Gastro

In dieser Bar in Mitte kann der Gast selbst mixen

In der „Beavis Bar“ in Mitte bieten Jon Cooper und Rik Lusing 750 Spirituosen aus kleinen Manufakturen.

Jon Cooper (l.) und Geschäftsführer Rik Lusing hinter dem Tresen der "Beavis Bar".

Jon Cooper (l.) und Geschäftsführer Rik Lusing hinter dem Tresen der "Beavis Bar".

Foto: David Heerde

Cocktails? Jon Cooper und Rik Lusing schütteln den Kopf. Keine Cocktails. Das ist nicht das Konzept der „Beavis Bar“ an der Veteranenstraße in Mitte. Der gebürtige Amerikaner Cooper und der Niederländer Lusing setzen auf den Genuss von puren Spirituosen. Nicht irgendwelche, alle rund 750 Flaschen im Sortiment sind „Craft Spirits“ – Getränke von kleinen Manufakturen, im Augenblick vor allem aus Europa, aber auch aus Japan, den USA, Neuseeland und Südamerika.

„Unser ursprüngliches Konzept war sehr radikal“, erinnert sich Cooper. „Ohne Cocktails, ohne Gin Tonic. Nur pures Trinken. Wir haben eine Bar gemacht, die nicht für Cocktails geeignet war.“ Ein Cocktail beruhe auf der Fähigkeit des Bartenders. „Bei uns ist die Fähigkeit des Herstellers des Produkts wichtig.“ Doch kurz vor der Eröffnung im Juli 2018 kamen den beiden dann doch Zweifel. Denn das Konzept der „Beavis Bar“, nur Craft Spirits anzubieten, ist einzigartig, nach Wissensstand der beiden sogar europaweit.

Der Gast mixt selbst

„Vielleicht“, erzählt Cooper, „hat niemand das gemacht, weil es ein sehr dummes Konzept ist, weil es nicht funktioniert.“ Dann kam ihnen eine Idee. Als sie die Ausstattung kauften, erstanden sie auch Mini-Karaffen und quadratische Tabletts. Und auf der Grünen Woche sahen sie einen Anbieter für Tonic-Sirups. Vielleicht könnte man das eine mit dem anderen kombinieren. So entstand ein Gin Tonic, den man in der Sterneküche wohl dekonstruiert nennen würde. Denn die beiden servieren ihren Gästen ein Glas mit Eis, eine Mini-Karaffe mit Gin, eine mit Tonic-Sirup und eine mit Wasser. Daraus mischt sich der Gast seinen „Stirred Drink“, also gerührten Drink, selbst.

Rik Lusing hatte zunächst Einwände. „Ich wusste überhaupt nicht, ob das funktioniert“, sagt er. „Er hat gesagt: Das müssen wir jedem erklären“, erzählt Cooper. Er sah das zwar ähnlich, fand es aber von Vorteil: So könne man mit den Gästen ins Gespräch kommen. Zu recht: „Es war sofort ein Erfolg.“ Inzwischen haben sie fünf Tonic-Sirups und 80 Gins. Macht 400 Kombinationsmöglichkeiten. Und da jeder selbst über die Menge an Tonic, Gin und Wasser bestimmt, ergeben sich neue Aromen. Vier Gäste, alle bestellen Gin Tonic, alle probieren beim anderen. Denn jeder hat andere Sorten und mischt sie anders.

Der 29-jährige Lusing und der 67-jährige Cooper kommen nicht aus der Gastronomie. Cooper studierte europäische Geschichte und arbeitete quer durch Europa als Informatiker. IT, das hatte er sich selbst beigebracht, damit verdiente er seinen Lebensunterhalt. „Was für mich wichtig ist, das ist Kultur“, sagt er, „das ist meine Leidenschaft.“ Und im Laufe dieses „Abenteuers“ habe er gelernt zu trinken, aber nicht, um betrunken zu sein. Als er mit Freunden durch die Dolomiten reiste, probierten sie in jeder Bar in jedem Städtchen einen Grappa, die alle verschieden waren. Und er erkannte, dass jedes Land, jede Region, jede Stadt ihre eigenen Spirituosen hat. „Die Wurzeln sind lokal“, sagt Cooper dazu. „Bei diesen Dingen kann man eine Reise machen, von Stadt zu Stadt.“ Aber das funktioniert nur, solange die Produkte nicht industriell sind.

„Das Berliner Barleben ist weltberühmt“

Nach Jahren im IT-Bereich eröffnete er eine Pension in dem 1400-Einwohner-Ort Étretat in der Normandie. Dort lernte er Rik Lusing kennen, der ein Fotografiestudium in den Niederlanden gemacht hatte und „ohne Ziel“ nach Frankreich gekommen war. Lusing arbeitete in dem Gasthaus mit. Doch schließlich war es wieder Zeit für eine Großstadt, und das war Berlin. Hier hatten sie schon vorher Urlaube verbracht, mit Freunden Bars besucht. „Das Berliner Barleben ist weltberühmt“, sagt Cooper. „Der Traum war, eine Bar in Berlin zu haben.“ Bis dahin hatten sie schon rund 150 Flaschen Craft Spirits gesammelt. Das war der Grundstock. Und sie erfuhren, dass es eine Bar für solche Spirituosen noch nicht gab. Es folgten Jahre der Vorbereitung, des Ausprobierens, des Recherchierens, des Sammelns.

Wer sich heute in die Karte des „Beavis“ vertieft, der hat viel Lesestoff. 85 Seiten hat sie, ständig kommen neue Spirituosen hinzu. Bei der Eröffnung waren es schon rund 500. Inzwischen sind es rund 750. Das Ziel sind mehr als 1000. Alle diese Destillate haben sie probiert. Zu allen können sie eine Geschichte erzählen. Auch die Ausstattung der Bar ist speziell. Die Fächer für die Flaschen stammen aus einem regionalen Betrieb und können einzeln beleuchtet werden. Ziel ist die Koppelung mit dem Kassensystem, sodass beim Einbuchen der Bestellung genau das Fach aufleuchtet, das die entsprechende Flasche enthält.

Es gibt auch kleine Köstlichkeiten zu essen

Um den Gästen die Möglichkeit zu bieten, durch die Welt zu reisen, bieten Cooper und Lusing 38 „Flights“ an. Wer sich für ein spezielles Thema interessiert – es gibt zum Beispiel Apfelbrände von der Ostsee bis nach Bayern, Kräutergeiste, Beerenliköre, belgische Gins, Bierbrände, holländische Genever –, der bekommt in der Regel drei Getränke zu dem Sujet. So kann man auf Entdeckungsreise gehen – und zahlt für die drei Gläser so viel wie anderswo für einen Cocktail, bis auf wenige Ausnahmen zwischen zwölf und 17 Euro.

Daneben gibt es neun „Stirred drinks“, darunter ein „Classical Mundane Negroni“, einen „Rum Old Fashioned“, einen „Fire, Cherry and Tea“ oder einen ungewöhnlich trockenen aber auch ungewöhnlich guten „Manhattan in Europe Exile“ mit Whisky aus Nordrhein-Westfalen, Vermouth aus Österreich und Cocktailkirschen aus Oregon, die in Bourbon eingelegt sind. Zu essen gibt es köstliche Kleinigkeiten, ebenfalls Craft-Produkte. Eine echte Weltreise in Drinks, mitten in Berlin – aber ohne Cocktails.

Die Adresse: „Beavis Bar“, Veteranenstraße 11, Mitte, Dienstag bis Sonnabend ab 17 Uhr, Tel. 030/89 54 51 11, www.beavis.bar.

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