Die Lage am neuen Hauptstadtairport ist mittlerweile so angespannt, dass sich der Aufsichtsrat gar nicht mehr treffen kann, ohne dass im Vorfeld große Entscheidungen erwartet werden. Bei der Sitzung am Freitag genehmigte das Kontrollgremium elf Millionen Euro für die Installation der elektronischen Datenautobahn. Es ist eine überschaubare Summe wenn man bedenkt, dass die Baustelle auch ohne ersichtlichen Fortschritt in jedem Monat 20 Millionen Euro kostet.
Aus dem Grund wurde im voraus heftig spekuliert, ob nicht vielmehr eine Entscheidung im andauernden Streit in der Führungsspitze des BER anstehe. Flughafenchef Hartmut Mehdorn und Technikchef Horst Amann sind uneins über das weitere Vorgehen am BER. Amann untersucht die Mängel bis ins kleinste Detail, Mehdorn will dagegen so schnell wie möglich den ersten Flieger abheben lassen. Dazwischen gibt es wenig Spielraum für die Zusammenarbeit.
Vergangene Woche schrieb Amann einen Brief an Vertreter der Flughafengesellschaft, in dem er die aus seiner Sicht unhaltbaren Zustände schilderte. Darin wirft er Mehdorn unter anderem „hektische Beschleunigungsaktivitäten“ und Verantwortungslosigkeit vor. Das musste der Flughafenchef zwangsläufig als Vertrauensbruch verstehen. Amann dagegen mag dabei auch an seine eigene berufliche Zukunft gedacht haben, denn bei genauem Lesen klingt der Brief stellenweise wie eine Rechtfertigung für den Fall etwaiger Auseinandersetzungen vor einem Arbeitsgericht. Offenbar erwartet er sich entweder konkrete Unterstützung des Aufsichtsrats oder eine Abfindung.
„Wir erwarten, dass eine Geschäftsführung sich professionell verhält“
Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) verlangte nach der Sitzung nun von Flughafenchef Hartmut Mehdorn und Technikchef Horst Amann ein Ende ihres Streits. „Wir vom Aufsichtsrat erwarten, dass eine Geschäftsführung sich professionell verhält und dass man zusammenarbeitet“, sagte Wowereit. „Das ist die Anforderung, und da führt auch kein Weg dran vorbei.“ Damit scheint die Position von Amann vorerst gesichert. Laut Wowereit als amtierendem Aufsichtsratschef sei in der gut dreistündigen Sitzung keine Personalentscheidung gefallen.
Der Aufsichtsrat genehmigte zudem also die elf Millionen Euro für die elektronische Datenautobahn am BER. Das Netz für zahlreiche Systeme wie Gepäckabfertigung und Check-In funktioniert nicht zuverlässig. Insgesamt sollen auf dem Datennetz rund 360 Einzelsysteme von Airlines, Dienstleistern, Behörden und sonstigen Flughafennutzern störungsfrei laufen. Die Umbauarbeiten sollen angeblich schon bald beginnen.




