BER-Debakel

Bund und Länder beraten über neuen Flughafenchef

Bei der Suche nach der Mehdorn-Nachfolge favorisiert Berlin eine interne Lösung. Technikchef Marks soll in die Geschäftsführung aufrücken. Ein neuer „Heilsbringer“ wird wohl nicht gesucht.

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Wer wird Berlins neuer Flughafenchef? Die drei staatlichen Eigentümer der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) wollen sich am heutigen Freitag in Berlin treffen, um die Nachfolge für Hartmut Mehdorn zu regeln. Der 72 Jahre alte Manager hatte im Dezember überraschend seinen Rücktritt vom Amt des Flughafengeschäftsführers erklärt, spätestens Ende Juni werde er aus dem Unternehmen ausscheiden, kündigte er an. Seinen Rückzug begründete er damals „mit Spekulationen um seine Person im Umfeld des Aufsichtsrats, die das vertretbare Maß überstiegen“.

Bei der Suche nach einem Nachfolger treffen sich Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD), Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) und Bundesverkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) nun zu einem Spitzengespräch. Vor dem Treffen machte Müller seine Vorstellungen bereits deutlich. „Der Berliner Senat präferiert im Sinne der Kontinuität eine Lösung unter Einbindung der schon jetzt für den BER Verantwortlichen“, sagte Berlins Regierender Bürgermeister Müller am Donnerstag im Abgeordnetenhaus. „Vorrangig ist, den mühsam erarbeiteten neuen Zeitplan nicht wieder durch Einarbeitungszeiten oder Eitelkeiten zu gefährden.“

Kein neuer „Heilsbringer“

Die Aussage Müllers deutet darauf hin, dass für die Führung der angeschlagenen Flughafengesellschaft kein neuer „Heilsbringer“ von außen gesucht wird. Als relativ gesichert gilt zudem, dass der Leiter Technik und Bau, Jörg Marks, in die Geschäftsführung aufrücken wird. Der 46 Jahre alte Ingenieur und frühere Siemens-Manager war erst im Sommer vorigen Jahres von Mehdorn geholt worden und hat maßgeblich das Mitte Dezember vom Flughafen-Aufsichtsrat bestätigte Fertigstellungskonzept für den BER erarbeitet. Danach soll der neue Hauptstadt-Airport in Schönefeld in der zweiten Jahreshälfte 2017 eröffnet werden.

Zwei oder vielleicht doch drei Geschäftsführer

Die Flughafengesellschaft hat jedoch auch Aufgaben zu erfüllen, die die Führungsmannschaft aus Jörg Marks (Technik und Bau), Heike Förster (Finanzen) und Elmar Kleinert (Betrieb der Alt-Flughäfen Tegel und Schönefeld) nicht noch zusätzlich bewältigen kann: das Geschäft mit den Kunden, den Airlines. Auch die Außendarstellung – die Auftritte in den diversen Parlamentsausschüssen zum Beispiel – könnte ein weiterer, neuer Vorstand übernehmen. Als wahrscheinlich gilt, dass es in dieser Konstellation dann keinen Vorsitzenden der Geschäftsführung mehr geben wird, wie Hartmut Mehdorn es derzeit noch ist, sondern nur einen gleichberechtigten Sprecher.

Der Nachteil dieser Lösung zeigt sich bei einem Blick in die Geschichte des BER-Debakels. Denn auch als es auf der Baustelle drunter und drüber ging, gab es mit Rainer Schwarz als Sprecher und Manfred Körten als Zuständigen für den Bau eine gleichberechtigte Führung. Der eine ließ den anderen jedoch nicht in seinen Bereich hineinschauen. Dies dürfe sich auf keinen Fall wiederholen, heißt es in der Flughafengesellschaft.

Gericht weist Flugrouten-Klage ab

Unterdessen haben die Flugrouten vom künftigen Hauptstadt-Airport erneut die Jusitz beschäftigt. Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wies ein Klage das Naturschutzbundes Deutschland (Nabu) gegen eine Flugroute bei Westwind von der Südbahn des BER ab. Weil die Flugzeuge bei dieser Route ein Vogelschutzgebiet am Rangsdorfer See überfliegen, hatte der Nabu eine Umweltverträglichkeitsuntersuchung nach den europäischen Richtlinien für sogenannte FFH-Gebiete in Natur- und Landschaftsschutzgebieten gefordert. Nach Auffassung der Richter ist der Vorbeiflug am Rangsdorfer See naturschutzrechtlich jedoch nicht zu beanstanden. Bei einer Flughöhe von mindestens 600 Metern, wie sie vom Bundesaufsichtsamt für Flugsicherung festgelegt wurde, sei eine erhebliche Beeinträchtigung der geschützten Vogelarten ausgeschlossen, heißt es in der Begründung. Eine Revision ließ das Gericht nicht zu.