Mit weiteren Umbauten im Terminal versucht die Flughafengesellschaft Berlin Brandenburg (FBB) die jüngst bekannt gewordenen Probleme bei der Entrauchung am neuen Hauptstadtflughafen BER in Schönefeld in den Griff zu bekommen. So sollen jetzt in der sogenannten Verteilerebene des Hauptterminals zwei zusätzliche Glastürme in bereits vorhandene Lichthöfe eingebaut werden, die eine Verbindung nach außen schaffen und über die im Ernstfall Frischluft kommt. Damit könnte das Zuluftproblem gelöst werden, sagte Flughafenchef Karsten Mühlenfeld am Mittwoch. Ein entsprechender Bauantrag für die Errichtung der beiden Glastürme sei gestellt.
Das Gesamtproblem der Entrauchung von Terminal und unterirdischem Bahnhof bei ein- und ausfahrenden Zügen sei damit aber noch nicht gelöst. „Hier haben wir zusammen mit der Bahn und den Behörden Vorschläge entwickelt, die bewertet und simuliert werden müssen. Wir sind in einem konstruktiven Dialog“, sagte Mühlenfeld.
Erst vor zwei Wochen war bekannt geworden, dass es noch immer erhebliche Probleme mit dem Brandschutz am Flughafen BER gibt. Konkret geht es um das Zusammenspiel der Entrauchung des Terminalgebäudes und des direkt darunter liegenden Flughafenbahnhofs. Im Brandfall muss mit verschiedenen technischen Maßnahmen sichergestellt werden, dass die bei einem Feuer entstehenden giftigen Gase nicht von einem Gebäudeteil in den anderen eindringen und die Menschen dort gefährden kann.
Der FBB-Aufsichtsratschef, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), hatte nach der jüngsten Sitzung des Kontrollgremiums erklärt, dass die Bahn und das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) überraschend und kurzfristig neue Anforderungen an die Entrauchung gestellt hätten. Diese hätte zeitaufwendige Computersimulationen zur Folge, die wiederum den Zeitplan für die Fertigstellung des neuen Großflughafens BER gefährden könnten.
Die Bahn und auch das EBA hatten die Vorwürfe umgehend zurückgewiesen. Beide machten geltend, dass die behördliche Genehmigung für den 2011 fertiggestellten Flughafenbahnhof zu einem Zeitpunkt erfolgt sei, als das Terminal darüber noch im Bau war. Bei dessen Fertigstellung sei dann jedoch von den ursprünglichen Bauplänen abgewichen worden. Im Kern des Streits geht es um den Nachweis, dass bei einem Feuer in der Verteilerebene auch bei laufendem Zugverkehr kein Rauch in den darunter liegenden Bahnhof eindringen kann – und umgekehrt. Das ist nicht so einfach, entwickeln doch Züge, die in einem Tunnel fahren, eine gefährliche Sogwirkung. Die Flughafengesellschaft muss nun dem Bauordnungsamt Dahme-Spreewald nachweisen, wie sie gewährleistet, dass auch bei laufendem Betrieb keine giftigen Gase in den Bahnhof eindringen können.
„Man hätte die Maßnahmen dafür schon vor Jahren festzurren müssen“, hatte Mühlenfeld zu Wochenbeginn bei einer Anhörung vor dem BER-Untersuchungsausschuss des Brandenburger Landtags eingeräumt. Nun aber müsse der Flughafen weitere Entrauchungsszenarien für die Schnittstelle zwischen Airport und Bahnhof vorlegen, um bei den Baugenehmigungen weiterzukommen.
Die nächste Genehmigung zur Fertigstellung des Terminals sollte bis Ende April erreicht werden, um den BER wie geplant in diesem Jahr fertigstellen und im nächsten eröffnen zu können. Nun ist von einer Genehmigung des sogenannten fünften Nachtrags zur BER-Baugenehmigung im Juni die Rede. Trotz dieser Verzögerungen üben sich die Verantwortlichen in Optimismus. „Es besteht noch die Chance, bis Ende 2017 fertig zu werden“, hatte der stellvertretende BER-Aufsichtsratschef und Brandenburgs Flughafen-Koordinator Rainer Bretschneider versichert. „Aber das beinhaltet auch: Es bestehen deutliche Risiken.“


