Medienbericht

Flughafen BER findet keine Baufirma für Regierungsterminal

Drei interessierte Baufirmen haben dem BER einen Korb gegeben, sagt Flughafen-Chef Mühlenfeld in einem Interview.

Bauarbeiten am Flughafen BER

Bauarbeiten am Flughafen BER

Foto: Bernd Settnik / dpa

Am neuen Hauptstadtflughafen reißen die Probleme einfach nicht ab. Nun drohen weitere Verzögerungen beim Teilprojekt Regierungsflughafen. Für den Bau eines provisorischen Terminals für Staatsgäste hat sich auf Anhieb kein Unternehmen gefunden. „Es gab ursprünglich drei Interessenten, die am Ende kein Angebot abgegeben haben“, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Donnerstag dem „Handelsblatt“. „Wir versuchen jetzt zusammen mit den Firmen herauszufinden, woran das gelegen hat.“ Das werde die Flughafengesellschaft den Sommer über beschäftigen, sagte Mühlenfeld.

Nach der für 2017 geplanten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens sollen in dem provisorischen Terminal etwa fünf Jahre lang Staatsgäste einchecken. Dann soll der tatsächliche Regierungsflughafen in Betrieb gehen, dessen Baufeld jetzt noch belegt ist. Wie lange genau die Interimslösung benötigt wird, ist nach Mühlenfelds Worten noch unklar. „Wir tun unser Bestes, aber ich kann noch nicht garantieren, dass wir es exakt in den gewünschten fünf Jahren schaffen.“

„Querelen zwischen Bund und Flughafen sind bekannt“

Über das Projekt hatten sich der Bund als Flughafen-Miteigentümer und die Geschäftsführung zerstritten, bei der letzten Aufsichtsratssitzung gelang ein Kompromiss mit der Fünfjahresfrist. „Auch in Baufirmen liest man Zeitung, und die Querelen zwischen Bund und Flughafen sind dort nicht im Verborgenen geblieben“, sagte der Verkehrspolitiker der Linken im Bundestag, Herbert Behrens. „Niemand nimmt einen Auftrag an, von dem man nicht weiß, wie er am Ende aussieht.“

Andreas Otto, baupolitischer Sprecher der Grünen im Abgeordnetenhaus, sagte der Berliner Morgenpost, dass es mit dem schlechten Ruf der Flughafengesellschaft zu tun haben könnte, dass sich bisher kein Unternehmen für den Bau des provisorischen Regierungsterminals gefunden habe. „Es kann aber auch an einer mangelhaften Ausschreibung liegen.“ In der Vergangenheit sei es öfter vorgekommen, dass Ausschreibungen der Flughafengesellschaft nicht genau genug waren und deshalb nicht klar war, was von den Unternehmen erwartet wird. „Die Flughafengesellschaft muss ihre Arbeit verbessern“, forderte Otto.

Weiter in den roten Zahlen

Der problembehaftete Bau des Airports hält die Flughafengesellschaft weiter in den roten Zahlen. Trotz Rekordpassagierzahlen an den Bestandsflughäfen Tegel und Schönefeld machte das staatliche Unternehmen im vergangenen Jahr 137,7 Millionen Euro Verlust, wie aus dem am Donnerstag veröffentlichten Geschäftsbericht hervorgeht. Im Vorjahr hatte das Minus bei 171,3 Millionen Euro gelegen. Wie 2014 trugen Ausgaben für den Bau und Kreditkosten des neuen Flughafens sowie höhere Rücklagen zu dem Verlust bei.

Der Umsatz stieg unterdessen von knapp 289 Millionen Euro auf gut 326 Millionen Euro. „In unserem Kerngeschäft sind wir deutlich gewachsen“, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld. Das operative Ergebnis (Ebitda) habe sich um 52 Prozent auf 85,2 Millionen Euro verbessert. Mühlenfeld erwartet, dass sich das Passagierwachstum beschleunigt. Nach einem Plus von 5,5 Prozent auf 29,5 Millionen im Vorjahr werde die Zahl in diesem Jahr um 7 Prozent auf 31,8 Millionen zulegen.

Sparen konnte das Unternehmen durch den Wechsel des Geschäftsführers Mitte März 2015. Aus dem Geschäftsbericht 2015 geht hervor, dass der neue Flughafenchef Karsten Mühlenfeld deutlich weniger Gehalt bekommt als sein Vorgänger. Für ein gutes Dreivierteljahr hat Mühlenfeld demnach 375.000 Euro erhalten. Sein Vorgänger Hartmut Mehdorn, der zum 13. März 2015 als Flughafenchef ausgeschieden war, kassierte allein von Januar bis Mitte März 165.000 Euro. Hinzu kam für das Vorjahr eine Prämie von 135.000 Euro. 2014 konnte sich Mehdorn sogar noch über 753.000 Euro für das gesamte Jahr freuen.

Lars Wagner folgt auf Daniel Abbou als Sprecher

Die Flughafengesellschaft teilte am Donnerstag außerdem mit, dass Lars Wagner (41) neuer Leiter der Pressestelle der Flughafen Berlin Brandenburg GmbH ist und damit kommissarisch die Leitung der Unternehmenskommunikation übernimmt. Wagner, der vor seiner Tätigkeit für die Flughafengesellschaft als Journalist gearbeitet hat, behält außerdem die Funktion des Pressesprechers bei, die er mit seinem Eintritt in die Flughafengesellschaft im Oktober 2012 übernommen hat.

Der Vorgänger Wagners, Daniel Abbou, und die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH hatten sich Mitte April getrennt. In gegenseitigem Einvernehmen, wie es hieß. Anlass war ein Interview Abbous mit der Fachzeitschrift „PR Magazin“. Darin äußerte er sich kritisch über die Rolle von Politikern und früheren Managern des noch immer nicht eröffneten Hauptstadtflughafens BER und ließ Zweifel an den kommunikativen Fähigkeiten Mühlenfelds durchblicken.

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