BER-Debakel

Am Flughafen BER gibt es „sofort“ mehr Schallschutz

Die Flughafengesellschaft will beim Schallschutz für die betroffenen Anwohner nachbessern. In 14.000 Häusern darf die Lautstärke von Gesprächen nicht übertroffen werden. Aber: Mehr Geld gibt es nicht.

Foto: Bernd Settnik / dpa

Im Streit um einen angemessenen Lärmschutz im Umland des neuen Hauptstadtflughafens BER geht die Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) nun auf die Anwohner zu. Gut ein Jahr nach der ursprünglich geplanten Eröffnung des Airports kündigte das Unternehmen am Donnerstag an, „sofort“ für den vorgeschriebenen Schallschutz zu sorgen. Dabei will der Flughafen nun der Vorgabe folgen, dass durch den Lärm der am BER startenden und landenden Flugzeuge in den 14.000 betroffenen Häusern die Lautstärke von Gesprächen tagsüber kein einziges Mal übertroffen werden darf.

Wo das durch bauliche Vorkehrungen nicht geht, will der Betreiber dennoch Dämmungen und Schallschutzfenster anbieten, auch wenn das Schutzziel dadurch nicht erreicht wird. Diesen Kompromiss hat die Flughafengesellschaft am Donnerstag vergangener Woche mit den Bürgermeistern der am stärksten von Fluglärm betroffenen Gemeinden ausgehandelt.

Vor allem aus Kostengründen hatte die Flughafengesellschaft den Schallschutz für BER-Anrainer jahrelang zu klein dimensioniert. Obwohl der Planfeststellungsbeschluss es nicht erlaubt, dass die Gesprächslautstärke von 55 Dezibel tagsüber im Innern übertönt wird, hielt der Flughafen bis zu sechs Grenzwert-Überschreitungen am Tag für zulässig. Im April schritt das Oberverwaltungsgericht (OVG) Berlin-Brandenburg ein und bestätigte die strengen Vorgaben der Baugenehmigung. Die Kosten für das Lärmschutz-Programm könnten für die FBB nun von 139 Millionen Euro auf 730 Millionen Euro steigen.

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Wo es baulich möglich ist, will die Flughafengesellschaft nun „ohne Wenn und Aber“ die Vorgaben erfüllen. Die FBB will jetzt schnellstens auf alle Betroffenen zugehen und in einem Schreiben die weitere Vorgehensweise erläutern. Können die Lärmschutz-Vorgaben durch bauliche Maßnahmen nicht erfüllt werden, sieht der Planfeststellungsbeschluss vor, dass die Eigentümer mit 30 Prozent des Verkehrswertes ihrer Häuser entschädigt werden.

Das Geld können die Hauseigentümer allerdings auch für andere Dinge als den Schallschutz ausgeben – das soll der nun gefundene Kompromiss verhindern. „Lieber baulichen Schallschutz statt dicke Autos“, sagte dazu der Bürgermeister von Blankenfelde-Mahlow, Ortwin Baier (SPD), am Donnerstag. „Manchmal muss man die Leute vor sich selber schützen.“ Wer jedoch auf eine Entschädigung bestehe, habe darauf aber unverändert Anspruch.

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Trotz des Kompromisses wollen weiterhin beide Seiten die Schallschutzvorgaben ändern. Baier will für die Anwohner mehr rausholen und fordert eine höhere Kappungsgrenze für die Entschädigungen – in Höhe von 50 oder 60 Prozent des Verkehrswertes ihrer Häuser. Flughafenchef Hartmut Mehdorn hält dagegen die Beschwerde gegen das Oberverwaltungsgericht aufrecht, das keine Revision gegen sein Urteil zugelassen hat. Die Beschwerde habe haftungsrechtlichen Gründe und bedeute nicht, dass die Flughafengesellschaft ihren Verpflichtungen aus dem OVG-Urteil nicht vollumfänglich nachkommen werde, betonte jedoch das Unternehmen.