Lärmschutz

Piloten dürfen BER-Routen abkürzen - aus Spargründen

Fluglärm-Gegner sind empört: Laut Flugsicherung dürfen Piloten die BER-Routen abkürzen, um Kerosin zu sparen.

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Wenn Jan-Marco Luczak morgens aus dem Fenster seiner Lichtenrader Wohnung schaut, entdeckt er immer häufiger „sehr deutliche Kondensstreifen am Himmel, wie sie tief fliegende Flugzeuge hinterlassen“. Beobachtungen, die dem CDU-Bundestagsabgeordneten auch viele Lichtenrader immer wieder schildern.

Deshalb hat Luczak, Mitglied im CDU/CSU- Arbeitskreis „Fluglärm“, Ende Juni eine Anfrage an die Deutsche Flugsicherung (DFS) geschickt. „Ich wollte wissen, unter welchen Umständen die DFS ein Abweichen von den festgelegten Flugrouten ermöglicht“, sagt er. Doch mit der jetzt gegebenen Antwort sei er alles andere als zufrieden, so Luczak weiter.

Denn aus der Antwort der DFS, die Morgenpost Online vorliegt, geht hervor, dass Flugzeuge zwar im Nahbereich des Flughafens gehalten sind, die Abflugstrecken aus Lärmschutzgründen möglichst genau einzuhalten. „Im weiteren Flugverlauf“, heißt es in der Antwort jedoch weiter, erhielten die Flugzeuge „regelmäßig Freigaben durch die Flugsicherung, etwa um ‚den Flugweg zu verkürzen, wodurch Treibstoff gespart wird'“.

Die DFS, so der Bundestagsabgeordnete, räume hier sehr deutlich ein, dass von Flugrouten abgewichen werde, um Kerosin zu sparen. Diese Praxis sei „nicht hinnehmbar“. Abgesehen von Sicherheitsgründen dürfe nicht von den Flugrouten abgewichen werden. „Flugrouten stellen einen austarierten Kompromiss zwischen Sicherheits-, Gesundheits- und wirtschaftlichen Interessen dar, um den die Betroffenen oft monatelang gerungen haben“, so der Politiker.

Wenn es Piloten nun ohne weiteres möglich sein sollte, davon abzuweichen, würde dieser Kompromiss nicht nur in Frage gestellt, sondern auch das Vertrauen der Menschen in die Bestandsfestigkeit von politischen Entscheidungen. Bedenklich sei auch, dass die DFS diese Praxis noch in der vergangenen Woche, unter anderem auch in der Berliner Morgenpost, bestritten habe.

Wie berichtet, hatte Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) die Flugsicherung aufgefordert, für Klarheit bei den Flugrouten zu sorgen. Anhand von DFS-Daten ließen sich zahlreiche Flugmanöver belegen, die zum Teil stark von den genehmigten Flugrouten abwichen. So seien frühe Freigaben für große Passagiermaschinen schon ab einer Höhe von rund 400 Metern zu beobachten gewesen. Festgelegt sei jedoch, dass größere Maschinen die Routenfreigabe erst nach 5000 Fuß (1700 Meter) erhalten. Den Vorwurf hatte die DFS zurückgewiesen.

„Ich ziehe aus diesem mir schriftlich gegebenen Eingeständnis der DFS die Konsequenz, dass es bei der Umsetzung von festgelegten Flugrouten mehr Verbindlichkeit geben muss“, sagt Luczak. Das könne parlamentarisch etwa durch eine Präzisierung des maßgeblichen Luftverkehrsgesetzes erreicht werden, das aktuell zu viel Interpretationsspielraum lasse. „Wir sollten die notwendige Abwägung zwischen Gesundheitsschutz auf der einen und wirtschaftlichen Interessen auf der anderen Seite zugunsten von mehr Lärmschutz für die Menschen gesetzlich deutlicher strukturieren“, so Luczak.

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