Asbest-Immobilie

Steglitzer Kreisel ohne Investor vor dem Abriss

Die Asbestsanierung des Steglitzer Bürohochhauses beginnt. Währenddessen sucht das Land Berlin weiter einen neuen Eigentümer. Der Abriss des Gebäudes ist mittlerweile eine Option, sollte sich kein Käufer finden.

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Dass die Asbestsanierung des Steglitzer Kreisels jetzt endlich beginnt – zunächst mit der halbjährigen Planungsphase – kann nicht darüber hinwegtäuschen: Die Zukunft des 118 Meter hohen Bürohauses an der Schloßstraße ist weiterhin ungewiss. Seit vier Jahren steht der Kreisel leer. Genauso lange versucht das Land Berlin als Eigentümer des Hochhauses einen Investor oder Käufer zu finden. Bislang vergebens. Noch vor kurzem wagte kaum jemand, laut über den Abriss nachzudenken. Inzwischen mehren sich die Stimmen, die diese Variante öffentlich in Erwägung ziehen.

Nachdem Harald Bodenschatz, Professor für Architektursoziologie an der TU, jüngst auf einer Debatte der Grünen in Steglitz von der Möglichkeit sprach, den „Turm als finanzielles Dauerproblem zu kappen“, nennt jetzt auch die Berliner Immobilienmanagement Gesellschaft (BIM) den Abriss als Option, sollte sich kein Käufer finden. Genauso schätzt der Miteigentümer des Kreisel-Ensembles – dem Immobilienunternehmen Becker & Kries gehört der Sockel – die Lage ein. „Die Asbestsanierung ist ein Weg, an dessen Ende eine Sackgasse sein kann“, so Geschäftsführer Christian Kube. Könne das Hochhaus nicht wiederbelebt werden, bliebe nur der Abriss.

Geringe Chancen auf Vermarktung

Die Chancen auf eine Wiederbelebung schätzt Kube gering ein. „Das Land Berlin hat auf vier nationalen und internationalen Immobilienmessen erfolglos einen Käufer gesucht“, sagt der Immobilienexperte. Das sei auch kein Wunder bei einem Büroleerstand von 1,5 Millionen Quadratmetern in Berlin. Angesichts dieser Lage könne er es sich schwer vorstellen, gerade am Standort Steglitz einen Investor für 28.000 Quadratmeter Bürofläche zu finden. „Das Objekt ist zu groß“, sagt Kube. Dazu komme, dass der neue Eigentümer aufgrund der hohen Investitionen in die Sanierung oder in den Umbau des Hochhauses hohe Mieten nehmen müsste. „Dann kann jeder Interessent auch gleich an den Potsdamer Platz gehen.“ Ganz hat Kube die Hoffnung aber auf ein „florierendes Bürohochhaus, so wie früher mit dem Rathaus“ nicht aufgegeben. Das sei die einzige Nutzung, die er sich vorstellen könne.

Der Liegenschaftsfonds und die BIM sind nach wie vor bemüht, einen Käufer zu finden. „Parallel zur Planung der Schadstoffbeseitigung suchen wir weiterhin einen Investor“, sagt Sven Lemiss, Geschäftsführer der BIM. Noch würden alle Varianten in die Planung einbezogen werden. So auch der Fall, dass es vor dem Start der Sanierung im Sommer 2012 noch einen Käufer gibt, der den Asbest selbst beseitigen will. Das Land rechnet mit 31 Millionen Euro für den Asbestrückbau. Doch trotz aller Hoffnung auf einen Investor, sagt Lemiss: „Wenn sich keiner findet, bleibt nur der Abriss.“

Verhandlungen mit Meridian-Stiftung

Über den Stand der Verhandlungen mit Investoren hüllen sich Liegenschaftsfonds und die Senatsverwaltung für Finanzen in Schweigen. „Wir sagen im Moment gar nichts“ heißt es beim Liegenschaftsfonds. Von „vertraulichen Dingen und Verschwiegenheit“, spricht Philip Husemann von der Senatsfinanzverwaltung. Nur soviel ist zu erfahren: Es gibt Verhandlungen, sie werden offen in alle Richtungen geführt, der Abriss ist eine Option. Immerhin bestätigt Husemann, dass die Verhandlungen mit der Meridian-Stiftung noch laufen.

Vor mehr als einem halben Jahr hat der Architekt Gert Eckel seine Idee von einem Kunst- und Lagerhauses, für die er bereits die Meridian-Stiftung begeistern konnte, öffentlich vorgestellt. Die Pläne sehen vor, im Inneren des Kreisels Probenräume für Musiker, Kunst-Galerien und Lagerräume, zum Beispiel für bildende Künstler, einzurichten. Allein acht Etagen und damit 8000 Quadratmeter Fläche sollen als „Selfstorage“ vermietet werden. Geplant sind außerdem eine Photovoltaikfassade, die durch Videokunst belebt wird und ein Solarpark auf dem Dach, „wo Schulklassen und Erwachsene erleben können, wie Strom produziert wird“, so Eckel. Von der Umsetzung des Projekts sollen auch die Kultur- und Jugendarbeit profitieren. So will der Architekt das Foyer dem Kulturamt für eine Dauerausstellung zur Geschichte des Bezirks zur Verfügung stellen. Eckel will die Asbestsanierung selbst übernehmen. Das hat seinen Preis: „Das Land muss an uns 20 Millionen Euro – den ermittelten negativen Verkehrswert der Immobilie – zahlen und ist damit jede Sorge und den Kreisel los“, so der Architekt. Die Verhandlungen sollten in dieser Woche weitergehen. Doch ein mehrfach verschobener Termin mit Vertretern von Senat und Liegenschaftsfonds sei kurzfristig abgesagt worden, sagt Gert Eckel.

Schadstoffsanierung kostet 32 Millionen

Unabhängig von den Verkaufsverhandlungen beginnt jetzt die Planung der etwa 32 Millionen Euro teueren Schadstoffsanierung. Den Zuschlag der europaweiten Ausschreibung hat eine Bietergemeinschaft um die Berliner Firma Convis erhalten. Das Unternehmen, so bestätigt BIM-Geschäftsführer Sven Lemiss, habe bereits Erfahrungen mit dem Palast der Republik. Die Arbeiten sollen im Sommer 2012 beginnen und etwa drei Jahre dauern. Der Miteigentümer Becker & Kries, der schon vor Jahren sein Sockelgeschoss vom Asbest befreit hat, hat lange darauf warten müssen. „Die Asbestsanierung ist auf jeden Fall der richtige Schritt“, sagt Christian Kube. Egal, was mit dem Hochhaus passiere: Sie müsse gemacht werden. Starke Einschränkungen aufgrund der jahrelangen Arbeiten fürchtet er nicht. „Das technische Konzept ist vernünftig und trägt unseren Bedürfnissen Rechnung“, sagt der Geschäftsführer. Die Geschäfte im Sockel und die Fußgänger würden kaum beeinträchtigt werden.

So soll es beim Asbestrückbau kein großes Gerüst geben, sondern nur eine kleine Hängerüstung wie man es sich bei einer Fensterreinigungsanlage vorstellen kann. Dann werden die Metallplatten nach und nach herausgenommen und gleich wieder ersetzt. Die Fensterscheiben bleiben drin. Am Ende ist das Gebäude zwar im Inneren entkernt und ohne Wasser, Strom und Klimaanlage. Es bleibt aber keine Bauruine zurück, sondern ein Stahlskelett, das von einer Fassade umhüllt wird. So bleibt den Steglitzern der Anblick einer Ruine erspart.