Pannenflughafen BER

Der heimliche Streit zwischen den Flughafenchefs

Vor der BER-Aufsichtsratssitzung verhärten sich die Fronten zwischen Flughafenchef Mehdorn und Technikchef Amann. Sie haben unterschiedliche Pläne. Das dürfte über ihre berufliche Zukunft entscheiden.

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Es ist noch nicht einmal ein ganzes Jahr vergangen, seit Rainer Schwarz als Flughafenchef abgetreten ist. Doch Ruhe gab es an der Spitze der Flughafengesellschaft nur vorübergehend. Zwischen dem neuen Flughafenchef Hartmut Mehdorn und Technikchef Horst Amann ist die Stimmung mittlerweile so angespannt, dass ein erneuter Wechsel im Management auf mittlere Sicht wahrscheinlich erscheint. Dass Hartmut Mehdorn und Horst Amann irgendwann in ferner Zukunft zusammen den neuen Hauptstadtairport BER eröffnen, ist zweifelhaft.

Vordergründig spielen die Auseinandersetzungen zwischen den beiden Geschäftsführern noch keine Rolle. Bei der Aufsichtsratssitzung am heutigen Freitag wird es um Fortschritte auf der Baustelle gehen. Die Probleme bei der Brandschutzanlage bestehen weiterhin, und auch das Internet für die elektronischen Systeme am BER funktioniert nicht zuverlässig. Hier muss Hartmut Mehdorn Lösungsansätze präsentieren. Dass er schon bei dieser Sitzung einen neuen Eröffnungstermin nennen wird, ist dagegen so gut wie ausgeschlossen.

Mehdorn will BER teileröffnen

Wichtigster Punkt auf der Tagesordnung dürfte Mehdorns Konzept für die Teileröffnung des BER werden. Spannend ist das Konzept nicht nur aus technischer Sicht. Denn nirgendwo sonst wird der Konflikt zwischen Mehdorn und Amann deutlicher als bei dieser Frage. Beide verfolgen unterschiedliche Pläne. Wer sich hier durchsetzt, dürfte auch langfristig die bessere Machtposition innerhalb der Flughafengesellschaft haben. Im Extremfall könnte sich daran sogar entscheiden, wer dauerhaft im Unternehmen bleibt und wer geht.

Dem Aufsichtsrat muss das bewusst sein, wenn er Hartmut Mehdorns Konzept beurteilt. Dieses sieht vor, dass im kommenden Frühjahr der Nordpier des BER eröffnet wird. Probeweise hat Mehdorn dort schon einmal Abfertigungsschalter hinstellen lassen. Sehr wahrscheinlich wird die Fluglinie Germania mit drei Fliegern am Tag den Betrieb aufnehmen. Rund sechs Millionen Euro sollen die erforderlichen Umbauarbeiten angeblich nur kosten. Der Betrag ist überschaubar, wenn man bedenkt, dass durch die Baustelle am BER und die fehlenden Einnahmen in jedem Monat ein Verlust von 35 Millionen Euro entsteht.

Teileröffnung lohnt sich finanziell nicht

Hartmut Mehdorn erhofft sich davon zwei Vorteile. Einerseits will er den BER im Kleinen testen. Auf diese Weise könnte man noch vor der großen Eröffnung auf etwaige Fehler reagieren. Gleichzeitig will er die Mitarbeiter schon jetzt an den BER gewöhnen. Denn nicht nur die meisten Anwohner, auch viele Mitarbeiter bei Bodendienstleistern und Sicherheitsfirmen hatten zuletzt kaum Begeisterung für ihre neue Arbeitsstelle gezeigt. Auf diese Weise dürfte ihnen die Umstellung vermutlich leichter fallen.

Finanziell lohnt sich die Teileröffnung nicht, im Gegenteil. Denn dann hat Berlin plötzlich wieder drei Flughäfen. An der Stelle kommen die Pläne von Horst Amann ins Spiel. Dieser schlug vor, im Laufe des kommenden Jahres den alten Flughafen in Schönefeld zu schließen und den kompletten Betrieb an den BER zu verlagern. Dadurch ließen sich nicht nur Kosten sparen. Auch auf diese Weise könnte der BER getestet werden, bevor der deutlich größere Betrieb aus Tegel noch dazukommt.

Amann wird nichts übrig bleiben als zurückzustecken

Dass diese Idee umgesetzt wird, ist unwahrscheinlich. Sollte es nämlich dazu kommen, wäre das für Hartmut Mehdorn eine empfindliche Niederlage. Für den Fall soll er bereits angedroht haben, nicht an der Spitze der Flughafengesellschaft bleiben zu wollen. Und eine erneute Suche nach einem Flughafenchef können sich die Gesellschafter Bund, Berlin und Brandenburg nicht leisten.

Horst Amann wird daher nichts anderes übrig bleiben, als zurückzustecken. Das fällt ihm natürlich schwer, denn unmittelbar nach seinem Amtsantritt im August 2012 war er zwar nicht formell, aber doch faktisch Chef der Flughafengesellschaft. Das hat sich geändert, seit Hartmut Mehdorn als Vorsitzender der Geschäftsführung ihm gegenüber weisungsbefugt ist.

Probebohrungen werden möglicherweise zum Verhängnis

Wann genau es zwischen den beiden zum Bruch kam, ist schwer zu sagen. Amann tat sich keinen Gefallen, als er sagte, dass sich im Terminal das Licht nicht an- und ausschalten lässt. Auch wertete es Mehdorn als Vertrauensbruch, dass Amann nebenher eigene Pläne für die Inbetriebnahme des BER entwickelte. Davon soll er angeblich während seines Urlaubs erfahren haben.

Amanns Kritiker sehen in ihm einen Experten für Tiefbau, der sich vor allem beim Bau einer Landebahn gut auskennt, nicht aber eines Terminals. Für sie passte es nur zu gut ins Bild, dass ein Gutachten vor Kurzem ergab, dass die Nordbahn des BER gar nicht von Grund auf saniert werden muss. Stattdessen reicht es aus, den Belag zu erneuern. Auf diese Probebohrungen hatte Amann bei seiner ansonsten ausführlichen Bestandsaufnahme verzichtet. Das wird ihm nun möglicherweise zum Verhängnis.

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