Hauptstadtflughafen BER

Wie Geschäftsführung und Aufsichtsrat einander misstrauen

Eine interne Effizienzprüfung offenbart große Unzufriedenheit des Aufsichtsrates mit der Arbeit der Geschäftsführung.

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der BER-Geschäftsführung

Engelbert Lütke Daldrup, Vorsitzender der BER-Geschäftsführung

Foto: picture alliance/BM Montage

Schönefeld.  Hinter den Kulissen des Aufsichtsrates der Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) gibt es offenbar größere Unstimmigkeiten als bekannt. „Die Zusammenarbeit von Aufsichtsrat und Geschäftsführung ist durch Misstrauen geprägt. Beim Aufsichtsrat bestehen weiterhin Zweifel an der Offenheit und Transparenz der Geschäftsführung“, ist ein Ergebnis eines vertraulichen Bewertungstests, den das Deutsche Institut für Effizienzprüfung unter dem 20-köpfigen Kontrollgremium durchgeführt hat. Der Berliner Morgenpost liegen die streng vertraulichen Evaluierungsergebnisse vor.

Befragt wurde in 26 onlinebasierten Fragebögen, außerdem äußerten sich alle 20 Aufsichtsräte in Einzelinterviews. Dabei bewerteten sie ihre Arbeit insgesamt zufriedenstellend mit der Schulnote 3. Die beste Note – sie wurde von fünf Aufsichtsratsmitgliedern vergeben – ist eine 2,0, zwei Aufsichtsratsmitglieder beurteilen die Arbeit des Aufsichtsrates mit „mangelhaft“, also mit einer 5. „Da gab es einen Gutachter, der uns mal den Spiegel vorgehalten hat“, sagte der Aufsichtsratsvorsitzender Rainer Bretschneider (SPD) am vergangenen Freitag über die Untersuchung, die Peter Ruhwedel, Professor und Leiter des Deutschen Instituts für Effizienzprüfung, bei der Aufsichtsratssitzung vorgestellt hatte.

Papier offenbart deutliche Defizite in der Arbeit des Kontrollgremiums

Als 2012 die Eröffnung des BER spektakulär gescheitert war, hatte der Bund der Steuerzahler dem FBB-Aufsichtsrat „politisches Versagen“ und „blindes Vertrauen“ zum Management des Flughafens vorgeworfen. Der Brandenburger Landesrechnungshof hatte dem Aufsichtsrat nach einer Tiefenprüfung ebenfalls Versäumnisse attestiert. Allerdings blieben diese Bewertungen und damit die Rolle des Kontrollgremiums bei der Geschichte des von Pannen geprägten Flughafenprojekts umstritten.

Das Papier offenbart trotz der bescheinigten Fortschritte deutliche Defizite in der Arbeit des Kontrollgremiums. So sehen sich die Aufsichtsratsmitglieder durch die Geschäftsführung der Flughafengesellschaft nicht ausreichend informiert. Dies betrifft auch die jeweils aktuelle Lage auf der Baustelle des BER. Sie erhalten nicht zu wenige Informationen, sondern zu viele, und das oft kurzfristig vor den Sitzungen. Aussagefähige Zusammenfassungen fehlten häufig.

Die Hauptaufgabe des Aufsichtsrates ist immer noch die intensive Überwachung des Baufortschrittes am BER. Den Mitgliedern mangelt es aber oft an den erforderlichen bautechnischen Fähigkeiten. Zahlreiche Aufsichtsratsmitglieder bemängeln außerdem Zielkonflikte zwischen den Gesellschaftern. Politische Interessen würden teilweise auch zulasten des Unternehmensinteresses durchgesetzt.

Vorwurf: Geschäftsführung agiert nicht als Team

Die BER-Geschäftsführung agiert aus Sicht der Aufsichtsratsmitglieder nur eingeschränkt als Team. Sie besteht aus dem Vorsitzenden Engelbert Lütke Daldrup, Heike Fölster (Finanzen) und Manfred Bobke-von Camen (Personal). Man sei sich nicht über die Themenschwerpunkte einig, auch nicht darüber, wie sehr man in die zum Teil hoch komplizierte Materie eindringen soll, hieß es.

Unter dem Aufsichtsratsvorsitzenden Bretschneider habe sich die Diskussionskultur zwar deutlich verbessert, eine größere Distanz des Vorsitzenden gegenüber der Geschäftsführung sei aber erforderlich. „Interessen des Aufsichtsrates gegenüber der Geschäftsführung werden nicht immer hinreichend durchgesetzt“, heißt es. Welche Konsequenzen Aufsichtsrat, Gesellschafter und Geschäftsführung aus den Erkenntnissen der Effizienzprüfung ziehen, bleibt offen. „Misstrauen ist nach den Erfahrungen mit dem BER-Projekt mehr als angebracht“, sagte ein Aufsichtsratsmitglied der Berliner Morgenpost. Aufsichtsrats-Vorsitzender Rainer Bretschneider betonte am Freitag, dass das Gremium uneingeschränkt zu Flughafenchef Lütke Daldrup stehe. Er sei der richtige Mann, um den neuen Hauptstadtflughafen an den Start zu bringen.