Flughafen

Bund verzichtet auf sein neues Regierungsterminal am BER

Das Interims-Gebäude könnte dauerhaft genutzt werden. Die Planer warten auf klare Vorgaben der Bundesregierung.

Das Interimsterminal könnte einfach weiter genutzt werden.

Das Interimsterminal könnte einfach weiter genutzt werden.

Foto: Flughafengesellschaft/Günter Wicker

Berlin. Die Bundesregierung erwägt offenbar, auf den Bau eines neuen Regierungsterminals für die Abfertigung von Staatsgästen und Ministern am Flughafen BER in Schönefeld zu verzichten. Nach Informationen der Berliner Morgenpost hat in den Bundesministerien ein Umdenken in dieser Frage eingesetzt. Das könnte dazu führen, dass das bereits fertige Interims-Terminal am Rande des Airportgeländes langfristig als Regierungsflughafen genutzt wird.

Beteiligte Planer berichten der Morgenpost von einem Entscheidungsvakuum. Man warte auf den Auftrag der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (Bima), damit die Flughafengesellschaft in zwei Machbarkeitsstudien die neuen Überlegungen untersuchen kann. Die erste Studie soll klären, wo sich Bereiche des Verteidigungsministeriums unterbringen lassen.

So erhält die Flugbereitschaft neue Maschinen, beansprucht deshalb mehr Platz für Hangars und Abstellflächen. Die zweite Untersuchung soll klären, ob das 70 Millionen Euro teure Interims-Terminal langfristig für Regierungsmitglieder und Staatsgäste taugt.

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Flughafen BER: Frühere Inbetriebnahme des Interims-Terminals möglich

Auch über eine frühere Inbetriebnahme des Interims-Terminals denkt der Bund nach. Stets hatte es geheißen, man werde mit der Flugbereitschaft erst zur Eröffnung des BER aus Tegel-Nord nach Schönefeld wechseln. Aber im zweiten Halbjahr 2020 übernimmt Deutschland die EU-Ratspräsidentschaft. Um die dann erwarteten Gipfel-Staatsgäste nicht in mögliche Wirren eines für Herbst 2020 erwarteten Flughafenumzugs zu schicken, könnte das Interims-Terminal bereits früher seinen Betrieb aufnehmen, hieß es.

Anfragen der Morgenpost bei verschiedenen beteiligten Bundesministerien blieben dazu unbeantwortet. Die Bima ließ wissen, man benötige noch Zeit. Hintergrund sind offenbar unterschiedliche Meinungen auf der Bundesebene. „Keiner weiß, was Sache ist“, hieß es aus Kreisen der Planer. Die Kosten seien allein durch die lange Verzögerung schon um 30 Millionen Euro gestiegen.

Gesamtkosten liegen bei bis zu 400 Millionen Euro

Zuletzt hatte das Bundesfinanzministerium das Gesamtprojekt Regierungsflughafen mit 344 Millionen Euro kalkuliert. Inzwischen gehen die Planer von 400 Millionen Euro aus. Angesichts dieser Summe könnte es politisch opportun erscheinen, sich das neue Protokollgebäude zu sparen. Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup hatte die Ersparnis auf 75 Millionen Euro beziffert. Die Planer sehen das ähnlich.

Dem Flughafenchef würde der Verzicht auf das Regierungsgebäude sehr helfen. Denn es soll bislang direkt vor den Zusatzterminals am alten Airport Schönefeld entstehen. Würde dort ab 2021 tatsächlich gebaut, sänke das die Abfertigungskapazität von 13 auf neun Millionen Passagiere pro Jahr. Das möchte Lütke Daldrup mit Blick auf die ohnehin knappen Reserven am BER gern vermeiden.