Nordbahn-Sanierung

Um 5.35 Uhr startete der erste Flieger am BER nach Mallorca

Die Meldung lässt aufhorchen. Tatsächlich: Am BER starten und landen am Sonnabend rund 130 Flugzeuge. Das allerdings nur, um die bisher schon vom Flughafen Schönefeld genutzte Nordbahn zu entlasten.

Es war alles so schön geplant: Ein Airbus A380 – das stolze Flaggschiff der Lufthansa – sollte am 3. Juni 2012 von der Schönefelder Südbahn zu einem Sonderflug mit zahlreichen geladenen Gästen abheben und damit den neuen Hauptstadtflughafen BER formell in Betrieb nehmen. Bekanntermaßen platzte die Eröffnung.

Fast genau drei Jahre nach der peinlichen Absage gab es ihn am Sonnabend nun doch, den ersten Start einer regulären Linienmaschine von der neuen BER-Startpiste: Um 5.35 Uhr machte sich ein Airbus A320 der Fluglinie Condor auf den Weg nach Palma de Mallorca, wie die Flughafen Berlin Brandenburg GmbH mitteilte.

Eine Boeing B737 von Pegasus Airlines aus Istanbul setzte um 5.55 Uhr als erstes Flugzeug zur erfolgreichen Landung an. Rund 130 Maschinen landeten und starteten am Sonnabend insgesamt.

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Schlechter Zustand der Piste

„Die Südbahn ersetzt für einen klar definierten Zeitraum die Nordbahn am alten Flughafen Schönefeld“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel der Berliner Morgenpost. Diese Aussage klingt lapidar, hat aber erhebliche Praxisrelevanz. Denn nach Luftfahrtrecht wird ein Flughafen nicht durch das bei Politikern beliebte Banddurchschneiden formal eröffnet, sondern durch die Nutzung der ihm zugeordneten Start- und Landebahn. Und das ist beim BER eben die eigens für den neuen Airport gebaute 4000 Meter lange und 60 Meter breite Betonpiste.

Spätestens sechs Monate nach der Inbetriebnahme des BER wiederum müsste Tegel schließen, Berlin wäre Ende des Jahres ohne eigenen Flughafen. Eine solche Gefahr bestehe nicht, versichert Kunkel, genehmigungsrechtlich sei alles geklärt. Genau genommen ist der Condor-Flug am Sonnabend nicht der allererste von der Südbahn. Bereits bei den Internationalen Luftfahrtausstellungen (ILA) 2012 und 2014 diente die Piste als Start- und Landebahn für die Flugvorführungen. Auch die größte Passagiermaschine der Welt, der Airbus A380, war in mehreren Versionen dort zu sehen.

Grund für den Wechsel ist der schlechte Bauzustand der Nordbahn. Die 3600 Meter lange Asphaltpiste war noch zu DDR-Zeiten errichtet und nach der Wiedervereinigung nur oberflächlich geflickt worden. Die 2017 geplante Grundsanierung wurde vorgezogen, ab dem 24. Oktober soll die Nordbahn wieder genutzt werden. Das hat den Vorteil, dass dem BER nach seiner Eröffnung beide Start- und Landebahnen uneingeschränkt zur Verfügung stehen. Das erhöht Leistungskraft und Flexibilität des Airports. Da beide Bahnen weit genug voneinander entfernt liegen, können sie unabhängig voneinander genutzt werden. Wird eine Piste etwa durch ein notgelandetes Flugzeug blockiert, kann der Betrieb auf der anderen Seite weitergehen.

Anti-Rutsch-Belag

Bei der Sanierung der Nordbahn werden die beiden oberen Asphaltschichten erneuert und ein sogenannter Anti-Rutsch-Belag aufgebracht. Zusätzlich werden die Sicherheitsflächen, die die Start- und Landebahn umgeben, verbreitert. Als besonders dringlich sieht die Flughafengesellschaft die Erneuerung der Drainage an, die verhindert, dass bei starkem Regen das Wasser auf der Piste steht. Richtig Geld sparen soll die Modernisierung der Befeuerungsanlage, die den Piloten optische Orientierung gibt. Die Signallichter auf der Bahn werden auf energiesparende LED-Technik umgerüstet. Die Kosten für die bis zum 24. Oktober geplanten Nordbahn-Sanierung werden von der Flughafengesellschaft auf 50 bis 60 Millionen Euro beziffert. Allerdings könnte der Rahmen überschritten werden, weil sich der ursprünglich für Ende März vorgesehen Baustart um gut vier Wochen nach hinten verschoben hat. Da die Arbeiten vor dem Winter beendet sein sollen, müssen die Baufirmen jetzt schneller arbeiten, was sich diese in Regel extra bezahlen lassen.

Hintergrund für die Verschiebung ist die schleppende Umsetzung des Lärmschutzes der BER-Anwohner. Die Genehmigungsbehörde hatte gefordert, dass insbesondere die rund 4500 unmittelbaren Südbahn-Anwohner Bescheide über konkrete Schallschutzmaßnahmen in ihren Häusern in der Tasche haben müssten. Der Flughafen konnte diese Auflage bislang nicht vollständig erfüllen. Nach eigenen Angaben wurden bis Mitte April die Ansprüche für 3800 Haushalte ermittelt, rund 700 Anträge sind aber noch nicht bearbeitet. Während der Bauarbeiten bietet die Flughafengesellschaft eine Info-Hotline für Anwohner an (Telefon 6091-6091).

Für die Schönefeld-Passagiere soll sich kaum etwas ändern. Die Start- und Landezeiten ändern sich nicht. Allerdings ist die Südbahn rund vier Kilometer vom alten SXF-Terminal entfernt, was zu längeren Rollzeiten führt. Die Flughafengesellschaft rechnet mit mindestens 15 Minuten Fahrzeit bei Weststarts und 20 Minuten bei Starts in Richtung Osten, das könnte im Einzelfall zu Verspätungen führen.

>> Ist der BER schon fertig? Die interaktive Bau-Checkliste