Der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft zieht einen längeren Betrieb des Flughafens Tegels in Erwägung. „Wenn wir eine Hilfestellung brauchen, um eine sinnvolle Eröffnung des BER hinzubekommen, werden wir das machen“, sagte Brandenburgs Ministerpräsident und Aufsichtsratsvorsitzender Matthias Platzeck (SPD). Dabei gehe es um vielleicht zwei bis drei Monate zusätzlich. „Einen dauerhaften parallelen Betrieb von Tegel und dem BER kann ich mir dagegen planungstechnisch, aus Lärmgesichtspunkten und wirtschaftlich nicht vorstellen.“

Derzeit sieht der Planfeststellungsbeschluss vor, dass Tegel sechs Monate nach Inbetriebnahme des BER geschlossen wird. Doch der neue Flughafenchef Hartmut Mehdorn hatte gleich an seinem ersten Arbeitstag Mitte März eine Debatte darüber angestoßen, ob man einen funktionierenden Flughafen wie Tegel tatsächlich schließen müsse. Diesen Vorstoß bekräftigte Mehdorn erneut: „Über eine längere Öffnung Tegels nachzudenken ist nicht verboten.“

Managerin als Finanzvorstand im Gespräch

Laut Platzeck sei die Suche nach einem Finanzvorstand noch nicht abgeschlossen. Nach Informationen der Berliner Morgenpost soll Heike Fölster den Posten übernehmen. Bislang gibt es unter Flughafenchef Mehdorn nur noch Technikchef Horst Amann. Die Neuordnung der Geschäftsführung war notwendig geworden, nachdem die Finanzen infolge der Terminverschiebungen außer Kontrolle geraten waren. Heike Fölster war bislang für die Finanzen des weltweit agierenden Konzerns Germanischer Lloyd zuständig. Zuvor kümmerte sie sich um das Zahlenwerk des Flughafens Hamburg.

„Sprint“ gestartet

Mehdorn startete nun offiziell sein Beschleunigungsprogramm „Sprint“, durch das er das Tempo auf der Baustelle erhöhen will. „Wir machen jetzt einen Neuanfang an vielen Stellen des Unternehmens“, sagte Mehdorn. So soll unter anderem der Ingenieur Hany Azer künftig das Team verstärken. Azer hatte Mehdorn schon beim Bau des Berliner Hauptbahnhofs unterstützt. Bei „Sprint“ sollen alle wichtigen Aufgaben gebündelt und von einer Stelle aus gesteuert werden. Das betrifft die noch anstehenden Restbauarbeiten ebenso wie die Genehmigungen von den Behörden und den Umzug an den BER. Hier will Mehdorn nun auch eine stufenweise Eröffnung des BER prüfen lassen.

2008 hatte die Flughafengesellschaft beschlossen, in nur einer Nacht von den beiden alten Flughäfen Tegel und Schönefeld an den BER umzuziehen. Das wäre auch weiterhin Mehdorns bevorzugte Variante. Doch nun will er untersuchen lassen, ob eine zeitlich gestaffelte Eröffnung, bei der die Zahl der Flugbewegungen am BER schrittweise erhöht wird, nicht doch besser wäre. „Es gibt immer sieben Wege, die nach Rom führen, sagte Mehdorn.

Wirtschaftsplan verabschiedet

Ein große Rolle spielte bei der Sitzung auch die finanzielle Lage der Flughafengesellschaft. Der Aufsichtsrat verabschiedete den Wirtschaftsplan für 2013. So sollen in diesem Jahr 650 Millionen Euro an Gesellschaftermitteln für die Fertigstellung des BER fließen. Das ist fast ein Drittel weniger als die ursprünglich geplanten 900 Millionen Euro. Allerdings ging man damals auch noch von einer Eröffnung des BER im Oktober 2013 aus.

Ob das insgesamt zur Verfügung stehende Geld am Ende reichen wird, vermag Hartmut Mehdorn heute noch nicht zu sagen. Es sei klar, jeder weitere Monat Bauzeit koste Geld, so der Flughafenchef. Doch bevor man sich zu den Finanzen äußern könne, brauche man einen verlässlichen Starttermin. „Wir sagen so früh wie möglich, wenn wir einen Termin nennen können, aber spielen nicht Kasperle“, sagte Mehdorn. Zeit und Geld gehörten zusammen, „und solange wir das eine nicht wissen, können wir zum anderen auch nichts sagen.“

Ex-Tegel-Betriebsleiter kehrt zurück

Elmar Kleinert wird als neuer Chef des Flughafenbetriebs nach Berlin zurückkehren. Bevor er 2008 als Geschäftsführer zum Flughafen Paderborn wechselte, war er Betriebsleiter des Flughafens Tegel.

Wie groß das Vertrauen der Gesellschafter in Mehdorn ist, wurde an zwei Dingen deutlich. Anders als in den Monaten zuvor fehlte Technikchef Horst Amann bei der Pressekonferenz im Anschluss an die Aufsichtsratssitzung. Mehdorn sprach alleine für die Geschäftsführung. Zudem soll die nächste Sitzung erst im Juni sein. Bis dahin will man den neuen Flughafenchef in Ruhe seine Arbeit machen lassen.