Pannenflughafen

BER bändigt das „Monster“ Entrauchungsanlage

Nach den letzten Hiobsbotschaften eine positive Nachricht von der BER-Baustelle: Eine wichtige Brandschutz-Anlage ist fertiggestellt.

Im Flughafen herrscht noch Helmpflicht, doch der neue BER-Chef zieht eine positive Bilanz: Von 180.000 Mängeln müssen laut Lütke Daldrup nur noch 13.000 beseitigt werden. Die Entrauchungsanlage soll mittlerweile funktionieren.

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Berlin. Heftige Zweifel waren jüngst wieder aufgekommen, ob der Termin für die Eröffnung des pannengeplagten Hauptstadtflughafens BER eingehalten werden kann. Nun gibt es einen wichtigen Zwischenerfolg. Die für den Brandschutz im Fluggastterminal bedeutsame Entrauchungssteuerung sei vom TÜV Rheinland final geprüft und ohne Mängel freigegeben worden, teilte die Flughafengesellschaft am Dienstag mit.

Damit sei ein „wichtiger Meilenstein bei der Fertigstellung des BER-Terminal 1 erreicht“, erklärte Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup. Die Firma Siemens habe die komplizierte Anlage termingerecht fertiggestellt.

TÜV-Siegel für das „Monster“ Entrauchungsanlage

Die „übergeordnete sicherheitsgerichtete speicherprogrammierbare Anlage“ (ÜSSPS) – flughafenintern auch als „das Monster“ bezeichnet – gilt als technisch hochkomplex und anspruchsvoll. Sie regelt unter anderem, dass bei einem Feuer die Lüftung im Gebäude funktioniert, sich Rettungstüren öffnen und es automatische Warndurchsagen für die Fluggäste gibt.

Rund 120 verschiedene Entrauchungsanlagen sind nach vorgegebenen Szenarien so zu koordinieren, dass im Terminalgebäude am Brandort mindestens 15 Minuten lang eine rauchfreie Sicht von 2,50 Metern gesichert ist, damit Menschen bei einem Feuer das Gebäude noch sicher verlassen können. Auslöser für die Bauvorschrift, die nicht nur am BER gilt, ist der schwere Brand im April 1996 im Flughafen Düsseldorf, bei dem 17 Menschen vorwiegend durch das Einatmen hochgiftiger Gase starben.

TÜV-Bericht nährte ernsthafte Zweifel am BER-Zeitplan

Auf das TÜV-Zertifikat für die Anlage dürfte Flughafenchef Lütke Daldrup händeringend gewartet haben. Dominierten doch in den vergangenen Tagen mal wieder vor allem Negativ-Nachrichten die Berichterstattung. So waren Ende vergangener Woche Aussagen aus einem Sachstandsbericht des TÜV Rheinland bekannt geworden, der ernsthafte Zweifel am Zeitplan der Flughafengesellschaft nährte.

Der interne TÜV-Bericht, der bereits am 8. März dem Flughafen-Aufsichtsrat vorgestellt worden war, listete jedoch nach Medienberichten mehr als 11.500 Mängel auf, die es vor allem bei der Brandschutz- und Elektrotechnik im Terminal noch abzuarbeiten gibt. Die Flughafengesellschaft dementierte die Mängelzahlen des TÜV nicht.

Bei der Bewertung der Probleme kommt sie jedoch – wie schon in der Vergangenheit – zu einem grundsätzlich anderen Ergebnis. Und das lautet: Das inzwischen 6,5 Milliarden Euro teure BER-Projekt liegt weiterhin im Zeitplan. Der neue Hauptstadt-Airport in Schönefeld, der einmal den City-Flughafen Tegel komplett ersetzen soll, kann nach mehrfachen Verschiebungen wie nun angekündigt Oktober 2020 in Betrieb gehen.

Rund 35.000 Brandmelder und 80.000 Sprinklerköpfe

Eine Einschätzung, die auch Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) bislang teilt. „Ich habe nach wie vor keinen Zweifel an den Aussagen der Geschäftsführung“, sagte er am Dienstag nach der Senatssitzung. „Lütke Daldrup glaubt, dass es gelingen kann, im Oktober 2020 zu eröffnen, darauf muss ich mich verlassen“, sagte Müller.

Deutlich wurde jetzt aber auch: Bei anderen wichtigen Teilprojekten bei der Fertigstellung des Fluggasterminals am BER liegen die Arbeiten im Rückstand. Dazu gehört etwa die Brandmeldeanlage (BMA), für die die Firma Bosch verantwortlich ist. Rund 35.000 Brandmelder und 80.000 Sprinklerköpfe – im gesamten Gebäude mit 360.000 Quadratmeter Nutzfläche verteilt – sollen rechtzeitig signalisieren, wenn irgendwo im Terminal ein Feuer auflodert oder eine Kabel schmort. Ursprünglich war mit Bosch die Fertigstellung der BMA für Ende Februar vereinbart, dann gab es eine Fristverlängerung bis Ende März. Inzwischen seien die Arbeiten beendet, so die Flughafengesellschaft. Die TÜV-Abnahme soll nun bis Juni erfolgen.

Im Juli steht am BER die Stunde der Wahrheit an

Schlechter sieht es im Bereich Sicherheitsbeleuchtung und Kabel-Verlegung aus, für die nun die Firma ROM verantwortlich ist. Zwar lobt die Flughafengesellschaft das zuletzt gezeigte Engagement der Firma, die mit rund 160 Spezialisten auf der Baustelle arbeitet. Intern ist aber von einer „unzureichenden Abarbeitung“ die Rede. Der Airportbetreiber hofft, dass der Kabelsalat bis spätestens Juli beseitigt ist.

Dann steht die eigentliche Stunde der Wahrheit an. Bei einer sogenannten Wirkprinzip-Prüfung soll das Zusammenspiel aller Anlagen getestet und abschließend vom TÜV freigegeben werden. Erst dann kann beim Bauordnungsamt des Landkreises Dahme-Spreewald eine Baufertigstellungsanzeige abgegeben werden. Dies soll im Herbst 2019 erfolgen. Das Programm, mit dem der BER faktisch in Betrieb genommen wird, muss, soll Oktober 2020 gehalten werden, im April beginnen. „Noch liegen wir im grünen Bereich“, so die Botschaften der Flughafengesellschaft.