Nicht repräsentativ

Neues Regierungsterminal am BER geplant

Ein Regierungsterminal am BER ist fertig. Der Bund beharrt auf eine noch größere Empfangshalle für Staatsgäste.

Die Simulation zeigt den Entwurf für den Regierungsflughafen, der ab 2025 genutzt werden soll.

Die Simulation zeigt den Entwurf für den Regierungsflughafen, der ab 2025 genutzt werden soll.

Foto: Busmann und Haberer Gesellschaft von Architekten mbh Berlin

Berlin/Schönefeld.  Noch immer ist der neue Hauptstadtflughafen BER eine Baustelle mit ungewissem Ende. Doch ganz am Rand des neuen Airports in Schönefeld steht seit vorigem Herbst ein Terminal, das fix und fertig ist.

In dem 70 Millionen Euro teuren Neubau will die Bundesregierung einmal Staatsgäste empfangen und selbst zu Flügen in alle Welt starten.

Doch das sogenannte Regierungsterminal bleibt vorerst ungenutzt und wird zudem nur eine zeitlich befristete Übergangslösung sein. Der Bund beharrt darauf, an anderer Stelle in Schönefeld ein weiteres, noch einmal deutlich teureres Terminal zu bauen. Das machte das Bundesfinanzministerium jetzt in einer Stellungnahme deutlich.

Damit haben sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller und Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke ein Abfuhr geholt.

Beide SPD-Politiker hatten Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) zuvor angetragen, das komplett fertige Terminal möglichst rasch in Betrieb zu nehmen.

Zudem regten sie an, angesichts bereits getätigter Millionen-Ausgaben auf den Bau eines weiteren, aktuell mit 344 Millionen Euro veranschlagten Empfangsgebäudes für Staatsgäste zu verzichten.

Flughafen BER: Kosten für Terminal 2 verdoppeln sich

Flughafen BER: Empfangsgebäude als Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland

Der Bund hält indes an den alten, noch vor Baubeginn des BER geschmiedeten Plänen fest und lehnte die Vorschläge von Müller und Woidke ab. Dazu verwies ein Sprecher des Bundesfinanzministeriums auf eine Stellungnahme der Bundesregierung.

„Das Thema wurde zwischen den Beteiligten beraten. Im Ergebnis wurde eine Umplanung abgelehnt“, heißt es darin. „Um den international üblichen protokollarischen Anforderungen gerecht zu werden, ist für das Empfangsgebäude als Visitenkarte der Bundesrepublik Deutschland eine angemessene repräsentative Gestaltung vorgesehen.“

Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) reagierte „mit Befremden“ auf diese Aussage. „Wenn es um Repräsentation geht, dann sollte man das bereits bestehende Terminal nutzen und gegebenenfalls qualitativ aufwerten. Als Finanzminister kann ich die Forderung des Bundes, noch einmal 344 Millionen Euro für einen Neubau in die Hand zu nehmen, nur mit einem Kopfschütteln quittieren. Auch der Bundesregierung sollte klar sein, dass am BER nur noch eine Devise gelten kann: Sparsamkeit!“ Die Berliner Senatskanzlei hielt sich mit einer Bewertung noch zurück. „Uns liegt bislang keine Antwort auf den Brief vor“, sagte Senatssprecherin Claudia Sünder der Morgenpost.

Flughafenchef Mühlenfeld wollte den Bund 2015 umstimmen

Der Streit über den Regierungsflughafen am BER wird zwischen den Flughafen-Gesellschaftern, den Ländern Berlin und Brandenburg sowie dem Bund, schon seit Jahren geführt. Zuletzt hatte Karsten Mühlenfeld, Vorgänger des heutigen Flughafenchefs Engelbert Lütke Daldrup, 2015 der Bundesregierung vorgeschlagen, ihre Pläne zu ändern. Damals hatte die Flughafengesellschaft dem Bund einen Mietvertrag für das Terminal A des einstigen DDR-Zentralflughafens in Schönefeld gekündigt, dass dieser ursprünglich als Zwischenlösung nutzen wollte.

Dahinter stand die Erkenntnis, dass die Kapazitäten des BER bei der damals für Ende 2017 geplanten Eröffnung nicht ausreichen werden, um nach einer Schließung von Tegel alle Passagiere im Berliner Luftverkehr abfertigen zu können. Die Konsequenz: Die Terminals von Schönefeld-Alt müssen – entgegen der früheren Planung – viele Jahre länger in Betrieb bleiben. Als Ausgleich für das Terminal A bot die Flughafengesellschaft dem Bund einen Ausweichstandort an. Der stimmte zu, allerdings mit der Maßgabe, dass dies eine auf fünf Jahre befristete Interimslösung sei.

Äußerlich ein eher schlichter Zweckbau

Nach der heutigen Zeitrechnung, die eine Eröffnung des BER im Oktober 2020 vorsieht, bedeutet dies, dass der neue Regierungs-Airport 2025 stehen muss. Bauvorbereitungen dafür haben bereits begonnen. Ab 2021 sollen die eigentlichen Arbeiten losgehen. Wegen der damit verbundenen Einschränkungen wird sich die Kapazität von Schönefeld-Alt dann allerdings von derzeit 13 auf dann etwa neun Millionen Passagiere im Jahr verringern.

Bereits seit Herbst 2018 steht das Interimsgebäude für den Regierungs-Airport bereit. Äußerlich ein eher schlichter Zweckbau, innen aber komplett ausgestattet mit Büros, Dolmetscherkabinen und Pressekonferenzraum. Inklusive der Vorfeldflächen mit Platz für bis zu fünf Flugzeuge hat der Neubau rund 70 Millionen Euro gekostet. Die Flughafengesellschaft bekommt die Ausgaben vom Bund refinanziert, allerdings erst ab Nutzungsbeginn. Zieht die Bundesregierung dann 2025 in den größeren Neubau um, soll der Vorgängerbau von den Geschäftsfliegern mit ihren kleineren Maschinen genutzt werden.