Hauptstadtflughafen

BER schön sauber für Politiker-Rundgänge

Damit der Pannenflughafen für die Besucher wenigstens sauber aussieht, soll das Management bis zu 50.000 Euro pro Aktion ausgegeben haben. Die Flughafengesellschaft dementiert dies jedoch.

Foto: JOHANNES EISELE / AFP

Obwohl es in den vergangenen Monaten kaum etwas Neues am BER-Flughafen zu sehen gab, herrschte vor und im neuen Terminal reges Treiben. Heerscharen von Politikern aus dem Bundestag, dem Berliner Abgeordnetenhaus und dem Brandenburger Landtag zog es nach Schönefeld hinaus, um sich ein Bild von der peinlichen Baustelle zu machen. Hinzu kamen die Beamten aus diversen Senatsdienststellen und Ministerien. Gab es anfangs noch so manche Beschwerde, dass bereits eingebaute teure Computertechnik etwa in den Check-in-Schaltern mit einer dicken Staubschicht überzogen ist, folgten bald darauf die lobenden Einschätzungen, dass sich der Pannen-Flughafen wenigstens in einem halbwegs aufgeräumten und sauberen Zustand befindet.

Ein offenbar ganz gezielt herbeigeführter Eindruck. Nach Informationen des Westdeutschen Rundfunks (WDR) soll das Management der Berliner Flughafengesellschaft vor Politikerbesuchen auf der Baustelle Sonderreinigungen veranlasst haben. Die nächtlichen Einsätze, die 50 bis 60 Mitarbeiter einer Berliner Reinigungsfirma vor dem jeweiligen Besuch bewältigt hätten, sollen pro Aktion 40.000 bis 50.000 Euro gekostet haben.

Ein ehemaliger Mitarbeiter aus dem Planungsstab des BER bezeichnete die Rundgänge in der WDR-Dokumentation „Pleiten, Pech und Peinlichkeiten“, die von der ARD im Ersten am heutigen Montag ab 22.45 Uhr ausgestrahlt wird, als eine „reine Showveranstaltung“. Demnach sei in Strategierunden vorab überlegt worden, welchen Weg man den Politikern am besten zeigen könne. „Wir haben das immer ‚Walt-Disney-Pfad‘ genannt“, so der Insider in dem Fernsehbeitrag wörtlich. Man habe auch Türen versperrt, damit die Politiker auf keinen Fall in Räume schauen, wo Kabel von der Decke hängen oder wo es noch nach Rohbau aussieht.

Der Sprecher der Berliner Flughafengesellschaft, Ralf Kunkel, weist die Vorwürfe als „ausgemachten Unsinn“ zurück. Es habe keine geschönten Besucherrundgänge gegeben. Richtig sei, dass vor solchen Touren geprüft wurde, ob bei den Wegen auch die Verkehrssicherheit gegeben sei. „Das ist völlig normal, denn das BER-Terminal ist ja eine Baustelle“, sagte der Flughafen-Sprecher der Berliner Morgenpost. Auch sei die Baustelle in regelmäßigen Abständen gereinigt worden. „Auch das ist doch ganz normal“, so der Sprecher.

Mehdorns erster Arbeitstag

Die neuen Vorwürfe überschatten den heutigen ersten Arbeitstag von Hartmut Mehdorn. Der langjährige Vorstandschef der Deutschen Bahn und von Air Berlin war erst am vergangenen Freitag zum neuen Vorsitzenden der Geschäftsführung der Flughafengesellschaft Berlin-Brandenburg (FBB) berufen worden. Der 70-Jährige soll das nach vier Terminabsagen schwer angeschlagene Prestigeprojekt BER zu einem guten Ende bringen. Zugleich muss der innerstädtische Airport Tegel so ertüchtigt werden, dass der zuletzt stark angestiegene Flugverkehr von und nach Berlin möglichst reibungslos bewältigt wird.

An seinem ersten Arbeitstag will Mehdorn, wie er am Freitag sagte, erst einmal die Mannschaft kennenlernen. Geplant ist dabei auch ein Treffen mit seinem künftig wohl wichtigsten Mitstreiter, dem Technikgeschäftsführer Horst Amann. Dabei soll es auch um den Geschäftsverteilungsplan, also die Aufteilung der Macht innerhalb des FBB-Managements, gehen. Eine zentrale Frage ist, ob weiter nach einem zusätzlichen Geschäftsführer gesucht wird, der sich um die Finanzen der Flughafengesellschaft kümmert, oder ob Mehdorn diese Aufgabe wie sein Vorgänger Rainer Schwarz mit übernimmt.

Bislang besteht die Geschäftsführung aus Hartmut Mehdorn und Technikchef Horst Amann. Der Aufsichtsrat hatte aber Ende des vergangenen Jahres beschlossen, noch einen Finanzchef zu suchen. Berlin und Brandenburg sowie der Bund sind die Bauherren des Flughafens, dessen kalkulierte Kosten seit 2006 von zwei Milliarden auf inzwischen 4,3 Milliarden Euro gestiegen sind. Damit die Flughafengesellschaft aufgrund der zusätzlichen Ausgaben nicht insolvent wird, hatten die Gesellschafter im vergangenen Herbst eine Finanzspritze in Höhe von 1,2 Milliarden Euro beschlossen. Ob das Geld angesichts der vielen Probleme reicht, ist derzeit unklar.

Focus berichtet von bis zu 40. 000 Mängeln

Nach Informationen des „Focus“ ist die Zahl der Mängel und Fehlfunktionen am BER möglicherweise doppelt so hoch wie bislang angenommen. Von bis zu 40.000 Mängeln berichtet das Nachrichtenmagazin und beruft sich dabei auf einen Fortschrittsbericht, der von Experten für den Aufsichtrat erarbeitet wurde. 20 Prozent der Mängel seien demnach so gravierend, dass sie die Inbetriebnahme des Flughafens gefährden. Dazu gehören insbesondere Funktionsmängel an der Brandschutztechnik, der Belüftung und der IT-Anlage.

Oppositionspolitiker in Brandenburg haben unterdessen gefordert, dass Mehdorn noch am Montag in den Landtags-Untersuchungsausschuss zum BER-Desaster kommt. Der Fraktionschef der Bündnisgrünen, Axel Vogel, sagte am Sonntag der Berliner Morgenpost: „Ich halte das für selbstverständlich.“ Er erwarte von Mehdorn, dass er erkläre, wie er seine Rolle als Vorstandschef der Flughafengesellschaft sieht. „Uns interessiert vor allem seine Position zum Lärmschutz.“ Mehdorn hat bereits bei seiner Vorstellung am Freitag deutlich gemacht, dass er nichts von einem erweiterten Nachtflugverbot am Hauptstadtflughafen hält. Damit widersprach er dem Aufsichtsratsvorsitzenden, Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck (SPD). Auch CDU-Fraktionschef Dieter Dombrowski forderte einen Auftritt Mehdorns vor dem Ausschuss: „Mehdorn würde damit eine Chance wahrnehmen.“