Liebe Leserin, lieber Leser,

vergangene Woche schrieb ich Ihnen hier über die faszinierenden Kontraste, die Berlin bieten kann, am Beispiel des Spreebogens in Tiergarten. Ein weiteres Faszinosum dieser Stadt sind seine Innenhöfe. Gerade in Kiezen mit vielen Altbauten gibt es sie noch: nicht nur den ersten Innenhof, sondern auch den zweiten oder gar dritten. Es ist ein kleines Labyrinth, in das man geraten kann, mit Vorderhäusern, Seitenflügeln und Hinterhäusern, pardon: Gartenhäusern. Und wie üblich erahnt man von der Straße aus gar nicht, dass sich hinter der Eingangstür eine ganze Welt auftun kann.

Sonnabend

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So ist das auch mit einigen Restaurants in Berlin. Von der Straße aus sieht man das Restaurant, klar, wobei, im Fall des „eins44“ in Neukölln ist auch das nicht klar. Aber dahinter verbergen sich Welten, grüne Inseln (ausdrücklich keine Oasen), umgeben von Mauern und doch lauschig, gemütlich und perfekt für einen Lunch oder Sommerabende.

Sollte das Wetter sich also tatsächlich halten, dann könnten Sie ja mal zum Entdecker werden und in eines der Restaurants gehen, die Franz Michael Rohm für Sie zusammengetragen hat. Sie alle haben einen lauschigen Innenhof, wie der „Weinlobbyist“ in Schöneberg, das „GM 26“ in Steglitz oder eben das „eins44“ in Neukölln. Besonders angetan war der Kollege vom „Lotta“ an der Pestalozzistraße in Charlottenburg, das zum Hotel „Wilmina“ im ehemaligen Frauengefängnis gehört. Und er hat einen echten Geheimtipp für Sie, an der Potsdamer Straße, wo man im Innenhof frühstücken, lunchen und dinieren kann. Sie werden vielleicht erstaunt sein, mir ging es jedenfalls so.

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Mehrere Restaurants in Berlin schließen

Blick in die „Brasserie am Gendarmenmarkt“.
Blick in die „Brasserie am Gendarmenmarkt“.© Brasserie am Gendarmenmarkt | Brasserie am Gendarmenmarkt

Die Gastronomie steckt in der Krise. So weit ist das bekannt und auch schon etwas ausgelutscht. Aber zuletzt erreichten mich gleich mehrere Hiobsbotschaften, die mir durchaus nahegingen. Die erste davon: Die „Brasserie am Gendarmenmarkt“ schließt, aus den üblichen Gründen, wie meine Kollegin Iris May berichtet. Gestiegene Kosten, Mehrwertsteuer, Miete, aber vor allem wohl, weil die Gäste ausbleiben. Grund, so die Betreiber, seien unter anderem die langen Bauarbeiten am Gendarmenmarkt, aber auch der Homeoffice-Trend.

Während man manche Schließung mit einem Achselzucken zur Kenntnis nimmt, tut mir das im Fall der „Brasserie“ besonders leid. Ich bin früher häufiger dort essen gewesen und erinnere mich sogar noch an mein erstes Mal: Anlässlich eines Interviews traf ich dort den Gründer und damaligen Leiter des „Classic Open Air“, Gerhard Kämpfe. Das muss, wenn mich nicht alles täuscht, im Jahr 2000 gewesen sein. Die Brasserie gab es da gerade mal ein Jahr lang, sie öffnete 1999. Vergangenes Jahr erhielt ich eine Einladung zur Feier des 25-Jährigen, die aber kurzfristig abgesagt wurde.

Root Interieur
Interieur im Restaurant „Root“ mit Palmen und asiatischen Elementen. © BM | Iris May

Es gibt weitere Schließungen bekannter Restaurants zu vermelden. So wandelt sich das „Root“ im „Telegraphenamt“ völlig überraschend zu einer Veranstaltungsfläche, neudeutsch Event Location. Nur das angeschlossene Bistro bleibt geöffnet. Ich habe es bislang nicht geschafft, dort vorbeizuschauen, einen Termin im Frühjahr musste ich krankheitsbedingt absagen. Das erübrigt sich jetzt also. Leider.

Besonders schmerzt mich auch, dass das „The Cord“ auf dem Euref-Campus erst einmal zumachen wird, bzw. eine „kreative Pause“ einlegen will, so die euphemistische Formulierung. Dabei war das Restaurant unter Küchenchef Florian Peters sowie Restaurantleiter Olaf Rode aus meiner Sicht eine wirklich exzellente Anlaufstelle für Gourmets. Auch Morgenpost-Menüs und -Tastings, die dort stattfanden, waren beliebt. Bis dahin veranstaltet Thomas Kammeier, Gastronomischer Leiter des Euref-Campus, noch einige Events, zum Beispiel ein Champagner-Popup im Gasometer am 22. und 23. August sowie Ende September die Trüffelparty, ebenfalls im Gasometer. Das „The Cord“ hat ab dem 1. September zu.

Chefkoch Gal Ben Moshe  in seinem Berliner Restaurant "Prism"
Chefkoch Gal Ben Moshe im "Prism“.© FUNKE Foto Services | Maurizio Gambarini

Damit immer noch nicht genug: Auch das Sternerestaurant „Prism“ von Gal Ben Moshe wird nach sieben Jahren schließen. Das Facebook-Statement liest sich allerdings so, als sei man dort Opfer des eigenen Erfolgs geworden. Was als intimes Nachbarschaftsrestaurant geplant gewesen sei, ist dem Team offenbar über den Kopf gewachsen. Man sei erschöpft und „overwhelmed“, so die in Englisch gehaltene Botschaft.

Ach ja, und last not least: Auch das „Tante Fichte“ in Kreuzberg wird Ende des Jahres seine Türen schließen, wie kürzlich bekannt gegeben wurde.

Warum bleiben die Gäste aus?

In vielen Fällen, wenn nicht in allen, ist es dasselbe: Kosten steigen, der Umsatz sinkt, die Gäste bleiben aus. Viele Gastronomen drücken sich absichtlich vage aus, wenn sie mit mir als Journalist reden, so ist mein Eindruck. Da fallen Ausdrücke wie „es ist schwierig geworden“, „alles nicht mehr so einfach“, „viele Absagen oder No-Shows“ (was das unangekündigte Fernbleiben trotz Reservierung bezeichnet) und so weiter.

Burgerläden leiden eher nicht unter der Gastronomie-Krise.
Burgerläden leiden eher nicht unter der Gastronomie-Krise.© iStockphoto/E+/krystiannawrocki | iStockphoto/E+/krystiannawrocki

Woran liegt es also, dass die Gäste lieber zu Hause bleiben oder nur noch in Fastfood-Läden gehen? Der Systemgastronomie geht es nämlich dem Vernehmen nach gut, was ich auch immer sehe, wenn ich in die Redaktion an der Friedrichstraße fahre, wo es zahlreiche dieser Angebote gibt. Mich erstaunt das immer ein wenig, ich habe jedenfalls noch nie jemanden lächeln sehen, der in einem solchen Laden gegessen hat. Auch ein „Hmmm, lecker“, habe ich noch nie dort gehört. Wirklich noch nie. In guten Restaurants ist das was völlig anderes.

Wahrscheinlich fassen Sie sich gerade an den Kopf und denken „Mensch, ist doch klar, warum das so ist. Det weeß doch jeda.“ Es ist also wohl keine kühne Behauptung, wenn ich sage, es ist schlicht das Geld. Die Kosten steigen ja nicht nur bei den Restaurants, sondern bei Ihnen und mir genauso. Und Gehälter oder Renten legen nicht in demselben Maß zu. Wo spart man also? Ist doch klar. Und Deutsche, besonders aber Berliner, gelten als sparsam, um nicht zu sagen geizig, was Essen angeht. Und erschreckenderweise nimmt die Armut in Deutschland zu. Viele können sich noch nicht einmal einfache Mahlzeiten leisten, geschweige denn einen Restaurantbesuch. Ernährungsarmut heißt das und erinnert an finstere Zeiten.

Vielleicht brauchen Restaurants in der Mitte des Spektrums neue Konzepte. In der Mitte meint zwischen dem Kiez-Italiener und dem Sterne-Restaurant, die jeweils ganz spezielle Zielgruppen bedienen. An manchen Stellen sehe ich das auch, vor allem Lunch-Angebote werden ausgebaut, aber auch abends gibt es teils preiswertere Angebote, die nicht mehr auf Vier-, Fünf- oder Sechs-Gänge-Menüs setzen oder besondere Events (Stichwort Morgenpost-Menü beispielsweise). Und ein neuer Begriff macht sich breit: „Gäste-faire“ Preise. Aber sicher liegt es auch an Ihnen und mir, sich vielleicht doch mal wieder etwas zu gönnen, mit Freunden, mit der Familie, und zwar nicht die Sushi-Box, den Burger oder die Pizza via Lieferdienst, falls die finanzielle Situation das zulässt. Viele Köche, Kellner, aber auch Restaurantbesitzer werden es uns danken.

Diese Döner können auch schöner

Ungewöhnliche Döner Berlin
Murat Emre und Mitarbieiter Bayram von „Foodbag“ am Makrelenspieß.© Franz Michael Rohm | Franz Michael Rohm

Natürlich ist nicht alles Fast Food schlecht. Das gilt in meinen Augen vor allem für zwei Angebote: Currywurst und Döner. Ohne sie wäre ein Leben machbar, aber auch sinnlos. Manchmal muss es einfach „Curry (bei mir immer mit Darm), extra Curry obendrauf und Pommes mit Ketchup“ sein. Oder eben „Döner, Salat komplett, Kräuter- und Knoblauchsoße“ im Fladenbrot. Selbst das wird ja immer teurer. An der Latte von zehn Euro für den Standard-Döner wird schon gekratzt.

Bislang gab es bei Döner eigentlich nur wenige Varianten. Kalb, entweder als Hack oder geschichtet, Huhn und mit oder ohne frittiertem Gemüse. Wie wäre es denn aber mal mit confiertem Schwein oder mit – Achtung – Makrelen? Franz Michael Rohm hat einige Dönerläden in Berlin aufgesucht, die sich etwas ganz Besonderes haben einfallen lassen und Ihnen aufgeschrieben, wie zum Beispiel so ein Fisch-Döner schmeckt.

Endlich wieder Zeit für Pfifferlinge

Pfifferlinge in Berlin
Vater Christian Ebert mit Sohn Marc und Tochter Marie vom „Ebert“.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Vergangene Woche habe ich noch gefragt, wo die Pfifferlinge bleiben. Nun, zumindest die Restaurants haben sie schon auf die Karte gesetzt, und meine Frau ist sogar im Supermarkt fündig geworden, wo sie noch einen etwas kläglichen Rest ergattern konnte. Der Hunger auf die im Österreichischen „Eierschwammerl“ genannten Pilze ist also wohl groß. Wie ich gelesen habe, gibt es in Brandenburg dieses Jahr bislang angeblich wenige Pfifferlinge, und auch einer meiner Bekannten in Südfrankreich, dessen Kollege sie wild in den Bergen sammelt, erzählte mir neulich, dass sein „Lieferant“ mit leeren Händen zurückgekommen sei.

Ich mag sie jedenfalls am liebsten klassisch zubereitet: mit Speck, Zwiebeln und Petersilie, eventuell auch mit etwas Sahne als Pastasoße. Waschen soll man die Pilze natürlich nicht, weil sie sonst Wasser ziehen, aber manchmal fällt es mir schwer, darauf zu verzichten, wenn ich die Erde nicht mit einem Pinsel herunterbekomme. Allerdings habe ich dank der Recherche von Manuela Blisse dafür einen Trick gelernt, der zumindest kurzen Wasserkontakt möglich macht. In dem Artikel der Kollegin finden Sie auch noch andere Tipps von Berliner Köchen für die Zubereitung. Und natürlich stellt sie Restaurants vor, die jetzt Pfifferlinge in den verschiedensten Variationen auf der Karte haben, von klassisch bis kreativ.

Pfifferlinge in Berlin
Eierschwammerln mit Marille, Fichte, Gurke und Berliner Kresse im „Austria“.© Manuela Blisse | Manuela Blisse

Vielleicht sehen wir uns ja doch mal in einem Restaurant, eventuell in einem schönen Innenhof, mit Pfifferlingen auf dem Teller – oder auch an meinem Lieblingscurrywurst- oder Dönerstand. In jedem Fall wünsche ich Ihnen eine genussvolle Woche.

Herzlich, Ihr

Alexander Uhl

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