Fast 47 Millionen Euro hat Berlin 2014 sowie bis 30. Juni dieses Jahres aus der Bettensteuer City Tax eingenommen. Vergangenes Jahr flossen 29,1 Millionen Euro, im ersten Halbjahr bereits 17,7 Millionen Euro und damit mehr Geld als erwartet.

Der Senat hatte beschlossen, jährlich 25 Millionen Euro der Steuer an die Landeskasse zu übertragen und mit den darüber hinausgehenden Einnahmen zu je einem Drittel Wirtschaft, Sport und Kultur zu unterstützen.

Nun gab der Finanzsenator 9,1 Millionen Euro frei. Drei Millionen Euro fließen in die Tourismusförderung.

Erste Projekte sollen Anfang September öffentlich präsentiert werden, die Berliner Morgenpost stellt die wichtigsten vor.

Neue Touristeninformation am ZOB

Am Zentralen Omnibusbahnhof ZOB in Charlottenburg soll eine Touristeninformation gebaut und im kommenden Frühjahr eröffnet werden. Dafür hat Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU) 250.000 Euro vorgesehen. Das Info-Büro wird das siebte, das die Tourismusgesellschaft Visit Berlin betreibt. Am Brandenburger Tor, Fernsehturm, Hauptbahnhof und Flughafen Tegel sowie im Europa-Center und an der Rankestraße gegenüber der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche gibt es bereits Touristeninformationen.

Der Stützpunkt am ZOB ist dringend notwendig, dort stiegen die Fahrgastzahlen nach der Liberalisierung des Fernbuslinienverkehrs am 1. Januar 2013 sprunghaft an. 175.000 An- und Abfahrten mit insgesamt knapp neun Millionen Gästen wurden dort im vergangenen Jahr bewältigt. In diesem Jahr erwartet die Betreibergesellschaft, eine Tochter der BVG, sogar 210.000 An- und Abfahrten von Reisebussen.

Außerdem wird „Visit Berlin“ die bislang bezirkliche Touristeninformation in Pankow übernehmen und umfassend modernisieren. Die von lokalen Vereinen betriebenen Info-Büros in Neukölln, Spandau und Treptow-Köpenick sollen künftig in einer Kooperation mit „Visit Berlin“ geführt und dazu technisch modernisiert und besser ausgestattet werden.

Zudem soll ein bisher mit einem Dieselmotor ausgestatteter Stadtrundfahrt-Bus zum Elektrofahrzeug umgerüstet werden. Der Probebetrieb soll noch in diesem Jahr erfolgen, der Senat kooperiert dabei mit dem Sightseeing-Anbieter Berlin City Tour (BCT). Das innovative und geräuscharme Transportangebot für Touristen soll Berlins Rolle als Schaufenster der Elek-tromobilität unterstreichen.

Geld für Kongressförderung

Ein zweiter zentraler Komplex ist die Kongressförderung. Immerhin kommt jeder vierte Berlin-Besucher wegen einer Messe oder eines Kongresses nach Berlin. Das bei Visit Berlin angesiedelte Berlin Convention Office soll ein neues Veranstaltungskonzept umsetzen, mit dem mehr Verbandskongresse für die Stadt eingeworben werden können. Rund 1500 Verbände seien bereits hier präsent, das sei ein enormes, aber noch längst nicht ausgeschöpftes Potenzial, sagte Yzer.

„Mit mehr als zehn Millionen Teilnehmern und rund 2,2 Milliarden Euro Umsatz ist das Kongressgeschäft ein starker Wirtschaftsfaktor für Berlin. Mit den Mitteln der City Tax werden wir verstärkt überregionale Unternehmen, Verbände und Meinungsbildner in der Wissenschaft für Berlin als führender Kongressstandort in Deutschland ansprechen“, erläuterte Yzer.

Ein zweites Projekt zielt darauf ab, private Unternehmen anzusprechen. Mit speziell auf diesen Kundenkreis zugeschnittenen Serviceleistungen sollen Firmen überzeugt werden, ihre Veranstaltungen in Berlin durchzuführen.

Wirtschaftsfaktor Kongresse

Perspektivisch benötigt Berlin neue Kongressflächen, vor allem für große Tagungen mit mehr als 2000 Teilnehmern. „Visit Berlin“ begrüßt daher die Entscheidung des Senats, das ICC zu sanieren und dort wieder 10.000 Quadratmeter Kongressflächen zu schaffen.

Burkhard Kieker lobt auch das private Engagement in diesem Bereich. Wie berichtet, vergrößert das Hotel Estrel in Neukölln sein Convention-Center, im September wird der Neubau offiziell eröffnet. Dessen Herzstück ist ein Saal für 5000 Menschen. Zu Füßen des Estrel-Towers, der 2019 oder 2020 errichtet sein wird, sind zudem weitere Veranstaltungsflächen vorgesehen. Im neuen Stadtquartier an der East-Side-Gallery sind ebenfalls Kongressflächen für bis zu 4000 Besucher geplant.

Werbung für Berlin in europäischen Hauptstädten

Berlin will zeitlich befristet in wichtigen europäischen Hauptstädten für das innovative, kreative Potenzial der Stadt werben. In City-Lagen dieser Hauptstädte sollen dazu Pop-up-Stores eröffnet werden. Das gemeinsame Projekt von Wirtschaftsverwaltung, Visit Berlin und „Berlin Partner“ soll Ende September in Stockholm starten und dann nach London, Amsterdam und Paris weiterziehen.