prozent auf 0,71 Euro. Dem Bericht zufolge favorisieren Großaktionäre – unter anderem die arabische Airline Etihad, die knapp 30 Prozent an Air Berlin hält – diesen Schritt. Dann könnte die finanziell angeschlagene zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft in einem folgenden Schritt enger mit der ebenfalls krisengeschüttelten Alitalia kooperieren. Auch sie gehört anteilig zum Etihad-Imperium. Am Abend erklärte eine Etihad-Sprecherin, bei dem Bericht handele es sich um die „Wiederholung von unbegründeten Behauptungen“.

Air Berlin hatte 2014 den höchsten Verlust ihrer Geschichte eingeflogen. Auch 2015 steckte die Firma in den ersten neun Monaten in den roten Zahlen. Sie steht unter dem Druck, Kosten zu senken, nachdem auch die Passagierzahlen eingebrochen waren. Zuletzt wurden Informationen laut, wonach Air Berlin seinen Piloten künftige Überstunden erst in einigen Monaten erstatten will. Ferner war vom Verzicht auf eine bereits vereinbarte Gehaltserhöhung für Flugzeugführer und Manager die Rede. Im Januar hatte das Oberverwaltungsgericht Lüneburg sogenannte Codeshare-Flüge der Etihad mit Air Berlin zugelassen. Diese Flüge bieten beiden Gesellschaften zusätzliche Vermarktungsmöglichkeiten. Air Berlin hatte die Mehreinnahmen durch Codesharing mit mehr als 140 Millionen Euro beziffert.