Baustelle

Flughafen BER: Flughafenkontrolleure inspizieren Terminals

Der BER-Untersuchungsausschuss hat die Flughafenbaustelle in Augenschein genommen. Bei vielen Abgeordneten herrscht weiter Skepis vor.

Mitglieder des Untersuchungsausschusses BER II und Medienvertreter besichtigen den Neubau des Terminals 2 des Flughafens BER während eines Baustellenrundgangs.

Mitglieder des Untersuchungsausschusses BER II und Medienvertreter besichtigen den Neubau des Terminals 2 des Flughafens BER während eines Baustellenrundgangs.

Foto: Stefan Kruse / dpa

Berlin. Schon die Anreise sorgte für Debatten. Der BER-Untersuchungsausschuss hatte sich am Freitagmittag um halb zwei per Bus am Abgeordnetenhaus nahe des Potsdamer Platzes aufgemacht, um die Flughafenbaustelle in Augenschein zu nehmen. Aber die Gruppe blieb auf der Autobahn 113 im Stau stecken. Ein Lastwagen hatte an einer Brücke die Höhenkontrolle ausgelöst, alles war dicht.

Der Fahrer verließ die Autobahn an der Stubenrauchstraße und kämpfte sich durch die verstopften Straßen von Buckow und Rudow aus der Stadt heraus. „Jetzt kann sich die SPD mal das Chaos aus der ersten Reihe angucken“, sagte der FDP-Fraktionschef Sebastian Czaja zum SPD-Fraktionsvize Jörg Stroedter, der im Bus vorne saß. „Organisierte Verantwortungslosigkeit“, schimpfte der AfD-Mann Frank Hansel.

Die Oppositionspolitiker warnen schon lange, die Verkehrsanbindung zum neuen Flughafen werden zusammenbrechen, wenn der Flugbetrieb aufgenommen wird. Stroedter hingegen blieb gelassen: „Ein Unfall auf der Stadtautobahn ändert nichts an der guten öffentlichen Verkehrsanbindung des neuen BER“, so der Sozialdemokrat.

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Besuch des BER: Der Bus verspätet sich, der Busfahrer irrt umher

Nach anderthalb Stunden Fahrt kam der Ausschuss dann 30 Minuten verspätet am BER an. Der Busfahrer musste den Weg suchen. „Ich weiß gar nicht, wie ich dahin komme. Da geht ja sowieso kein Flieger“, fasste der Mann eine in der Stadt verbreitete Stimmung zusammen.

Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup, der sich zunächst gegen den Besuch der Kontrolleure aus dem Parlament gesperrt hatte, begrüßte die Gäste. Für den Terminal 2, der zur Erweiterung der Kapazität gerade am Nordpier entsteht, mussten die Abgeordneten und Journalisten Arbeitsschuhe und Helm tragen. „Das ist eine Baustelle“, erklärte der Flughafenchef. Im Hauptterminal sei das nicht nötig.

„Das ist ein fertiges Gebäude“, sagte „ELD“. „Der war gut“, lachten Oppositionsvertreter, die nicht glauben wollen, dass der Terminal 1 tatsächlich acht Jahre nach der geplatzten Absage der Eröffnungsfeier 2012 im nächsten Herbst an den Start gehen wird.

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Terminal 2 präsentiert sich in solidem Industriebaustandard

Am Terminal 2 konnte die Gruppe jedoch sehen, wie schnell Flughafenbau auch gehen kann, wenn man es richtig anstellt und nicht solch ein kompliziertes Gebäude errichtet wie den größeren Hauptterminal 1, an dessen technischer Ausrüstung sich die Ingenieure jahrelang die Zähne ausgebissen haben.

Der 240 Meter lange und 40 Meter breite Riegel mit zwei Stockwerken liegt vor dem seit fünf Jahren fertigen Nordpier des BER, mit dem er durch zwei Brücken verbunden wird. Solider Industriebaustandard, keine architektonischen Experimente. Die Betonfassade wird mit silbernen Platten verhängt. Im neuen Gebäude sollen die Fluggäste abgefertigt und kontrolliert werden und dann im Nordpier auf den Einstieg warten.

Durch eine Plane betreten die Gäste das Erdgeschoss des Neubaus, das die Firma Zechbau als Generalunternehmer errichtet. Hier steht bereits die Gepäckförderanlage verhüllt mit bunten Planen. „Das ist die letzte Hoffnung der Opposition“, sagt SPD-Obmann Jörg Stroedter. Damit meint er das Risiko, der T2 werde nicht parallel zur angestrebten Eröffnung des BER fertig und die Kapazität des Hauptgebäudes werde dann nicht ausreichen, den gesamten Flugverkehr aus Tegel aufzunehmen. Dann, so kalkuliert die Opposition, hätte der Flughafen TXL womöglich doch noch eine Chance, länger betrieben zu werden.

200 Millionen Euro Budget für das neue Terminal

„Wir wollen auch, dass der BER fertig wird“, sagte der AfD-Abgeordnete Hansel, „aber der BER ist trotzdem zu klein.“ Lütke Daldrup will zwar den T2 im Oktober 2020 zur Verfügung haben. Entsprechende Verträge mit dem Generalunternehmer sichern das auch zu. Falls es nicht klappen sollte, ließe sich aber der vergleichsweise geringe Flugverkehr im Spätherbst eine Weile nur im T1 abwickeln, ist der Flughafenchef überzeugt. Technikchef Carsten Wilmsen ist zuversichtlich für den T2: „Das wird fertig.“

Der Christdemokrat Oliver Friderici zeigte sich jedenfalls beeindruckt von den Fortschritten im ersten von mehreren Erweiterungsbauten, die am BER noch geplant sind. „Auffällig sind die vielen Arbeiter, die hier auf der Baustelle sind“, sagte der Abgeordnete. Auch die Sprinkleranlagen und die roten Wasserrohre an den Decken machen für ihn einen guten Eindruck.

200 Millionen Euro beträgt das Budget für das neue Terminal zusammen mit dem schräg gegenüber in Modulbauweise aus dem Boden wachsenden Gebäude für die Bundespolizei und weiteren Ergänzungen. „Das werden wir nicht ganz ausschöpfen“, sagte Lütke Daldrup am Freitag.

Kritiker bleiben skeptisch und sprechen von „Show-Veranstaltung“

Dann wechselte die Gruppe in den „fertigen“ Hauptterminal, wo die Rolltreppen laufen und die Bildschirme seit Jahren unverdrossen die Abflüge von Berlins Airports anzeigen. Immer noch hängen geöffnete Deckelklappen herunter, wo die TÜV-Prüfer noch ein letztes Auge drauf werfen müssen, ehe sie die Freigabe erteilen.

Kritiker wie der CDU-Abgeordnete Christian Gräff blieben skeptisch. „Das ist eine Show-Veranstaltung“, sagte Gräff.

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