Firmenverkauf

CDU-Politiker Frank Steffel ist kein Teppichhändler mehr

Schluss mit der Dreifach-Belastung: Der CDU-Politiker und Präsident der Handball-Füchse trennt sich von seinem Bodenbelags-Großhandel.

Der CDU-Politiker Frank Steffel gibt sein Teppichgeschäft auf.

Der CDU-Politiker Frank Steffel gibt sein Teppichgeschäft auf.

Foto: Massimo Rodari

Die öffentliche Existenz des Berliner CDU-Politikers Frank Steffel ruhte immer auf drei Säulen: Bundestagsmandat für Berlin-Reinickendorf, Präsidentenamt bei den Handball-Füchsen und Unternehmer an der Spitze des eigenen Familienbetriebes. Jetzt hat der 49-Jährige eine Lebensentscheidung getroffen und sich von seinem Großhandelsbetrieb für Bodenbeläge getrennt. Der alleinige Gesellschafter hat seine Firma mit 300 Mitarbeitern, 77 Millionen Euro Jahresumsatz und Stammsitz an der Reinickendorfer Wittestraße an die Unternehmensgruppe Brüder Schlau aus Porta Westfalica verkauft.

„Es ist für mich die richtige Entscheidung zum richtigen Zeitpunkt“, sagte Steffel der Morgenpost. Er habe die 1964 von seinem Vater gegründete Firma 25 Jahre geführt. Sein eigener Sohn sei drei Jahre alt, da könne er nicht bis 93 arbeiten, um ihm das Unternehmen zu übergeben. Als im Sommer die Anfrage der Schlaus gekommen sei, habe er die Chance ergriffen.

Die Zukunft am Berliner Standort ist gesichert

Steffel ist auch stellvertretender Landeschef der Berliner CDU. Bekannt wurde der ambitionierte Abgeordnete, als er 2001 nach dem Bankenskandal, dem Platzen der großen Koalition und der Abwahl des Regierenden Bürgermeisters Eberhard Diepgen (CDU) von seiner Partei zum Spitzenkandidaten gekürt wurde. In einem aussichtsloses Rennen gegen den Klaus Wowereit (SPD) trat Steffel in so manches Fettnäpfchen und verlor klar. 2009 zog er in den Bundestag ein, wo er sich der Steuer-, Finanz- und Sportpolitik widmet.

Die Käufer seines Unternehmens, die mit 6000 Mitarbeitern im Groß- und Einzelhandel mit Farben, Tapeten, Bodenbelägen und Baumarktutensilien 625 Millionen Euro umsetzten, steigen nach der Übernahme zum Marktführer in Deutschland auf. „Sie kommen aus der Farb-Ecke und aus anderen Regionen“, sagte Steffel, deswegen sei die Zukunft seiner Firma und der Standort auch gesichert. Er selbst hätte sich entscheiden müssen, ebenfalls aggressiv zu wachsen und fremde Investoren in den Betrieb zu nehmen.

Diesen Weg geht die Schlau-Gruppe. „Durch diesen Schritt steigen wir zu einem der bedeutendsten Großhändler in unserer Branche auf“, so Eberhard Beeth, Beiratsvorsitzender der Brüder Schlau GmbH & Co. KG. Über den Kaufpreis ist Stillschweigen vereinbart. Die Transaktion bedarf noch der Zustimmung des Bundeskartellamtes.

Steffel sucht eine neue Herausforderung

Steffel sagte, er werde sich auch noch stärker seinem Bundestagsmandat widmen, das er 2017 wieder erringen möchte. Das sei aber nicht der alleinige Grund für den Ausstieg. Aus Steffels Worten lässt sich ein gewisser Überdruss an der Mehrfachbelastung herauslesen. Dass er sich allein auf Politik und die Füchse konzentrieren werde, ist aber unwahrscheinlich.

Er wolle nun überlegen, wo neue Berufliche Herausforderungen lägen, sagte Steffel. Vielleicht werde er die nächsten 25 Jahre etwas anderes machen. „Eine neue Branche, etwas Internationales, mehr Projektarbeit“, umreißt der Politiker seine Überlegungen. Aber „ein bisschen Wehmut ist auch dabei“.

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