Liebe Leserin, lieber Leser,
Herbstliche Variationen beim Morgenpost-Menü in Steglitzals Gastro-Redakteur und -Kritiker werde ich häufig nach Restaurantempfehlungen gefragt. Meist nach dem Motto: „Meine Eltern kommen nach Berlin und ich möchte mit denen schick essen gehen.“ Oder: „Ich möchte meine Frau / Mann / Freundin (hier Passendes bitte einsetzen) zum Hochzeitstag / Geburtstag / Jahrestag ausführen. Wo könnten wir hingehen?“

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Ich gehe dann immer gleich vor und versuche erst mal, einzugrenzen. Bezirk? Stern oder Bib Gourmand? Preiskategorie? Nationalität? Vegetarisch? Meistens findet sich dann was. Nur, wenn die Antwort auf die erste Frage „Steglitz“ lautet und die bei der Preiskategorie „Gehoben, gerne Fine Dining“, dann komme ich ins Grübeln. Nach meinem Kenntnisstand (der natürlich lückenhaft sein kann) gibt es in meinem Heimatbezirk einfach kaum ein gehobenes Restaurant. Eines zum Beispiel, das sich für ein Morgenpost-Menü eignen würde. Falls Ihnen eines einfällt: Ich bin empfänglich für Tipps.

Natürlich gibt es unzählige Restaurants im Südwesten. Darunter sind auch sehr gute. Aber meistens sind es bodenständige italienische, asiatische oder deutsche. Es ist ein Umstand, den ich bis heute nicht so ganz verstehe. Ich vermute (!), dass die meisten Gastronomen immer nur die City West und die City Ost als „Place to be“ für ihre gehobenen Restaurants im Kopf haben. Dabei sind doch im Südwesten Berlins durchaus begüterte Gegenden zu finden, beispielsweise Dahlem. Da wäre Steglitz doch ein näheres Einzugsgebiet als Charlottenburg oder gar Mitte, gar nicht zu sprechen von Prenzlauer Berg.
An der Einwohnerdichte kann es eigentlich auch nicht liegen. Immerhin ist die Steglitzer Schloßstraße eine der meistfrequentierten Einkaufsstraßen der Hauptstadt. Und doch sind wir hier etwas unter dem Radar der Spitzengastronomie. Nur zwei Namen fallen mir immer recht schnell ein: das „Schmidt Z & KO“ – das streng genommen schon in Schöneberg liegt, an der Rheinstraße – und das „Jungbluth“ an der Lepsiusstraße.
In beiden fanden schon Morgenpost-Menüs statt, im „Jungbluth“ allerdings erst einmal. Und so habe ich mich sehr gefreut, als mich André Sawahn, Küchenchef und Besitzer, Anfang vergangenen Jahres kontaktierte und fragte, ob wir nicht mal wieder ein Morgenpost-Menü bei ihm abhalten könnten.

Wie ja bereits geschrieben: Das Menü hat einen sehr langen Vorlauf. In diesem Fall schrieben wir uns Mails im Februar 2025, und ich sagte schlussendlich für Oktober 2026 zu. Doch als ich Anfang September anrief, um den Probetermin zu vereinbaren, da versetzten wir uns kurz gegenseitig einen Schock. Denn Sawahn wusste zunächst nichts mehr davon und ich sah mich schon hektisch telefonieren, um ein neues Restaurant für den Oktober zu akquirieren. Zum Glück passte es auch so, und deshalb kann das Menü nun wie geplant stattfinden.
Freuen Sie sich auf herbstliche Variationen: Zwiebelcreme mit Röstzwiebeln, Rote-Bete-Suppe mit Meerrettichschaum, Heilbutt mit zweierlei Erbse, Kalbstafelspitz mit Kräuterseitlingen und Kakao-Sponge mit Himbeersorbet. Fotograf Maurizio Gambarini, Social-Media-Redakteurin Hanna Rech und meine Wenigkeit haben sich beim Probetermin jedenfalls sehr wohlgefühlt. Was kein Wunder ist, denn nicht nur waren Gänge und Weine exzellent, das „Jungbluth“ ist ein urgemütlicher Ort und das ganze Team äußerst sympathisch. Hier erfahren Sie alles Wichtige.
Gastro-News der Woche
Korrektur: Vergangene Woche hatte ich hier über den True Italian Award für das Lebenswerk an Franco Francucci berichtet. Dabei hatte ich Francucci dem „Il Calice“ in Charlottenburg zugerechnet. Das ist natürlich falsch, das „Il Calice“ führt Antonio Bragato. Francucci gehört das „Francucci“ am Kudamm. Vielen Dank für den Leserhinweis, verbunden mit der Bitte um Entschuldigung für den Fehler.
Frühstück 3000: Am 10. Oktober 2026 findet in der Kreuzberger Filiale des „Frühstück 3000“ der erste Italo Disco Brunch statt. Für den Anlass hat das Team um die beiden Inhaber Lukas Mann und Martin Pöller ein komplett neues Küchen- und Barmenü entwickelt, das die Brunch-Gäste gedanklich und vor allem geschmacklich direkt an die Amalfiküste versetzt. Dazu gibt es Italo-Beats von DJ Blu Scuro und ein Disco-B2B von Si.Chef und E.Manuel. Der Brunch kostet 59 Euro pro Person, all you can eat and drink. Los geht es um 9 Uhr: Tische für ein bis zwei Personen sind für zwei Stunden buchbar, größere Gruppen erhalten den Tisch für zweieinhalb Stunden. Um 16 Uhr heißt es „finito“! Tickets für den Italo Disco Brunch gibt es über das reguläre Buchungssystem auf der Frühstück-3000-Website www.fruehstueck3000.com. Weitere Events dieser Art sind für die kommenden Monate bereits in Planung. Fromet-und-Moses-Mendelssohn-Platz 9, 10969 Berlin-Kreuzberg.
Chef:in Awards: Zum ersten Mal wurden in Deutschland Preise vergeben, die ausschließlich Frauen in der Gastronomie auszeichnen. Am Montagabend fanden im Foodlab Hamburg die ersten CHEF:IN Awards statt, präsentiert von OpenTable. In sieben Kategorien wurden neun Frauen ausgezeichnet – von der Küche über die Patisserie bis zur Bar, zum Wein und zum Service. Den Titel Köchin des Jahres teilen sich Sarah Hallmann (Hallmann & Klee, Berlin) und Julia A. Leitner (CODA, Berlin). Die Laudatio hielt CHEF:IN-Botschafterin Cornelia Poletto. Weitere Berliner Preisträgerinnen: Gastgeberin des Jahres wurde Ilona Scholl vom „Tulus Lotrek“, Sommelière des Jahres Nancy Großmann vom „Grill Royal“. Barkeeperin des Jahres ist Maria Gorbatschova von der „Green Door Bar“.
Bio aus unserer Region: Vom 22. September bis 2. Oktober 2026 bringt „Kantine Zukunft“ die bundesweite Aktion „Bio aus unserer Region“ nach Berlin. Von der BSR-Kantine über Kita-Küchen bis zu den Ministeriumskantinen des BMFTR und des BMF kochen die Küchenteams mit einem Warenkorb saisonaler Bio-Produkte aus der Region: Linsen aus dem Spreewald, Kürbis aus dem Oderbruch, Kichererbsen aus Teltow-Fläming, Reis aus Brandenburger Roggen und mehr. Zusammen verpflegen die teilnehmenden Einrichtungen täglich rund 15.000 Menschen. Weitere Informationen hier.
„pars“: Das mit einem Michelin-Stern ausgezeichnete Restaurant „pars“ von Kristiane Kegelmann in der Charlottenburger Grolmanstraße schließt Ende 2026 seine Türen. „Die Entscheidung war keine leichte – gerade nachdem das pars 2025 mit dem Michelin-Stern ausgezeichnet wurde“, heißt es in einer Mitteilung. „Aber ehrlich zu bleiben, auch sich selbst gegenüber, war im ‚pars‘ immer wichtig: Die Zeiten für anspruchsvolle, werteorientierte Gastronomie sind härter geworden. Steigende Kosten, ein sich veränderndes Publikum und die Frage, ob Fine Dining in dieser Form noch zeitgemäß ist, haben Kristiane Kegelmann zu dieser Entscheidung geführt.“ Die Inhaberin bedankt sich bei ihrem Team, den Produzenten und den Gästen. Bis zum 20. Dezember hat das Restaurant noch geöffnet. Grolmanstraße 53-54, Charlottenburg, https://www.pars.berlin/
Rogacki-Kochbuch: Das erste Kochbuch von Rogacki versammelt laut einer Mitteilung 64 Rezepte, darunter Klassiker wie Backfisch, Kartoffelsalat, Dillhäppchen, Matjes Hausfrauenart, Senfeier, Austern, Rührei mit Räucheraal, Bulette und Fischsuppe. Weiter heißt es: „Für dieses Kochbuch hat Susanne Walter die Rogacki-Originalrezepte gekocht und gestylt, fotografiert von Monika Schürle. Ergänzt wird das Buch durch einen Rückblick auf die fast 100-jährige Geschichte des Unternehmens, die 1928 mit einer Aalräucherei in Wedding begann. Die Auswahl bietet einen Einblick in die Küche und Geschichte von Rogacki.
Die Herausgeber des Buches sind die beiden neuen Gesichter der Marke Rogacki Daniel-Jan Girl und Jan Spielhagen. Redaktionell betreut wurde es vom tipBerlin-Foodredakteur Clemens Niedenthal.“ Rogacki-Kochbuch, Preis: 24,95 €, Umfang: 176 Seiten, ISBN: 978-3-946631-80-4
Ab dem 5.10.2026 im Handel, schon jetzt vorbestellbar im tipBerlin-Onlineshop: tip-berlin.de/rogacki
Aufgespießt: Diese Restaurants servieren internationale Spießgerichte

Meine jüngeren Kolleginnen und Kollegen erstaunen mich immer wieder. Als ich neulich mit dem Social-Media-Team über Themen sprach und wir uns über Gerichte austauschten, tauchte ein Wort auf, das ich seit meiner Kindheit in den 1970ern nicht mehr vernommen hatte: Cevapcici. Wir müssten unbedingt mal was darüber machen. Cevapcici! Vor meinem inneren Auge erschienen Bilder von Gartenpartys meiner Eltern, bei denen der Grill angeworfen wurde. Ein olles Teil, das aber gut funktionierte, selbst wenn mein Vater mit lockerer Hand Brennspiritus hineingoss, was eine riesige Flammenwolke verursachte. Einmal stand ein guter Freund meiner Eltern mitten drin, kam aber zum Glück mit versengten Haaren davon. Nun ja, der Arzt wäre ja in Gestalt des Verursachers dabei gewesen. Die fahrlässige Brandstiftung blieb also folgenlos und dürfte nach rund 50 Jahren hoffentlich verjährt sein.
Jedenfalls gab es immer, wirklich immer, Cevapcici. Ćevapčići (so die hoffentlich korrekte Schreibweise) sind laut Wikipedia „gegrillte Röllchen aus Hackfleisch und ein in Südosteuropa und Vorderasien verbreitetes Fleischgericht. In Bosnien und Herzegowina, Kroatien, Montenegro, Nordmazedonien, Serbien, Rumänien, Albanien sowie im Kosovo gelten sie als Nationalgericht“. Demnächst werde ich also wohl mal diesen Kindheitsklassiker ebenfalls zubereiten. Leider ist das Rezept meiner Mutter in den Wirren der Zeit verloren gegangen.
Und offenbar sind sie wieder in. Ich weiß nicht, welcher Influencer bei TikTok oder Instagram sie gehypt hat, aber am Ende des Tages ist das ja auch egal.

Die Röllchen bringen mich jedenfalls auf die Spießchen. Gibt es eigentlich noch diese kleinen Pieker aus buntem Plastik in Form eines Degens, auf denen früher ein Würfel Käse mit einer Weintraube aufgespießt wurde? Ein Klassiker bei jeder Cocktailparty und jedem Buffet. Aber ich schweife ab (mal wieder). Es soll hier um echte Spieße gehen, denn auch die sind international weitverbreitet. Egal ob Yakitori oder Saté, viele Kulturen bereiten Essen an einem Spieß auf dem Grill zu. Dabei wird teils Fleisch in Würfeln, teils Hackfleisch verwendet, was wohl die anspruchsvollste Form sein dürfte. Das muss nämlich mit einer speziellen Zwei-Finger-Technik an den Spieß sozusagen geklebt werden. Ich würde mir das nicht zutrauen, aber zum Beispiel Farzaneh Derakhshan im persischen Restaurant „Shayan“ in Schöneberg kann das perfekt. „Kubide“ heißt das dann und besteht aus fetthaltigem Rind- und / oder Hackfleisch.

Auch sehr beliebt in meiner Kindheit war Schaschlik: Holzspieße, mit Schweinefleischwürfeln, Zwiebeln, Paprika und gegrillt. So gibt es sie noch an mancher Currywurst-Bude. Etwas anders funktioniert der Spieß bei Erkin Tashqin, dem Inhaber des usbekischen Restaurants „Tashkent“ in Friedrichshain. Wie? Das erfahren Sie in dem Bericht von Manuela Blisse.
Drei Berliner „Jungs“ für deutsche Küche
Neulich war ich wieder in den Kantgaragen, da, wo im Erdgeschoss das „Dufte“ untergebracht ist. Eingeladen hatten dieses Mal aber Bosch und Siemens anlässlich der IFA. Mit Golfcarts ging es über die legendäre Helix-Auffahrt in eine der oberen Etagen, wo die beiden Hausgeräte-Hersteller die „Stage of Life“ aufgebaut hatten. Es handelte sich um ein „offizielles Press-Opening“. Angekündigt war die „Stage of Life“ so: „In der Siemens Bakery kommen Sauerteigbrot, Croissants und Pistazienknoten von Jo Samolas Fullproof Bakery aus dem Ofen, während in der Bosch-Corner The Bitery Kekse im Airfryer backt. Sternekoch Alexander Kumptner serviert ein Zwei-Gänge-Lunch, Sabrina Cipolla macht den Teller zur Leinwand und Torsten Kluske legt mit Sal de Ibiza Salzzitronen ein. Felix & Andy drehen eine neue Folge „Was kochst du?“, Phil & Fabi kochen Pasta direkt aus dem Parmesanrad und Emma Svenningson bringt Melrose Kaffee, Matcha und Tiramisù an die Tafel.“

Klingt gut, oder? Also fuhr ich hin, vor allem, weil ich gerne Alexander Kumptner kennengelernt hätte, bekannt unter anderem von „The Taste“, aus „Roadtrip America“ und „Roadtrip Australia“. Leider standen wir dann in einer Halle mit zwei langen Tischen, vielen aufgetürmten Waschmaschinen, einer Küche an jedem Ende und ohne Kumptner oder wirkliche Action. Immerhin gab es außer Ansprachen ausnehmend gute Cocktails von Barlegende Jörg Meyer von der Hamburger Bar „Le Lion“. Sagt Ihnen nichts? Er hat den Gin Basil Smash erfunden. Zudem ein Flying Buffet und zum Ausgleich des Zahnschadens personalisierbare Zahnpasta. Ich netzwerkte ein bisschen, zog aber nach zwei Stunden etwas ratlos und unbefriedigt von dannen.
Im Nachhinein hätte ich nach der Fahrt mit dem Golfcart bergab noch mal im „Dufte“ im Erdgeschoss vorbeischauen sollen. Denn dort gibt es unter den vier Foodständen ein Angebot, das mich schon bei der Eröffnung „abgeholt“ hatte. Bruno Jäger, Anselm Schaper und Lennart Kieker – allesamt jeweils 25 Jahre alt – sind „Tacho“. Nur Jäger hat eine klassische Kochausbildung: „Aber alle haben natürlich Gastronomie-Erfahrung“, sagt der gebürtige Pankower. Schaper hat eine Kochschule besucht und mehrere Praktika, unter anderem auch in Sterne-Restaurants, absolviert. Kieker bringt Catering-Erfahrung mit und hat in einer Bäckerei gearbeitet.
Frei interpretierte deutsche Küche

Die drei Berliner – ich nenne sie jetzt mal despektierlich „Jungs“, machen moderne deutsche Küche. Deutsche Küche war ihnen vom „Dufte“ vorgegeben. Sie setzen diese Vorgabe jedoch recht frei um und das verdammt gut. Ihr Top-Gericht? Schweinshaxe Peking-Style. Das Eisbein wird bei „Tacho“ lange gegart, über Nacht getrocknet und dann frittiert, bis die Haut knusprig ist, quasi eine Haxe. Serviert wird sie ähnlich wie die traditionelle Pekingente: mit Eierkuchen zum Einrollen, Gurke, Lauch und vom Knochen gezupftem Fleisch, dazu ein Aprikosen-Senf. Werde ich beim nächsten Besuch unbedingt probieren.
Stefanie Hofeditz hat sich mit den „Jungs“ getroffen und erzählt Ihnen hier ihre Geschichte und was es sonst noch kulinarisch bei ihnen zu entdecken gibt.

Damit verabschiede ich mich von Ihnen aus dem sonnigen Süden, wo die Uhren anders ticken und kulinarische Diskussionen sich vor allem darum drehen, was denn nun wirklich in eine Salade niçoise gehört. Kleiner Tipp: keine gekochten Gemüse wie Kartoffeln oder grüne Bohnen. Sollten Sie so etwas mal in einem Salat entdecken, wissen Sie, dass die Küche im Grunde keine Ahnung hat. Umso schlimmer, wenn Sie in einem Restaurant sitzen, das französische Küche anbietet. Gleiche Diskussionen gibt es bei den in Deutschland völlig unbekannten ur-nizzaer Spezialitäten Pan Bagnat und Socca. Wenn man sonst keine Sorgen hat. Aber hier macht man auch Hackfleisch und ein Ei auf die Pizza und nennt sie „Cannibale“.
Ihnen wünsche ich viel Freude mit dem herbstlichen Morgenpost-Menü in Steglitz, mit unspießigen Spießen jedweder Art oder auch mit deutscher Küche im „Freestyle“. Und falls Sie es noch nicht getan haben: Gehen Sie bitte morgen wählen. Unsere Demokratie braucht Sie. Dringend. Jeden einzelnen. Ansonsten wünsche ich Ihnen natürlich wie immer eine genussvolle Woche, in welcher künftigen politischen Konstellation auch immer. Der nächste Newsletter erreicht Sie bereits wieder aus Berlin.
Herzlich, Ihr
Alexander Uhl
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