Berlin

Der Flughafen BER wird kein Drehkreuz

Aufsichtsratschef Rainer Bretschneider verabschiedet sich vom langjährigen Ziel für den neuen Hauptstadtairport.

Ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Condor vom Typ Airbus A320 startet von der Südbahn des neuen Hauptstadtflughafens

Ein Passagierflugzeug der Fluggesellschaft Condor vom Typ Airbus A320 startet von der Südbahn des neuen Hauptstadtflughafens

Foto: dpa Picture-Alliance / Patrick Pleul / picture alliance / dpa

Der neue Flughafen BER wird auch nach seiner Eröffnung nicht das Drehkreuz werden, das die Berliner Politik jahrelang in Aussicht gestellt hat. Das machte der neue Aufsichtsratsvorsitzende, der Brandenburger Flughafenkoordinator Rainer Bret­schneider, im Interview mit der Berliner Morgenpost deutlich. Der Plan, Umsteigepassagiere über Berlin zu lenken, war eines der wesentlichen Argumente für den Bau eines "Single-Airports", der die bestehenden Berliner Flughäfen ersetzen soll.

Dabei sind die Ausgangsbedingungen für ein Drehkreuz Berlin schlecht. Die Lufthansa als größte deutsche Fluglinie betreibt bereits zwei sogenannte Hubs in Frankfurt und München. Bretschneider kann keinerlei Interesse der Lufthansa erkennen, sich selbst Konkurrenz zu machen mit einem Drehkreuz BER. Die Hoffnungen der Berliner auf steigende Umsteigezahlen ruhten lange auf Air Berlin.

Aber die bisherige Nummer zwei unter den deutschen Fluggesellschaften steckt in argen Turbulenzen, dünnt ihr Streckennetz aus und hat obendrein in Tegel mit einem Chaos bei der Abfertigung zu kämpfen. "Air Berlin wollte hier aktiv werden, aber sie wackeln", sagte Bretschneider, der gleichwohl hofft, eine leistungsfähige Air Berlin am Standort Berlin erhalten zu können. Dass arabische oder asiatische Airlines an die Stelle der Berliner Fluggesellschaft treten könnten, glaubt der Aufsichtsratschef nicht. Das würde voraussetzen, dass die Bundesregierung diesen Fluglinien die nötigen Landerechte in Deutschland gewährt, was sie bisher nicht getan hat.

Die veränderte Strategie für den BER hat wesentliche Auswirkungen auf die Ausbaupläne des Flughafens. Die bereits genehmigten "Satellitenbauten" auf dem Rollfeld, die vor allem für Umsteigepassagiere gedacht waren, stehen infrage. Dem damals entwickelten System habe ein "relativ hoher Anteil von Umsteigepassagieren am BER" zugrunde gelegen, sagte Bretschneider. Die Leute würden ankommen, zwei Stunden warten und weiterfliegen, ohne dass sie Gepäckabfertigung oder Security nutzen würden.

"Es wird eng, aber es ist möglich. Es ist nicht notwendig, Tegel offen zu halten"

Wenn sich die Flughafengesellschaft nun auf die Punkt-zu-Punkt-Verkehre konzentriert, braucht sie mehr Kapazitäten für Check-in und Gepäck. Es werde "viel mehr Platz" gebraucht, so Bretschneider.

Dennoch hält es der Sozialdemokrat für möglich, den Berliner Flugverkehr am Standort des BER und am Terminal Schönefeld-Alt zu konzentrieren und Tegel zu schließen. "Es wird eng, aber es ist möglich. Es ist nicht notwendig, Tegel offen zu halten", sagte Bretschneider. 40 oder 45 Millionen Passagiere pro Jahr seien am BER erreichbar.

Der Brandenburger ließ aber durchblicken, dass sein Land nicht grundsätzlich gegen eine Offenhaltung des alten Berliner Flughafens sei. Die Frage, wie Brandenburg zu Tegel stehe, sei müßig, solange die beiden anderen Gesellschafter Bund und Berlin ihre Haltung nicht änderten. In Berlin stimmen die Bürger parallel zur Bundestagswahl am 24. September darüber ab, ob sie vom Senat Maßnahmen erwarten, um Tegel doch als Flughafen offen zu halten.

Bretschneider wies darauf hin, dass angesichts einer drohenden jahrelangen Rechtsunsicherheit auch nach einer Offenhaltung Tegels wegen der erwarteten Anwohnerklagen ohnehin alles getan werden müsse, um den BER für die gesamte Nachfrage zu ertüchtigen. Der Berliner Senat hat seine Position bekräftigt. Finanzstaatssekretärin Margaretha Sudhoff (SPD), die Mitglied des Flughafen-Aufsichtsrates ist, antwortete auf eine Anfrage der AfD. Sie verneinte, dass sich der Senat angesichts des Passagierwachstums automatisch die Frage einer Weiternutzung stellen müsse.

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