Hauptstadtflughafen

BER-Start geplatzt – Auch im März 2013 wird keiner abheben

Der Eröffnungstermin des neuen Berliner Flughafens BER soll erneut verschoben werden. Die Kritik an Flughafenchef Schwarz wächst.

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Die Eröffnung des Flughafens BER soll offenbar zum dritten Mal verschoben werden. Laut Informationen von Morgenpost Online wird der neue Starttermin um mehrere Monate nach hinten verschoben werden. Eine Entscheidung darüber soll wohl bei der Aufsichtsratssitzung am 14. September getroffen werden.

Die Flughafengesellschaft wies entsprechende Berichte am Dienstag jedoch zurück. Noch sei kein Beschluss gefasst worden, sagte Flughafen-Sprecher Ralf Kunkel. „Am Stand der Dinge hat sich nichts geändert.“ Der neue Flughafen-Technikchef Horst Amann prüfe noch, ob der geplante Eröffnungstermin am 17. März 2013 einzuhalten sei. Darüber werde auch bei der Aufsichtsratssitzung am Donnerstag gesprochen, so Kunkel.

Schon in den vergangenen Tagen hatte sich abgezeichnet, dass sich der Aufsichtsrat noch nicht auf einen späteren Eröffnungstermin festlegen will. So hatte auch Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) wiederholt gewarnt, zu schnell einen neuen Starttermin festzulegen. Man wolle dem neuen Chefplaner Horst Amann nicht beschädigen, in dem man ihm während seiner Einarbeitungszeit den neuen Starttermin diktiere, hieß es.

Vielmehr solle er selbst einen Termin nennen können. Intern werden allerdings längst Szenarien geprüft, die eine Eröffnung im Mai oder sogar Oktober 2013 vorsehen. Amann hatte seinen Dienst am BER am 1. August angetreten und Chefplaner Manfred Körtgen abgelöst, dem bislang die Hauptschuld für das Flughafen-Debakel angelastet wird.

Flughafenchef Rainer Schwarz immer stärker unter Druck

Nach Körtgen gerät auch Flughafenchef Rainer Schwarz immer stärker unter Druck. Am Dienstag wurde ein Mängelbericht öffentlich bekannt, in dem die Probleme am BER detailliert aufgelistet sind. Demnach waren nicht nur die Brandschutzprobleme dafür verantwortlich, dass der ursprünglich geplante Eröffnungstermin am 3. Juni dieses Jahres abgesagt werden musste.

Auch bei den Abläufen wie etwa der Gepäckabfertigung oder beim Check-In gab es weitaus mehr Schwierigkeiten als bislang bekannt. Im Abgeordnetenhaus nimmt die Kritik an Flughafenchef Schwarz deshalb zu. „Falls nach der Sitzung am Donnerstag erneut keine Klarheit über Termin, Mängel und Finanzen herrscht, ist der Aufsichtsrat in der Pflicht, weiteren Schaden vom Flughafen abzuwenden“, sagte die Grünen-Fraktionschefin Ramona Pop. Der Aufsichtsrat müsse sich dann fragen, ob Schwarz noch in der Lage sei, das Projekt erfolgreich zu führen. „Bislang macht es nicht diesen Eindruck“, sagte Pop.

Islamist auf der BER-Baustelle aufgegriffen

Inzwischen wachsen auch Bedenken über die Sicherheit am künftigen Hauptstadt-Airport. Am 2. August wurde auf der Baustelle ein Mann aus der islamistischen Szene aufgegriffen. Das teilten die Senatsinnenverwaltung in Berlin und das Brandenburger Innenministerium mit. Demnach war der in Berlin lebende Mann bei einer Kontrolle der Sicherheitsbehörden und des Zolls in Schönefeld entdeckt worden.

Laut Flughafengesellschaft sei der Mann allerdings nicht auf der gesicherten Baustelle tätig gewesen, sondern habe Objektschutz-Aufgaben im öffentlich zugänglichen Bereich an den Baustellencontainern übernommen. Er sei ebenso wie weitere illegal Beschäftigte im Auftrag eines „Nach-Nachunternehmens“ der Sicherheitsfirma tätig gewesen, hieß es. Der Mann arbeite nicht mehr an der Baustelle. Das Thema Sicherheit soll auch vom Aufsichtsrat besprochen werden.

Beim Lärmschutz zeichnet sich Kompromiss ab

Einzig beim Lärmschutz für die Anwohner des BER zeichnet sich ein Kompromiss ab. Die Flughafengesellschaft habe in einem Ende Juli vorgelegten Monatsbericht zu den Lärmschutzmaßnahmen betont, dass sie trotz der laufenden rechtlichen Auseinandersetzung die Vorgaben des Infrastrukturministerium einhalte, teilte das Brandenburger Ministerium mit.

Die Behörde hatte den Flughafen nach einem Gerichtsurteil aufgefordert, den Bürgern einen verbesserten Schallschutz zu gewähren und damit den im Planfeststellungsbeschluss vorgeschriebenen Standard einzuhalten. Dagegen geht der Flughafen gerichtlich vor.