Glitzer, Glitzer und nochmals Glitzer: Am Donnerstagabend hatten sich viele der rund 300 Gäste an den Dresscode „Metropolitan Chic“ gehalten und erfüllten das 1924 gegründete Colosseum Filmtheater unter dem Motto „Maîtropolis“ mit einem Hauch von Babylon Berlin. Anlass war allerdings nicht die Oscar-Verleihung, sondern die des hauptstädtischen Gastropendants, den Berliner Meisterköchen.

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Selbst mit einem lässigen Glas Champagner in der Hand war den Nominierten die Anspannung anzumerken: Besonders die Spitzenauszeichnung „Berliner Meisterkoch“ kommt für die meisten Köche gleich nach dem Michelin-Stern. Bei der zum 29. Mal stattfindenden Gala ehrte die Jury aber nicht nur Spitzenköche, sondern auch außergewöhnliche Persönlichkeiten und Konzepte, die Berlin kulinarisch prägen. Sie sollen die kulinarische und kulturelle Vielfalt der Stadt widerspiegeln, Mut zum Ausprobieren, die Wertschätzung von Produkt und Handwerk sowie die Verbindung von Tradition und Zeitgeist.
Viele prominente Gäste bei der Preisverleihung
Seit 1997 ehrt Berlin Partner jährlich die besten Köchinnen und Köche der Hauptstadt. Bisher wurden in den unterschiedlichen Kategorien der Berliner Meisterköche mehr als 160 Köche und Gastronomen ausgezeichnet, darunter Sebastian Frank, Jonas Zörner, Marco Müller, Julia A. Leitner & René Frank und Sonja Frühsommer. Zu den Kriterien der unabhängigen Jury aus Berliner Food-Journalisten und Experten zählen nicht nur die Küche und die Einzigartigkeit der Gerichte, sondern auch der Service, die Präsentation der Speisen und die Atmosphäre des Restaurants.
Gekocht haben für die rund 300 geladenen Gäste sowie die Preisträgerinnen und Preisträger die Gewinner-Restaurants aus dem vergangenen, darunter das Sternerestaurant „Loumi“, „Dr & Dr“, „Veronika“, „Michelberger“ und „Domäne Dahlem“.

Unter den Gästen waren Wirtschaftssenatorin Franziska Giffey, die auf der Bühne den Regierenden Bürgermeister Kai Wegner vertreten hat, sowie die ehemaligen Regierenden Walter Momper und Michael Müller und die ehemalige Bundesministerin für Ernährung, Landwirtschaft und Verbraucherschutz. Auch viele Berliner Wirtschaftsgrößen wie Prof. Helmut Schramm, Leiter BMW-Motorradwerk Berlin, Katharina Kurz und Tanja Wielgoß aus dem Gründungsteam der FC Viktoria Berlin Frauen, Hinrich Holm, Vorstandsvorsitzender IBB und Chef-Touristikerin Sabine Wendt GF von visit Berlin feierten Berlins Gastronomie.
Die „Berliner Meisterköche 2025“ wurden in den folgenden Kategorien vergeben: „Berliner Meisterkoch“, „Aufsteiger des Jahres“, „Berliner Gastgeber“, „Berliner Szenerestaurant“, „Berliner Kiezmeister“, „Berliner Barkultur“ und „Gastronomischer Innovator“.
Berliner Meisterköche 2025: Das sind die Preisträger
Berliner Meisterkoch 2025

2018 wurde Nicholas Hahn zum Aufsteiger bei den Berliner Meisterköchen gekürt, seit August 2023 führt er die Küche des „Cookies Cream“, dem ersten vegetarischen Restaurant mit Michelin-Stern. Fast überrascht und sehr begeistert nahm er den KPM-Teller mit dem Titel entgegen: „Ich freue mich mega, nach dem Aufsteiger nun den Titel des Berliner Meisterkochs 2025 bekommen zu haben. Ich koche vegetarisch, aber für alle, auch für Fisch- und Fleischesser. Meine Küche soll Kraft haben, der Geschmack und nicht die Ideologie steht bei mir im Vordergrund, niemandem soll etwas fehlen.“
Nicht nur bei den Gästen kommt das Konzept an, auch bei der Jury: „Die Auszeichnung Meisterkoch ehrt die Idee hinter dem Teller. Sie zeichnet ein gesellschaftliches Gespür aus. Kreativität. Und die Materialisierung und Übersetzung in die Sprache der Kulinarik durch Expertise. Kochkunst ist Kunst“, begründet die Jury ihre Entscheidung.
„Nicholas Hahn ist ein Künstler. Im „Cookies Cream“, wo früher Party gemacht wurde im gut versteckten Hinterhof, werden jetzt auf höchstem Niveau Menüs serviert. An der Wand steht „Ficken“, auf den Tellern vegetarisches Fine-Dining – dit ist Berlin! Mit seiner ganz eigenen Tellersprache voller Eleganz, Poesie, spannender Kontraste der Texturen und tiefen Aromen hat er die Jury von seinem Talent, seiner kulinarischen Intelligenz, seiner technischen Perfektion und seiner Vision überzeugt.“
Aufsteiger des Jahres 2025

Das „Stoke“ gilt als eine der spannendsten Neueröffnungen der Berliner Gastronomie. „Zu Recht hat es sich in Windeseile zum neuen kulinarischen Fixpunkt der Stadt entwickelt. Ein Restaurant wie ein Geschenk für Berlin – und seine internationalen Gäste. Mit handwerklicher Präzision, internationalem Format und kreativer Eigenständigkeit schafft es ein kulinarisches Erlebnis, das noch lange nachwirkt“, erklärt die Jury ihre Wahl.
„Küchenchef Jeff Claudio, mit Stationen in gefeierten Restaurants weltweit, hebt gemeinsam mit einem Team aus Top-Talenten ein scheinbar simples Konzept – japanisches Yakitori, gegrillte Hühnerspieße – auf ein neues kulinarisches Niveau. Das Geheimnis? Erfahrung, überragende Produktkenntnis, ein kompromissloser Nose-to-Tail-Ansatz, verbunden mit einem unverrückbaren Fokus auf beste Zutaten und exzellente Zubereitung“, so weiter in der Begründung. Ergänzt werde das „Gesamterlebnis mit Metropolenflair“ durch ein minimalistisches Interior-Design, die von Mitin-haberin Jessica Tan kuratierte Naturwein-Auswahl und beste Drinks von Adam Tudoret.
Berliner Gastgeberin 2025

Als Jana Kämpfer aus der „Manon Brasserie Nouvelle“ auf die Bühne gebeten wurde, gab es kein Halten mehr. Die Tränen flossen, da war jemand richtig berührt – und das Publikum erfuhr auch gleich warum: Seit ihrer Ausbildung in 2001 träume sie davon, Gastgeber des Jahres zu werden. Wie schön, dass der Traum Wirklichkeit wurde. „Sie ist keine gewöhnliche Gastgeberin. Eher Animateurin, Therapeutin, gar Flickenteppich-Genie in einer Vielzahl von zusammenhängenden Restaurants. Golden Phoenix, Funky Fisch, 893 Ryotei - zuletzt Manon und der exklusive Salon le Duc“, urteilt die Jury. Seit 20 Jahren stehe Jana Kämpfer an der Seite von Duc Ngo, an 21 Restaurantkonzepten habe sie mitgewirkt.
„Wird ein neuer Laden eröffnet, steht sie dort an vorderster Front. Im Golden Phoenix war sie schnippisch, im 893 schon souverän, im Funky Fisch richtig cool und wenn der nächste Laden öffnet, ist sie auf und davon. So wie jetzt im Manon, der neuesten Eröffnung. Jetzt zeigt sich ihre ganze Erfahrung, ihre ganze Klasse. Sie treibt das Team an, tanzt mit dem Gast, bemerkt jeden Fehler und korrigiert sofort. Auch das macht eine große Gastgeberin aus“, schließt die Begründung der Jury.
Berliner Szenerestaurant 2025

„Vermutlich denkt bei Szenerestaurant erstmal keiner an einen Laden, in dem auch eine rüstige Rentnerrunde den 70. Geburtstag mit Wunderkerzen feiert. Doch im „Luna D´Oro“ im „Clärchens Ballhaus“ wird Szene breit gedacht - oder sogar neu erfunden: Hier sitzen Jung, Alt, Touris, Berliner, Families, Clubgänger und Grenzgänger, weil alle sich in dieser einzigartigen Atmosphäre wohlfühlen. Nicht zufällig erinnert sie an Babylon Berlin“ erläutert die Jury.
Das Luna D´Oro sei ein lebensfroher, offener Ort für alle – Blasen-Denken und Ausgrenzung werden abgelehnt. „Denn für sehr faire Preise gibt es simple Teller, die trotzdem clever sind, weil jede Menge Handwerk und Geschichte darin einfließen: Berliner Geschichte, deutsche, ostdeutsche und die persönliche von Küchenchef Tobias Beck, der gern alte Rezepte recherchiert“, so weiter in der Begründung.
Berliner Kiezmeister 2025

Frage man Köchinnen und Köche, wo sie gerne Essen gehen, wenn sie nach Feierabend noch was erleben wollen, komme laut Juryerklärung der Berliner Meisterköche 2025 erstaunlich oft die Antwort: Ins „Adana Grillhaus“ in der Audre-Lorde-Straße. „Die Holzkohlen glühen hier fast rund um die Uhr. Noch weit nach Mitternacht werden hier jeden Tag Zwiebeln gehobelt und mit Zitrone und Sumach gewürzt, Fladenbrote, Tomaten und scharfe Spitzpaprika auf die glühenden Grillstäbe gelegt, während nebenan die Spieße mit Lammkebab brutzeln“.
Nach über 30 Jahren sei es längst eine Institution in Kreuzberg: „Jeden Tag haben sie geöffnet, jeden Tag werden Mezze-Platten mit Hummus und Cacik aufgetisch, Lambchops, Hühnerflügel und Kotelett gegrillt, und hinterher Künefe zum Mokka serviert. Ins Glas kommt neben Rakı eine große Auswahl an türkischen Weinen“ so die Juroren.
Berliner Barkultur 2025
„Eine Bar ohne Community ist einfach nur ein Ort, der Getränke verkauft. Die Bars, die Dustin Franke in Berlin eröffnet und betreibt, sind immer lebendige dritte Orte. Ob die „Torte“ in Neukölln, der „Bademeister“ in Weißensee oder das „Lamm“ im Prenzlauer Berg: Es geht stets um Gemeinschaft, um Nachbarschaft, um Inklusion und Diversität – und natürlich um Genuss, dank großartiger Drinks zu einem erschwinglichen Preis“ sagt die Jury.
„Die Herzlichkeit seiner Teams fußt auf einer Arbeitskultur, die von Mitbestimmung und Mitgestaltung geprägt ist – bis hin zu Betrieben, die von langjährigen Mitarbei-tenden gemanagt und geführt werden. So ist binnen eines Jahrzehnts ein kleines Biotop gewachsen, das Abend für Abend Barkultur bietet – niedrigschwellig und auf hohem Niveau“, so weiter in der Begründung.
Gastronomischer Innovator 2025

„Erst die kluge, aber nie belehrende Produktküche im Otto, dann das stets lebendige, leibspeisenselige Neo-Wirtshaus Trio und nun die unaufgeregt zeitgenössische Weinbar Pluto, die sich auch als Nachbarschaftskneipe versteht“ begründet die Jury die Entscheidung. Vadim Otto Ursus Henselder habe nicht nur verstanden, dass sich die Stadtgesellschaft nach zugewandten, auch niederschwelligen kulinarischen Konzepten sehne.
Der noch immer junge Koch und Gastronom finde auch in den beiläufigsten Momenten zu einer die Gäste umarmenden Exzellenz, begründet die Jury: „Statt eine Geschäftsidee oder ein Restaurantkonzept zu skalieren, hat Vadim Otto Ursus lieber seine Auffassung von Gastgeberschaft und mithin Arbeitgeberschaft skaliert. Und Orte geschaffen, in denen es sich unter Freundinnen und Freunden arbeitet. Ein Gefühl, das sich auch auf die Gäste überträgt.“
Das sind die Mitglieder der Experten-Jury:
- Dr. Stefan Elfenbein, Vorsitzender der Jury, Autor für die Magazine „Der Feinschmecker“ und „Foodie“
- Tina Hüttl, Vorsitzende der Jury, Berliner Zeitung
- Felix Denk, Redakteur des Tagesspiegel
- Prof. Dr. Dieter Großklaus, „Chaîne des Rôtisseurs“ (Ehrenpräsident)
- Lorraine Haist, freie Journalistin und Autorin für verschiedene Zeitungen und Magazine
- Stefanie Hofeditz, freie Journalistin, B.Z
- Alexandra Laubrinus, Geschäftsführerin der Berlin Food Week
- Clemens Niedenthal, Redakteur des Tip & Ressortleitung Food
- Nikolas Rechenberg, Gourmetwelten
- Annika Schönstädt, Stellvertretende Chefredakteurin Travelzoo Germany
- Dr. Erwin Seitz, freier Journalist, Buchautor und Gastronomiekritiker
- Jan-Peter Wulf, Fachjournalist und Gründer nomyblog




