Das Nobelpreiskomitee hat am Freitag den Gewinner des Friedensnobelpreises bekannt gegeben. Ausgezeichnet wurden der Aktivist Ales Bjaljatzki aus Belarus sowie die russische Menschenrechtsorganisation Memorial und die ukrainische Organisation Center for Civil Liberties (Zentrum für zivile Freiheit).
Damit werde ihr Einsatz für Menschenrechte, Demokratie und die friedliche Verständigung in den drei Nachbarländern Belarus, Russland und der Ukraine gewürdigt, sagte die Komiteevorsitzende Berit Reiss-Andersen am Freitag in Oslo.
Im Vorfeld war spekuliert worden, dass das Komitee in Oslo ein Zeichen in Richtung Wladimir Putin setzen würde. Als Favoriten galten unter anderem der Regierungskritiker Alexej Nawalnj und die belarussische Oppositionsführerin Swetlana Tichanowskaja.
Friedensnobelpreis 2022: Das sind die Gewinner
Die russische Organisation Memorial werde für ihr Engagement gegen Militarismus und für ihren Einsatz für Menschenrechte ausgezeichnet, sagte Reiss-Andersen. Memorial wurde 1986 mit dem Ziel gegründet, die Opfer des kommunistischen Regimes in der Sowjetunion nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. Im vergangenen Jahr wurde die Organisation in Russland verboten.
Das ebenfalls ausgezeichnete Center for Civil Liberties habe zur Stärkung der ukrainischen Zivilgesellschaft beigetragen, sagte Reiss-Andersen. Nach Beginn des russischen Angriffskrieges hätten die Menschenrechtler Kriegsverbrechen gegen die Bevölkerung dokumentiert.

Der in Belarus inhaftierte Menschenrechtsaktivist Bjaljatzki gründete nach Angaben des Nobelkomitees die Organisation Viasna, die sich gegen die Folter von politischen Gefangenen einsetzt. Er habe sein Leben der Förderung von Demokratie und einer friedlichen Entwicklung gewidmet, sagte Reiss-Andersen. Das Nobelkomitee fordere seine Freilassung, ebenso wie die der anderen politischen Gefangenen in Belarus.
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Friedensnobelpreis verliehen: Selenskyj war unter den Favoriten
Die Wettbüros zählten außerdem den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, das Online-Medium „The Kyiv Independent“ und das ukrainische Volk an sich zu ihren Spitzenanwärtern. 343 Kandidaten – 251 Persönlichkeiten und 92 Organisationen – waren insgesamt nominiert worden. Die Namen werden traditionell 50 Jahre lang geheim gehalten.
Vergangenes Jahr waren die Philippinerin Maria Ressa und der Russe Dmitri Muratow mit dem Preis geehrt worden. Die beiden Journalisten erhielten ihn für ihren mutigen Kampf für die Meinungsfreiheit. Mit Muratow, dem Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung „Nowaja Gaseta“, hatte das Nobelpreiskomitee bereits 2021 einen Putin-Gegner ausgezeichnet.
Seit ihrer Auszeichnung hat sich die Weltlage nicht zum Besseren gewandelt: Zu Corona-Pandemie, Klimakrise und militärischen Konflikten in verschiedenen Weltregionen kam im Februar dieses Jahres hinzu, dass Russland in die Ukraine einmarschierte. (pcl/epd/dpa)
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