Flughafen BER

Ramsauer beschwert sich über Brandschutz-Test

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Der Bundesverkehrsminister kritisiert mangelnde Transparenz: Mitarbeiter seines Hauses hätten nicht beim Test dabeisein können.

Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) hat kritisiert, Vertretern seines Hauses sei eine Beobachtung des jüngsten Brandschutz-Tests am neuen Hauptstadtflughafen verweigert worden. „Wir wollten als Anteilseigner teilnehmen“, sagte ein Ministeriumssprecher. Ministeriumsvertreter seien zu dem Test am Dienstag nicht zugelassen gewesen, weil nur „Prozessbeteiligte“ hätten teilnehmen sollen.

Der Bund ist mit 26 Prozent an der Flughafengesellschaft beteiligt, zu jeweils 37 Prozent gehört sie ferner den Ländern Berlin und Brandenburg. Die Flughafengesellschaft teilte mit: „Das scheint ein Missverständnis zu sein. Wir haben die drei Gesellschafter gestern sehr detailliert, umfänglich und vollkommen gleichberechtigt über die Tests auf dem Laufenden gehalten.“

Die „Bild“-Zeitung zitiert Ramsauer mit den Worten: „Das Flughafen- Management muss den Prozess transparent gestalten, mit ehrlicher Analyse. Die Zeit der Heimlichtuerei und des Schönredens sollte der Vergangenheit angehören.“

Von der Funktionsfähigkeit des Brandschutzes hängt maßgeblich ab, ob der Hauptstadtflughafen Berlin Brandenburg (BER) wie geplant am 17. März eröffnet werden kann. Die „Soko BER“ des Ministeriums befasst sich laut Sprecher mit der Verschiebung des Eröffnungstermins.

Flughafengesellschaft dementiert Scheitern des Tests

Die Flughafengesellschaft dementierte einen Bericht über das angebliche Scheitern von drei der vier wichtigen Brandschutztests im neuen Hauptstadtflughafen. „Ich dementiere diesen Bericht“, sagte Flughafensprecher Ralf Kunkel am Mittwoch. Die Serie von vier Tests sei – wie bereits am Dienstag bekanntgegeben - „nach erstem Augenschein“ erfolgreich verlaufen. Jetzt würden die Messdaten ausgewertet. Bis zur Aufsichtsratssitzung am 16. August sollten Ergebnisse vorliegen.

Die „Märkische Allgemeine Zeitung“ hatte unter Berufung auf einen Augenzeugen berichtet, der erste Test am Dienstag sei „in die Hose“ gegangen, der zweite habe nur zu zehn Prozent funktioniert und der dritte sei abgebrochen worden. Die Testserie war die letzte vor der Aufsichtsratssitzung, auf der entschieden werden soll, ob der neue Eröffnungstermin am 17. März 2013 zu halten sein wird.

Der Brandschutz wird auch Thema in Brandenburg: In einer Sitzung des Hauptausschusses im Landtag am 22. August sollen die Vertreter der Flughafengesellschaft detailliert über den Ausgang der Testserie an der Brandschutzanlage informieren. Darum bat sie am Mittwoch der Ausschussvorsitzende und SPD-Fraktionschef Ralf Holzschuher.

Fünf Prozent mehr Starts und Landungen in Tegel

Wegen der verschobenen BER-Eröffnung gab es in Tegel im Juni fünf Prozent mehr Starts und Landungen als im Vorjahresmonat. Das sagte am Mittwoch Flughafensprecher Leif Erichsen. Diese Tendenz werde sich vermutlich während des Sommerflugplans durchziehen.

Anwohner des Flughafens Tegel und diejenigen Berliner, die wegen der verschobenen BER-Eröffnung noch immer Starts und Landungen hören, wollen die Situation nicht still ertragen – vor allem nicht Verspätungen ab 23 Uhr, wenn eigentlich Nachtruhe bis 6 Uhr herrschen sollte. „Es gibt relativ viele Beschwerden von Anwohnern“, sagte die Sprecherin der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung, Daniela Augenstein. Es seien nachts nicht deutlich mehr Maschinen unterwegs. Allerdings habe es wegen der Gewitter im Juli an einigen Tagen Verspätungen gegeben. Augenstein sprach von einem Sonderfall.

Augenstein zufolge müsse die Luftaufsicht am Flughafen vom 1. August an die Flugaufsicht nicht mehr ab 0 Uhr, sondern schon ab 23.30 Uhr über verspätete Starts informieren. Für Landungen gelte weiter die Frist von 24 Uhr. Danach könnten Maschinen zum Flughafen Schönefeld umgeleitet werden.

Lufthansa kann nicht nach Schönefeld ausweichen

In Tegel wird es für die Fluglinien derzeit bekanntlich recht eng. „Momentan kommen wir gerade so zurecht mit dem Flugplan“, sagte der Sprecher von Lufthansa, Wolfgang Weber. Die Gesellschaft musste ebenso wie Air Berlin die Planungen für den Hauptstadtflughafen nach dem geplatzten Eröffnungstermin auf Tegel verlagern. Seit dem 3. Juni habe es rund 50 Flüge gegeben, die erst nach 23 Uhr hätten landen können, sagte Weber. Nach Schönefeld, wo es kein Nachtflugverbot gibt, könne Lufthansa nicht ausweichen. „Wir können unseren Verkehr nicht splitten. Das wäre kein Service für die Kunden.“

Die Situation am Flughafen Berlin-Tegel sei „alles andere als optimal“, teilte die Pressestelle von Air Berlin mit. „Die gesamte Infrastruktur ist nicht auf diese Fluggastzahlen ausgelegt, was unsere Passagiere leider auch zu spüren bekommen.“ Die Fluglinie setze Zusatzpersonal ein. Auch Air Berlin könne nicht nach Schönefeld ausweichen, weil Tegel ein Drehkreuz sei.

( dpa/dapd/alu )