Biergärten und Biergartenlokale gibt es in Berlin schon lange, doch die Sitten haben sich geändert. Um 1900 war es etwa noch gang und gäbe, dass ein Biertrinker sein Glas selbst mitbringt. „Glasbier“, also Bier samt Glas, wurde nur in ausgewählten Lokalen ausgeschenkt. Im Weddinger Deichgraf zum Beispiel, einer Traditionsrestauration, die damit wirbt, schon seit 1904 ein „Glasbiergeschäft“ zu sein und damit zum Altberliner Gaststättenadel zu gehören.
Dementsprechend trotzt der Deichgraf schnelllebigen Trends und setzt auf Bewährtes. Innen ist die Gaststätte edel rustikal möbliert und bietet über 100 Personen Platz. Im abgeschirmten Biergarten sitzt man luftig, bequem und von Grün umgeben. Verkehrslärm zählt am Nordufer nicht zu den virulenten Problemen. Markenzeichen des Kochs ist eine gutbürgerliche deutsche Küche. Zu den Klassikern gehört Hausmannskost wie Sülze, Currywurst, Strammer Max oder auch in Bierteig gebackener Camembert mit Preiselbeeren. Bei den Hauptgängen ist man dagegen schon fast international: Wiener Schnitzelvariationen stehen auf der Karte, Auberginenschnitzel mit Bandnudeln und Tomatensauce (8,80 Euro), Königsberger Klopse (8,40 Euro), Käsespätzle (8,20 Euro) oder Flammkuchen.
Zur Pfifferlingszeit gibt es für Liebhaber dieser delikaten und auch gesunden Pilzsorte eine Extrakarte. Ob in der Suppe, auf dem Omelett oder zu Bandnudeln in Weißwein-Sahnesauce, wer Pfifferlinge mag, kommt auf seine Kosten. Puristen sei die denkbar einfachste Version empfohlen: Frische Pfifferlinge, dazu Salzkartoffeln (9,80 Euro). Da bekommt man am meisten Pfifferlinge, sie sind mit Speck und Zwiebeln lecker angemacht, frisch und bissfest – mehr braucht man nicht, um zufrieden zu sein.
Deichgraf Nordufer 10, Wedding, Tel.
453 76 13, tägl. 9-1 Uhr, www.gaststätte-deichgraf.de





