Hauptstadtflughafen

BER-Geschäftsführer Amann könnte schon am Freitag gehen

Wenn sich der BER-Aufsichtsrat am Freitag trifft, geht es vordergründig um einen Routineauftrag. Insgeheim wird aber spekuliert, wie lange sich Technikchef Horst Amann noch halten kann.

Foto: Stephanie Pilick / dpa

Beim Berlin-Brandenburger Flughafenprojekt BER in Schönefeld gibt es nicht mehr viel, was einen überraschen könnte. Die Rolltreppen sind zu kurz, im Bahnhof hält mehrmals in der Woche ein leerer Zug. Und ob der Lichtschalter wirklich funktioniert, lässt sich von außen kaum einschätzen, da das Terminal auch in der Nacht hell erleuchtet ist.

Doch es gibt Nachrichten, die selbst bei solch absurden Voraussetzungen noch für Erstaunen sorgen. Nach dem vorzeitigen Ausscheiden von Flughafenchef Rainer Schwarz und Technikchef Manfred Körtgen könnte nun mit Technikchef Horst Amann ein weiterer Geschäftsführer vorzeitig seinen Posten räumen. Dieses Gerücht hält sich schon seit mehreren Wochen hartnäckig.

Nun könnte der Zeitpunkt für eine Entscheidung gekommen sein. Am Freitag findet eine außerordentliche Aufsichtsratssitzung statt. Offiziell steht keine Personalentscheidung auf der Tagesordnung. Die Mitglieder des Kontrollgremiums wollen vor allem den Auftrag geben, endlich ein funktionsfähiges WLAN-Netz für den neuen Hauptstadtairport BER zu installieren. Das stellte sich als großes Problem während des Probebetriebs heraus. Zahlreiche Systeme wie Gepäckabfertigung und Check-in brachen regelmäßig zusammen, da die elektronische Datenautobahn nicht zuverlässig funktioniert.

BER-Budget soll um 21 Millionen Euro erhöht werden

Bei der Budgeterhöhung geht es angeblich um eine Summe von insgesamt 21 Millionen Euro. Es ist ein überschaubarer Betrag, wenn man bedenkt, dass die Baustelle in jedem Monat ohnehin 30 Millionen Euro kostet, ohne dass etwas Nennenswertes passiert. Bislang wurde solch eine Entscheidung im Rahmen eines sogenannten inoffiziellen Umlaufverfahrens geklärt. Dabei wurde der Sachverhalt schriftlich an die Mitglieder verschickt, die ihn mit ihrer Unterschrift abzeichneten.

Doch ausgerechnet dieses Mal soll dieses Verfahren nicht ausreichen, sodass eigens eine Aufsichtsratssitzung einberufen wurde. Nur fünf Tage nach der Bundestagswahl haben einige Mitglieder des Aufsichtsrats eigentlich andere Dinge, um die sie sich vorwiegend kümmern möchten. Genau das sorgte aber für das Gerücht, dass es bei der Sitzung möglicherweise um mehr als nur den Auftrag zur Reparatur des Internets geht.

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Horst Amann hat selbst dazu beigetragen, dass dieser Eindruck entstanden ist. Er schrieb vergangene Woche einen Brief an Berlins Regierenden Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD), der nach dem Ausscheiden von Brandenburgs ehemaligem Ministerpräsidenten Matthias Platzeck (SPD) vorübergehend wieder den Aufsichtsratsvorsitz übernommen hat.

In dem Schreiben schildert er die Zusammenarbeit mit Flughafenchef Hartmut Mehdorn als nicht tragbar. Angeblich soll ihn Mehdorn schon im Juni zum Rücktritt aufgefordert haben. Amann fordert den Aufsichtsrat daher auf, ihn in der Auseinandersetzung mit Mehdorn zu unterstützen. Andernfalls sieht er sich außerstande, seine Arbeit als technischer Geschäftsführer auszuüben.

Aufsichtsrat spielt Sitzung als reine Formsache herunter

Wie bei geheimen Unterlagen zum Flughafen bislang eigentlich immer der Fall, gelangte auch der Inhalt dieses Schreibens an die Öffentlichkeit. Seither ist endgültig jedem klar, dass es in der Führungsspitze der Flughafengesellschaft nicht auf Dauer so weitergehen kann. Entweder finden Mehdorn und Amann eine Form der Zusammenarbeit, die das Milliardenprojekt zu einem vernünftigen Abschluss bringt, oder der Aufsichtsrat kommt nicht umhin, eine weitere Personalentscheidung zu treffen.

Bislang wird die Sitzung am Freitag von allen Beteiligten als reine Formsache heruntergespielt. Es soll tatsächlich nur um besagten Auftrag für das WLAN-Netz gehen, heißt es. Das schließt allerdings nicht aus, dass die Mitglieder dem Aufsichtsratsvorsitzenden den Auftrag erteilen, mit Amann Verhandlungen über einen Aufhebungsvertrag zu beginnen. Vielleicht rechnet Amann sogar damit und hat besagten Brief dann doch ganz bewusst geschrieben, um seine Position für eine etwaige Abfindung zu verbessern.