BER-Debakel

Nachfolge-Suche für BER-Chef Mehdorn geht in neue Runde

Die Eigentümer der Flughafengesellschaft haben sich bislang nicht auf einen Nachfolger für BER-Chef Hartmut Mehdorn einigen können. Man habe auch keinen Handlungsdruck, hieß es nach einem Treffen.

Die Suche nach einem Nachfolger von Flughafen-Chef Hartmut Mehdorn geht weiter. Offen ist zudem auch noch, ob es überhaupt einen neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung geben soll oder ob es zu einer von Berlins Regierendem Bürgermeister Michael Müller (SPD) präferierten Teamlösung für die Spitze der Flughafengesellschaft kommen wird.

Ein Spitzengespräch der Flughafen-Eigentümer ist am Freitagnachmittag ohne greifbares Ergebnis zu Ende gegangen. Mehr als zwei Stunden hatten die Regierungschefs von Berlin und Brandenburg, Michael Müller und Dietmar Woidke (beide SPD), sowie Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) im Roten Rathaus in Berlin hinter verschlossenen Türen getagt. Mit dabei war auch der Brandenburger Staatssekretär und amtierende Vorsitzende des Flughafen-Aufsichtsrats, Rainer Bretschneider.

Kein Handlungsdruck

Das Treffen war ursprünglich als vertraulicher Meinungsaustausch geplant gewesen, war aber zuvor an die Presse durchgesickert. Anschließend hieß es lediglich, es seien „gute und konstruktive Gespräche“ über „Personal- und Strukturfragen“ geführt worden. Personalentscheidungen seien nicht gefallen, auch im Vorfeld seien keine Entscheidungen getroffen worden.

Man habe auch keinen Handlungsdruck, hieß es nach dem Treffen, als Dobrindt im Elektro-BMW und Woidke im Audi um kurz nach 15 Uhr wieder wegfuhren. Das Unternehmen sei handlungsfähig, der scheidende Flughafenchef Mehdorn habe sich ja bereit erklärt, zur Klärung der Nachfolge bis längstens Mitte des Jahres im Amt zu bleiben.

Als das „Geheimtreffen“ am Freitag tags zuvor bekannt geworden war, wuchsen die Erwartungen, dass die Gesellschaftervertreter greifbare Ergebnisse verkünden würden. Dabei hatte der Regierende Bürgermeister am Donnerstag im Abgeordnetenhaus noch einmal die Berliner Position bekräftigt, wonach eine Lösung unter Einbeziehung der derzeit Verantwortlichen erfolgen solle. Neben der zweiten Geschäftsführerin, der für Finanzen zuständigen Heike Fölster, sind damit die als Bereichsleiter in der zweiten Ebene angesiedelten Jörg Marks (Technik und Bau) und Elmar Kleinert (Betrieb) gemeint.

Noch keine genaue Jobbeschreibung

Marks verantwortet als Technikchef die Pläne zur Lösung der Probleme auf der BER-Baustelle und den Zeitplan bis zur angepeilten Eröffnung des neuen Hauptstadtflughafens im Herbst 2017. Kleinert sorgt dafür, dass die alten Airports in Tegel und Schönefeld das unvermindert anhaltende Passagierwachstum ohne Zusammenbruch bewältigen. Ob die drei einen neuen Chef vor die Nase gesetzt bekommen oder ob eine zusätzliche Führungskraft die Aufgaben als „Außenminister“ und im Geschäft mit den Airlines übernimmt, ist unter den Gesellschaftern noch nicht ausgemacht. Ohne die genaue Jobbeschreibung dürfte es jedoch kaum möglich sein, unter den Flughafen-Gesellschaftern einen Personalvorschlag abzustimmen. Für mögliche Kandidaten dürfte es zudem eine erhebliche Rolle spielen, ob sie als Chef in Mehdorns Gehaltsliga von um die 500.000 Euro im Jahr spielen oder sich als Teammitglieder mit deutlich weniger Geld begnügen müssen.

Gleichwohl berichteten mehrere Medien so, als seien Entscheidungen bereits gefallen. So meldete die „Berliner Zeitung“ am Donnerstagabend, Marks werde Flughafen-Chef, zog diesen Bericht aber wenig später zurück. Am nächsten Morgen folgte der „Tagesspiegel“ und verkündete, der bisherige Chef der Triebwerksfabrik des britischen Rolls-Royce-Konzerns im brandenburgischen Dahlewitz, Karsten Mühlenfeld, werde neuer BER-Chef. Darauf hätten sich die Flughafen-Gesellschafter Berlin, Brandenburg und Bund verständigt, hieß es.

Die Personalie war offenbar aus Brandenburg durchgedrungen. Denn die Regierung in Potsdam verfolgt anders als Berlin den Plan, einen neuen Oberchef als Ersatz für Mehdorn zu installieren. Dass der Maschinenbauingenieur Mühlenfeld im Gespräch sei für einen Spitzenposten am Flughafen, bestätigte am Vormittag indirekt Brandenburgs Finanzminister Christian Görke (Linke) und sorgte damit für Kopfschütteln in Potsdam. Das Potsdamer Büro der Deutschen Presse-Agentur schrieb nach einem Gespräch mit Görke, Mühlenfeld gehöre „nach dpa-Informationen“ zum engeren Zirkel, der von Ministerpräsident Woidke und Görke in Erwägung gezogenen drei Kandidaten. „Es ist noch nicht soweit, bereits eine Präferenz zu setzen, weil sich die Eigner zur Zeit untereinander abstimmen“, wird Görke zitiert: „Aber wenn der BER etwas gut vertragen könnte, dann wäre es ein Macher.“

Vertrag mit Bombardier

Dabei scheint das Interesse der Brandenburger an dem Rolls-Royce-Manager durchaus plausibel. Das bisher von ihm geleitete Werk im Süden Berlins ist ein Vorzeigebetrieb der märkischen Industrie, gerade jüngst hob ein auch in Dahlewitz mitentwickeltes Triebwerk an einem Airbus A350 zum ersten Linienflug dieses neuen Jets ab. Mühlenfeld verfügt über erstklassige Kontakte zur Potsdamer Landesregierung, Ministerpräsident Woidke zeigte sich in den vergangenen Monaten wiederholt auf dem Rolls-Royce-Gelände. Bereits für den Flughafen-Aufsichtsrat hatten die Brandenburger mit Axel Arendt einen früheren Rolls-Royce-Mann nominiert, der eventuell sogar den Vorsitz übernehmen soll.

Nach dem Spitzentreffen im Roten Rathaus ist jedoch wieder fast alles offen – zumal bekannt wurde, dass Mühlenfeld bei Bombardier Transportation angeheuert hat. Beim kanadischen Schienenfahrzeughersteller mit Europazentrale am Schöneberger Ufer in Berlin soll er ab 1. Februar den Posten eines Leiters Entwicklung für Zentral- und Osteuropa übernehmen. „Herr Mühlenfeld hat bei uns einen gültigen Arbeitsvertrag“, bestätigte ein Unternehmenssprecher der Berliner Morgenpost.

Trotz des schriftlich verteilten Dementis ging die Namenslotterie am Freitag weiter. Der „Tagesspiegel“ nannte als weiteren Kandidaten den früheren Bombardier-Chef Michael Clausecker. Er oder Mühlenfeld sollten den BER führen, hieß es auf der Internetseite des Blattes, das damit seine frühere Berichterstattung korrigieren musste.

Die Eigentümer der Flughafengesellschaft waren in Zugzwang geraten, nachdem Flughafenchef Mehdorn Mitte Dezember seinen vorzeitigen Rücktritt von seinem bis 2016 laufenden Vertrag erklärt hatte. Mehdorn war genervt von Spekulationen über seinen möglichen Nachfolger.