I love TXL

Die provokante Liebeserklärung der Lufthansa an Tegel

Die Lufthansa gilt nicht unbedingt als hip und lässig. Doch jetzt ließ der Konzern Jutebeutel mit einer Liebeserklärung an den Flughafen Tegel verteilen – und schafft sich damit Freund und Feind.

An der Ackerstraße in Mitte oder der Weserstraße in Neukölln hat der Leinenbeutel längst die Handtasche aus Leder ersetzt. Das schnöde „Jute statt Plastik“-Image hat der Leinenbeutel abgeschüttelt. Er ist, man glaubt es kaum, zum Modeaccessoire geworden.

Beim Classic Open Air am Berliner Gendarmenmarkt steuerte die Lufthansa nun ein ganz eigenes Modell in Safrangelb bei und ließ es an die Zuhörer verteilen. Und sorgte damit für eine Überraschung. Von wegen BER: Auf dem Beutel steht eine Liebeserklärung an den Flughafen Tegel: „I love TXL“.

Offiziell freut sich die Lufthansa natürlich auf den künftigen Hauptstadt-Airport BER in Schönefeld. Denn der alte Flughafen Tegel ist längst zu klein und viel zu eng. Wobei aus Sicht vieler Geschäftsreisender allerdings genau das seine große Stärke ist. Sie lieben Tegel wegen seiner kurzen Wege. Und diese Passagiere in der Businessclass gehören zu den wichtigsten Kunden der Lufthansa. Über Twitter erklärte ein Mitarbeiter der Airline: „Wir wollen doch nur generell unsere Liebe zu TXL ausdrücken“ – und fügte ein Smiley an.

Methode, um Stimmung zu testen

Es ist eine Liebeserklärung, die bei vielen Berlinern gut ankommt. Allerdings nicht bei denen, die in der Einflugschneise von Tegel wohnen. Sie waren fassungslos, als BER-Flughafenchef Hartmut Mehdorn gleich bei seinem Amtsantritt im Frühjahr dieses Jahres einen längeren Betrieb des innerstädtischen Flughafens ins Gespräch brachte. Juristisch wäre ein Weiterbetrieb von Tegel wohl möglich. Doch ob das die Bürger im Norden der Stadt hinnehmen würden, ist fraglich.

Insofern ist der neue Leinenbeutel mit „I love TXL“ eine gute Methode, um die Stimmung zu testen. Schon bei der Tourismusmesse ITB im März verschenkte die Lufthansa Beutel mit dem Tegel-Liebesspruch. Da die Aktion gut ankam, setzt die Lufthansa sie nun fort. Ein Ende in Tegel ist ebenso wenig in Sicht wie ein Starttermin für den BER.