Flughafen

Ticket-Probleme – Wenn BER draufsteht und TXL drin ist

Im Juni sollen Fluggäste von BER starten, das steht auf den Tickets. Nun geht's von Tegel los - was die Ticketsysteme teils nicht wissen.

3. Juni 2012 - der Hauptstadtflughafen BER sollte eröffnet sein. Ist er aber nicht. Wer ab BER fliegen sollte, fliegt tatsächlich ab Tegel. Das macht die Sache mit dem Abfliegen mitunter schwierig.

Helmar Rendiz ist am Sonntagmittag dienstlich nach Malta unterwegs. Eigentlich hätte er vom neuen Flughafen BER abfliegen sollen. Jetzt steht er in der Halle des Flughafens Tegel und wartet darauf, dass es losgeht. „Das Dumme ist nur, dass ich die Bordkarte nicht online buchen konnte, das System scheint das Hin und Her mit den Flughäfen nicht zu verkraften“, sagt er und muss nun in einer langen Schlange anstehen, um einzuchecken.

Wie Rendiz geht es vielen Flugpassagieren an diesem Sonntag. Geplant war, dass sie von Schönefeld fliegen, stattdessen reisen sie nun doch wieder von Tegel ab. Das sei zwar blamabel für Berlin, sagen viele, nehmen es aber dennoch gelassen und freuen sich vor allem darüber, dass es wider Erwarten am „alten Flughafen“ kein Chaos gibt. Wer im Norden oder Westen der Hauptstadt wohnt, ist außerdem froh, dass er nicht bis nach Schönefeld rausfahren muss.

Auch für Rendiz ist es nicht so schlimm, dass die Eröffnung des neuen Großflughafens verschoben worden ist. „Da müssen wir alle eben noch etwas Geduld haben“, sagt er. Der BER sei ein Großprojekt, die Umsetzung nicht so einfach. „Bisher ist da Großartiges geleistet worden.“ Der Mann ist Bauunternehmer und sagt, er wisse deshalb, wovon er spreche.

Die Flüge von Henning und Melanie Gerlach aus Zehlendorf wurden auch umgebucht. Zusammen mit ihren Töchtern Florentine und Emmelie sind sie in den Urlaub nach Portugal unterwegs. „Wir sollten vom BER abfliegen und damit zu den Ersten gehören, die den neuen Flughafen ausprobieren“, sagt Henning Gerlach. Das habe sich nun erledigt. „Zum Glück, wenn man bedenkt, dass sich nun gezeigt hat, wie vieles da noch nicht fertig war.“ Testpersonen hätten sie nicht gern sein wollen, zumal die Kinder noch so klein sind, meint Gerlach.

Morgenpost-Redakteur Sören Kittel hat Probleme mit der Flughafenumstellung. Vor zwei Wochen hat er einen Flug mit Ukraine International Airlines (UIA) von Berlin nach Kiew gebucht. Doch obwohl schon damals feststand, dass der neue Hauptstadtflughafen nicht rechtzeitig eröffnen wird, steht für den Abflugort noch der neue Drei-Buchstaben-Code BER auf dem Ticket. Das bringt den Journalisten am tatsächlichen Abflug-Airport Berlin-Tegel – Drei-Buchstaben-Code TXL – erst einmal kräftig in Bedrängnis. Denn am Check-in-Schalter wird das gebuchte Ticket für Flug PS204 zunächst nicht anerkannt.

„Authentification Ticket Mismatched“ (Ticketangaben nicht erkannt) zeigt der Computer, über den die Bordkarten für den Flug ausgedruckt werden. Fast eine halbe Stunde benötigt die Service-Mitarbeiterin am UIA-Schalter, bevor Kittel doch noch einen Platz in der ukrainischen Boeing nach Kiew zugewiesen bekommt. „Wir haben heute viele solcher Probleme zu lösen“, sagt eine Frau vom Bodenpersonal.

Ute Mörsdorf aus Wedding und Jörg Hett aus Rudow haben sich vorgenommen, trotz allem ruhig zu bleiben. „Wir fahren in den Urlaub und sind deshalb entspannt“, sagt Ute Mörsdorf. Sie habe außerdem so eine Ahnung gehabt, dass das nicht klappen werde mit dem BER. „Ich war im Frühjahr als Testperson auf dem neuen Flughafen und habe gesehen, wie viel da noch im Argen liegt“, sagt Mörsdorf. Nun könnten sie eben doch noch mal von Tegel fliegen, meint Jörg Hett. „Das ist doch schön, ein richtiger Abschiedsflug.“ Schließlich sei Tegel all die Jahre ihr Flughafen gewesen.

Alle Informationen rund um den neuen Hauptstadtflughafen BER im Special von Morgenpost Online – und in unserem Blog Hin und Weg