Die Gesellschafter des Flughafens haben sich nach dem Krisengipfel hinter den Flughafenchef Hartmut Mehdorn gestellt. "Herr Mehdorn hat unser volles Vertrauen", sagte der Regierende Bürgermeister Klaus Wowereit vor dem Roten Rathaus. Während Wowereit vor den Kameras stand, verließ Mehdorn in seiner Limousine den Hof des Rathauses.
Mehdorn bearbeite die Baustellen des BER-Projektes "mit Verve", er sei der Verantwortliche für das gesamte Projekt, sagte Wowereit. Laut sei es während des Treffens nur wegen der U-Bahnbaustelle vor der Tür gewesen.
Einen Eröffnungstermin werde es wohl auch bei der Aufsichtsratssitzung im April nicht geben, sagte Wowereit. Es könne auch ein anderes Jahr als 2016 sein. "Es kann auch 2015 sein", sagte Wowereit.
Klaus Wowereit wollte auf Differenzen mit Brandenburg über den Lärmschutz am BER nicht eingehen. Das Thema Schallschutz sei "ganz wichtig", sagte Wowereit: "Wir haben großes Interesse an optimalem Schallschutz." Für die Anwohner werde es den besten Schallschutz der ganzen Republik geben. Dazu müsse jedes Grundstück bewertet werden.
Brandenburg sei "Teil des Flughafens". Man fasse die Beschlüsse gemeinsam und erörtere Dissonanzen im Aufsichtsrat. Natürlich wäre es immer gut, wenn man darüber nicht öffentlich diskutierte.
Zu den Kosten des BER sagte der Regierende Bürgermeister, man könne Zahlen erst erörtern, wenn sie auf dem Tisch lägen. Wowereit äußerte aber Zweifel, ob schon bei der Aufsichtsratssitzung im April ein neuer Kostenplan vorliegen werde. Er schloss mit einem Lob für Mehdorn: „Er kniet sich voll rein und lässt nicht locker.“
Görke fordert Kostenplan von Mehdorn
Im Streit über den künftigen Hauptstadtflughafen war Flughafenchef Hartmut Mehdorn unter Druck geraten. Am Freitagvormittag gab es nach neuen Problemen mit dem Milliarden-Bauprojekt ein Krisentreffen in Berlin. Vor allem Brandenburg als ein Anteilseigner hatte sich verärgert gezeigt über Mehdorns Krisenmanagement. Finanzminister Christian Görke (Linke) forderte den Manager auf, rasch einen Zeit- und Kostenplan für den Flughafen vorzulegen. „Er muss liefern“, sagte Görke am Freitag im RBB-Inforadio. Streit gibt es vor allem, nachdem Mehdorn vor weiteren Verzögerungen bei einer Eröffnung des Flughafens wegen Problemen mit dem Schallschutz gewarnt hatte.
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (beide SPD), Mehdorn und Vertreter des Bundes waren zu dem Spitzengespräch zusammengekommen.
Erst am Donnerstagabend musste Mehdorn im Flughafen-Sonderausschuss des Brandenburger Landtags Kritik einstecken. Der Flughafenchef hatte neue Behörden-Auflagen für die Verschiebung der Nordbahn-Sanierung am neuen Hauptstadtflughafen für Verzögerungen verantwortlich gemacht.
Den Flughafen „endlich fertig bauen“
Seit kurz vor neun Uhr tagte der BER-Krisengipfel im Amtszimmer des Regierenden Bürgermeisters. Als erster erschien Bau-Staatssekretär Rainer Bomba, in blütenweißem Hemd und ohne Jacket. Er sagte kurz vor dem Krisentreffen: „Wir werden Klartext sprechen.“ Mehdorn habe weiterhin das volle Vertrauen „aber er muss auch wissen, dass man geschäftspolitische Entscheidungen mit dem Aufsichtsrat bespricht und nicht über die Medien oder in Briefen an einzelne Aufsichtsratsmitglieder“. Bomba sagte: „Wir müssen den Flughafen endlich fertig bauen. Keine Nebenkriegsschauplätze mehr.“
Brandenburgs Finanzminister beklagte, bereits seit einem Dreiviertel Jahr werde angekündigt, eine Planung zur Inbetriebnahme des Hauptterminals vorzulegen und vor allem auch eine Gesamtfinanzierung. „Das steht alles aus.“ Auf die Frage, ob Mehdorn bei weiteren Problemen möglicherweise eine Entlassung drohen könnte, sagte Görke: „Darüber werden wir dann in den Gremien zu reden haben.“
Die Sanierung der Nordbahn ist aus Sicht des Finanzministers auch nicht der Grund dafür, dass der Flughafen möglicherweise nicht ans Netz gehen könne. Das Haupthindernis sei eine nicht funktionierende Brandschutzanlage. „Ich erwarte, dass er sich dieser konkreten Baustelle widmet und nicht ständig neue virtuelle Baustellen eröffnet“, sagte Görke an die Adresse Mehdorns.
Um kurz nach 11 Uhr haben die Brandenburger, also Ministerpräsident Dietmar Woidke und Flughafenkoordunator Rainer Bretschneider das Rote Rathaus verlassen, ebenso wie Bomba. Einige Minuten zuvor war schon Finanz-Staatssekretär Werner Gatzer in seiner Limousine aus dem Rathaus-Hof gerauscht. Von ihnen sagte niemand ein Wort zu den wartenden Journalisten. Klaus Wowereit und Flughafenchef Hartmut Mehdorn waren zunächst noch im Rathaus geblieben.
Mehdorn bestätigte unterdessen Schätzungen, nach denen das Milliardenprojekt noch einmal deutlich teurer wird. „Wir stehen da heute bei 4,2 (Milliarden Euro), wir werden da etwas über 5 kommen“, sagte Mehdorn am Freitag der Hörfunkwelle HR-Info. Bislang hat Mehdorn aber keinen Kostenplan vorgelegt, weil auch der Eröffnungstermin noch offen ist.
BM/dpa/jof/seg




