Pannen-Flughafen

Streit mit BER-Aufsichtsrat - Mehdorn spricht von „Inquisition“

Hartmut Mehdorn hat vom Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft mehr Rückhalt gefordert und sich über mangelndes Vertrauen beklagt. Der BER-Chef hatte sich zuletzt gegen externe Kontrolleure gewehrt.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Eine knappe Woche vor der nächsten Aufsichtsratssitzung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) scheint das Verhältnis zwischen Geschäftsführer Hartmut Mehdorn und den Gesellschaftern aus Bund sowie Berlin und Brandenburg angespannt zu sein. Der „Spiegel“ und die „Bild am Sonntag“ berichten unter Berufung auf nicht näher spezifizierte Aufsichtsratskreise, dass der im März 2016 endende Vertrag des Managers nicht verlängert werden soll. Mehdorn wiederum soll seinen Arbeitgebern in einem Schreiben an das Bundesverkehrsministerium „Inquisition“ und „Zynismus“ vorgeworfen haben.

Mehdorn fordert zudem mehr Rückhalt für die Fertigstellung des Großflughafens BER. „Ein Aufsichtsrat muss Vertrauen in seine Geschäftsführung haben. Entweder er traut seiner Geschäftsleitung, oder er sucht sich eine neue. Dazwischen gibt es nichts“, sagte Mehdorn dem „Tagesspiegel am Sonntag“. Er reagierte damit offenbar darauf, dass der Aufsichtsrat im Sommer dieses Jahres externe Gutachter eingesetzt hat, die die Vorgänge am BER kontrollieren sollen. Gleichzeitig hielt er der Politik Ängstlichkeiten vor. Er fürchte, die Gesellschafter wollten auch nach der Aufsichtsratssitzung keine Zeitspanne für einen Eröffnungstermin nennen. Einen festen Terminplan halte er aber für unbedingt erforderlich. „Ohne Termin werden wir keine Flughafeneröffnung hinkriegen, denn sonst schaffen wir nicht den Anreiz und klaren Rahmen für Bau, Planung und behördliche Abnahmen“, sagte Hartmut Mehdorn.

„Volles Vertrauen des Aufsichtsrats“

Senatssprecher Richard Meng wollte Mehdorns Aussage zum fehlenden Vertrauen nicht als Kritik am Aufsichtsrat, dem auch der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vorsteht, verstanden wissen. „Herr Mehdorn hat nur eine Selbstverständlichkeit ausgesprochen und genießt das volle Vertrauen des Aufsichtsrates“, sagte er auf Anfrage der Berliner Morgenpost.

Die Flughafengesellschaft hat unterdessen Berufung gegen das Urteil des Berliner Landgerichtes eingelegt, in dem die Kündigung des Ex-Flughafenchefs Rainer Schwarz aufgehoben wurde. Das berichtet die „Bild am Sonntag“. Dem Blatt zufolge wollte die Gesellschaft zudem erreichen, dass Passagen aus dem Urteil gestrichen werden. Darin wird thematisiert, dass der Aufsichtsrat und der Vorsitzende Wowereit früh gewusst haben sollen, dass der für Juni 2012 geplante Eröffnungstermin nicht zu halten gewesen sei. Auf „die Probleme bei der rechtzeitigen Fertigstellung“ soll Schwarz Wowereit laut Urteil am 30. März 2012 hingewiesen haben. Der zuständige Richter Björn Retzlaff wies den sogenannten Tatbestandsberichtigungsantrag der Flughafengesellschaft aber zurück. „Das Gericht meint, dass der Tatbestand im Urteil zutreffend wiedergegeben wurde“, sagte eine Sprecherin laut „Bild am Sonntag“.