Fluggäste werden am neuen Hauptstadtflughafen BER voraussichtlich nur in Taxis, die aus Dahme-Spreewald kommen, einsteigen können. Der brandenburgische Landkreis wolle Berliner Taxen dort nur zulassen, wenn der Bedarf nicht mit eigenen Taxen gedeckt werden kann, teilte die Berliner Senatsverkehrsverwaltung mit. „In diesem Fall käme eine Vereinbarung mit Berlin über ein Laderecht von Berliner Taxen am BER in Betracht“, antwortete Staatssekretär Ingmar Streese (Grüne) auf eine parlamentarische Anfrage der Linken.
„Für eine Zulassung sämtlicher 8000 Berliner Taxen sieht der Landkreis keinen Raum“, erklärte Streese, der zuletzt am 7. Oktober mit dem Landrat Stephan Loge (SPD) verhandelt hat. Die Kreisverwaltung geht demnach davon aus, dass wegen der guten Bahn- und Busanbindung des neuen Hauptstadtflughafens 1000 Taxen am BER reichten.
Berliner Taxifahrer können schon seit Längerem Fahrgäste zwar zum Flughafen nach Schönefeld bringen, jedoch keine dort aufnehmen. Dies ist Taxifahrern vorbehalten, deren Firmen im Landkreis Dahme-Spreewald zugelassen sind. Denen fehlt wiederum häufig die Ortskenntnis, die jeder Fahrer, der seinem Gewerbe in Berlin nachgehen will, nachweisen muss. Diese Praxis sorgt nicht nur für viele Leerfahrten, sondern immer wieder auch für Streit unter den Fahrern. Zudem müssen die Kunden zwei unterschiedlich hohe Fahrpreise bezahlen – je nachdem, ob sie zum Flughafen Schönefeld oder von dort aus in Richtung Berlin fahren.
Schönefeld verbannte Berliner Fahrer vor sieben Jahren
Schönefeld ist für Taxis aus der Hauptstadt tabu, seit der Landkreis vor sieben Jahren eine entsprechende Vereinbarung gekündigt hat. Berlin verbannte daraufhin die Fahrer aus dem Nachbarlandkreis vom Flughafen Tegel. Es hatte immer wieder Streit wegen unterschiedlicher Tarife und Vergütungen für Taxen aus dem Landkreis und aus Berlin gegeben.
Folge für die Fluggäste: Bei Streiks oder Unwettern am Flughafen gibt es daher immer wieder zu wenige Taxis. Der Linken-Abgeordnete Kristian Ronneburg appellierte an Dahme-Spreewald und den Senat, endlich einen Kompromiss zu finden. Es könne nicht sein, dass es zwischen beiden Seiten seit Jahren ein Hin und Her gebe. „Wir müssen da zu einer Lösung kommen“, sagte der Verkehrsexperte der Berliner Morgenpost. „Leerfahrten müssen verhindert werden. Die sind ökologisch und verkehrspolitisch der völlige Wahnsinn.“
Staatssekretär erklärt wechselseitige Fahrgast-Mitnahmen zum Ziel
Staatssekretär Streese erklärte, das Ziel müsse sein, dass Berliner Taxis Fahrgäste am BER aufnehmen und im Gegenzug dazu Taxen aus Dahme-Spreewald auch Fahrgäste in Berlin transportieren dürfen. Einig werden müssten sich beide Seiten auch über einen einheitlichen Flughafentarif sowie über die Beförderungspflicht für Taxen im jeweils anderen Gebiet.
In Berlin sind laut Streese 8072 Taxis lizenziert, knapp 900 mehr als noch 2010. Im September hatte der Senat eine Anhebung der Tarife um knapp elf Prozent beschlossen. Man reagiere damit auf höhere Kosten in der Branche und nehme das Anliegen etlicher Taxiverbände auf, die Lohn- und Betriebskostensteigerungen auszugleichen. mit dpa


