Hauptstadtflughafen

Testbetrieb am BER womöglich auch ohne Schallschutz

Er schien ein Detail zu sein, doch er wächst zu einem Hindernis für wichtige Vorhaben am Airport BER heran: der Schallschutz. Mehdorn ficht das nicht an. Notfalls will er mit dem Kopf durch die Wand.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Am BER steuert Flughafenchef Hartmut Mehdorn auf ein weiteres Hindernis zu. Bei seinem Plan für die Nordbahnsanierung und vorübergehende Flüge von der Südbahn wächst der Zeitdruck. Gut vier Monate vor dem beabsichtigten Start im Juli hat noch keiner der betroffenen 4.000 Haushalte Schallschutz, wie der Vorsitzende der Fluglärmkommission Gerhard Steintjes am Montag verdeutlichte.

Der Flughafen ist auch noch nicht in der Lage, Bescheide für eine Kostenübernahme an die Betroffenen zu verschicken. Damit könnten die Anwohner Handwerker beauftragen.

Den Schallschutz hatte die Luftfahrtbehörde aber zur Bedingung für die Südbahn-Freigabe gemacht. Mehdorn sagte nach der Sitzung der Kommission auf die Frage, ob der 1. Juli noch zu schaffen sei: „Ja, wenn wir uns alle Mühe geben.“ Er will die Nordbahn des künftigen Hauptstadtflughafens ab Juli sanieren. Der neue Flughafen soll diese Start- und Landebahn vom benachbarten Altflughafen Schönefeld übernehmen. Während der Arbeiten fliegen die Maschinen ab Schönefeld-Alt von der neuen Südbahn. Auch der Testbetrieb im Nordflügel des BER würde über diese erfolgen.

Der Leiter der Gemeinsamen Oberen Luftfahrtbehörde Berlins und Brandenburgs, Wolfgang Fried, hatte im November klar gemacht, dass bis zum ersten Start von der Südbahn die Betroffenen Schallschutz oder Entschädigungen erhalten müssen.

Brandenburg blockiere das Projekt BER

Die Kommission forderte sechs Monate Zeit für die Arbeit der Handwerker. Dies hatte in Berlin für Unmut gesorgt. Aus Rücksicht auf die Landtagswahl im September blockiere Brandenburg das Projekt BER, hieß es vor wenigen Monaten in Senatskreisen. Nun droht ein offener Konflikt: „Herr Mehdorn hat sehr deutlich gemacht, dass er fest entschlossen ist, darauf zu dringen, in diesem Sommer mit den Arbeiten zu beginnen, unabhängig davon, ob der Lärmschutz schon realisiert ist oder nicht“, sagte Steintjes in seinem Bericht über die Sitzung am Montag.

Der Flughafenchef habe aber auch versichert, alles daran zu setzen, dass die Anwohner Schallschutz bekommen. Nach seinen Worten gehe es nun flott voran. Den Antrag für den Südbahnbetrieb hat Mehdorn nach Angaben des Infrastrukturministeriums noch nicht gestellt. Die Kommission trifft sich aber auf Drängen Mehdorns am 7. April wieder, um die für die Genehmigung notwendige Stellungnahme abzugeben.

Nach Zahlen des Flughafens haben Gutachter knapp die Hälfte der gut 4.000 Haushalte besucht, die vom Südbahn-Betrieb betroffen wären. Für gut 150 davon wurden ihre Ansprüche ermittelt. Nun wird der Verkehrswert der Häuser bestimmt, um zu klären, wer Schallschutzfenster, Dämmungen und Lüfter oder eine Entschädigung bekommt.