Sanierung

Der Kreisel ist geschlossen

Eine Behörden-Kantine als Ausflugsziel und Sehenswürdigkeit? Kaum denkbar! Es sei denn, die Restauration liegt im 24. Stock eines renommierten Hochhauses, das zu zweifelhaftem Ruhm als Symbol des "Berliner Sumpfes" wurde: dem Steglitzer Kreisel.

Eine Behörden-Kantine als Ausflugsziel und Sehenswürdigkeit? Kaum denkbar! Es sei denn, die Restauration liegt im 24. Stock eines renommierten Hochhauses, das zu zweifelhaftem Ruhm als Symbol des "Berliner Sumpfes" wurde: dem Steglitzer Kreisel. Und in der Tat, die Kantine des Bezirksamts in luftiger Höhe war "sehenswürdig", bot bei klarem Wetter einen atemberaubenden Blick über die Stadt.

Die letzten Tage und Wochen vor der asbestbedingten Schließung des Hauses am 2. November nutzten viele, um noch einmal den Blick über die Stadt zu genießen oder Fotos zu schießen. "Auch Profi-Fotografen, Agenturen und TV-Sender haben sich bei uns angemeldet, um Bilder für ihre Archive zu machen", berichtet Bezirksamts-Sprecherin Martina Bauder. "Da sind schon wieder Leute, die fotografieren", registrierten zwei Mitarbeiterinnen, die wenige Tage vor der Schließung in der Cafeteria noch einmal ihre Pause verbrachten. Sie bedauerten den Auszug ihrer Behörde.

800 Mitarbeiten zogen um

Einen Tisch weiter erklärte ein Vater (in den 50ern) seiner Tochter (in den 20ern) und deren Freund die Geschichte des Hochhauses, in das die Bezirksverwaltung vor 27 Jahren eingezogen war. Anschließend folgte ein virtueller Stadtspaziergang mit dem Finger auf der Glasscheibe im 24. Stock.

Durch den Auszug des Bezirksamts mit rund 800 Mitarbeitern und den Beginn der Asbest-Sanierung werden Cafeteria und Kantine überflüssig. Familie Zangdies, die die Räume im Kreisel bewirtschaftete, übernahm am Schließungstag die Gastronomie im Rathaus Zehlendorf.

"Der zentrale Standort war mit öffentlichen Verkehrsmitteln gut zu erreichen. Jetzt müssen viele längere Wege in Kauf nehmen", bedauert Bürgermeister Norbert Kopp (CDU) die Aufgabe des Standorts.

Nach dem Auszug des Bezirksamts geht das Hochhaus vom Bezirk in den Besitz des Landes Berlin über. Für die folgende Asbestsanierung von der vierten Etage an sind zwei Jahre und Kosten von etwa 16 Millionen Euro veranschlagt. Danach soll der 27 Stockwerke hohe Verwaltungsbau verkauft werden. "Bei zwei Interessenbekundungsverfahren hat sich kein Investor gefunden, sollte sich bei einem dritten Verfahren nach der Sanierung auch kein Interessent finden, wird das Haus wohl abgetragen", vermutet Kopp.

Mehr als ein Drittel aller 2300 Bezirksamt-Mitarbeiter arbeitete im Kreisel, vor allem in Abteilungen mit Publikumsverkehr. Der Umzug, ein logistischer Kraftakt, belastet den Bezirkshaushalt mit vier Millionen Euro. Durch die dezentralen Standorte und die längeren Dienstwege wird es sicher auch zu längeren Bearbeitungszeiten kommen, erwartet Sprecherin Bauder. "Bei so manchem Mitarbeiter wird es ein verspätetes Aha-Erlebnis geben, dass man Probleme nicht mehr auf dem kurzen Dienstweg lösen kann, indem man mal schnell bei einem Kollegen vorbeigeht", vermutet Bauder.

"An den bisherigen Standorten müssen die Mitarbeiter enger zusammenrücken, außerdem haben wir neue Standorte übernommen", erklärt Knopp. Unter anderem wurden Büros vom Verfassungsschutz an der Ecke Clayallee und Auf dem Grat zu Bezirksamts-Domizilen. Ein Teil der aufgegebenen Leistikow-Schule wird zu Büros umgebaut. Naturschutz- und Bauamt kommen für ein Jahr in Containern an der Schlossstraße unter - bis ihre Büros in der Schule fertig sind. In das Rathaus Lankwitz, wo bislang das Finanzamt war, zieht die Abteilung Sozialwesen ein.